Netzwerken lernen: Tipps von Karriere­expertin Christiane Wolff

Ohne Vitamin B geht nichts! Das gilt nicht nur für deinen Speiseplan, sondern auch für dein berufliches Umfeld. Das B steht hier für Beziehungen – und die können deine Karriere effektiv ankurbeln. Wie du dir schon in der Ausbildung ein Netzwerk aufbauen und beruflich durchstarten kannst? Networking-Expertin Christiane Wolff verrät die besten Tipps.

Warum befeuern gute Kontakte deine Karriere?

Der Mensch ist ein Beziehungstier. Wir brauchen gegenseitigen Austausch und Unterstützung – nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im beruflichen. Jede dritte Stelle in Deutschland wird laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung über Kontakte vergeben. In Kleinbetrieben mit höchstens 50 Beschäftigten kommt sogar die Hälfte aller Mitarbeitenden über Vitamin B zur neuen Stelle. Wer mit einer persönlichen Empfehlung zum Bewerbungsgespräch kommt, hat also bereits einen Vertrauensvorsprung – und damit die erste Hürde auf dem Weg zum Traumjob gemeistert. 

Kontakte und ein gutes Netzwerk sind deshalb ein wichtiger Zündstoff für deinen Karriereturbo. "Denn nur wer die richtigen Personen im beruflichen Umfeld kennt, kann um Unterstützung in allen beruflichen Belangen bitten – und natürlich auch weiterempfohlen werden", sagt Christiane Wolff. Die Expertin für Marketing und Networking hat unter anderem das Frauen-Netzwerk Nettwerk und das Netzwerk Handwerk 2025 mitgegründet.

Doch auch wenn Connections der Karriere den nötigen Schub verleihen können, betont die Netzwerk-Expertin: "Das Geben steht vor dem Nehmen." Man sollte sich also immer fragen, was man selbst einbringen kann. Welche Expertise, welche Branchenkontakte kann man selbst mit einbringen?

Zu Anfang deiner Ausbildung hast du in dieser Hinsicht vielleicht noch nicht so viel anzubieten – doch das macht nichts. Du kannst gar nicht früh genug damit starten, dir ein verlässliches Netzwerk aufzubauen. Am besten beginnst du damit schon in der Berufsschule: Der Austausch mit deinen Mitschülerinnen und Mitschülern legt den Grundstein für spätere gemeinsame Projekte, Geschäftsideen oder gar Unternehmensgründungen. Außerdem zeigt sich bereits beim Lernen für die Abschlussprüfung, wie sehr sich gute Kontakte auszahlen: Wer sich in einer Lerngruppe gegenseitig unterstützt, erreicht bessere Ergebnisse mit weniger Aufwand – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Junge Frau in Blaumann und rotem Shirt fährt einen Gabelstapler.

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Netzwerk-Arten: Persönliche Kontakte oder Fach-Community

Netzwerke haben eines gemeinsam: Sie bringen Menschen zusammen. Wie du zum Teil eines Netzwerk wirst und welche Ziele im Vordergrund stehen, unterscheidet sich aber je nach Netzwerk-Typ.

Informelle Netzwerke

Der effektivste Zündstoff für deine Karriere: persönliche Kontakte, die du dir im Laufe deiner Berufszeit aufbaust. Sie bilden das Grundgerüst deines informellen Netzwerks, für das du selbst verantwortlich bist. Schon in der Ausbildung kannst du dich mit anderen Azubis vernetzen, Telefonnummern austauschen oder via Social Media in Kontakt bleiben, und ein vertrauensvolles Verhältnis zu Kolleginnen oder Kollegen und Vorgesetzten im Ausbildungsbetrieb aufbauen – Sympathie vorausgesetzt.

Auch wenn ihr nicht oder nicht mehr im selben Betrieb arbeitet: Bleib in Kontakt – etwa, indem du Geburtstagsgrüße verschickst oder einen Link zu einem Artikel teilst, den dein Gegenüber interessieren könnte. So zeigst du, dass du die Person nicht vergessen hast. Wenn du dich lieber in geselliger Runde austauschst, kannst du auch einen Stammtisch einrichten und dich so regelmäßig mit Ex-Kolleginnen und Ex-Kollegen oder ehemaligen Mitschülerinnen und -schülern aus der Berufsschule treffen. So baust du dein informelles Netzwerk weiter aus.

Im Verlauf deines Berufslebens kommen noch Kontakte dazu, die du beispielsweise auf Messen oder Veranstaltungen kennenlernst. "Aber eine Sammlung an Visitenkarten oder LinkedIn-Kontakten allein reicht nicht", weiß Netzwerk-Expertin Christiane Wolff. Erst nach durchschnittlich sieben Kontakten entstehe ein gemeinsames Projekt, ein Auftrag oder ein Jobangebot. Das heißt: Du solltest deine Kontakte pflegen, um von ihnen profitieren zu können.

Beim Networking steht das Geben vor dem Nehmen. Frag dich also: Was kann ich selbst an Wissen und Kontakten anbieten?
Christiane Wolff, Networking-Expertin

Formelle Netzwerke

Formelle Netzwerke wollen gezielt Menschen aus bestimmten Branchen oder Gruppen miteinander in Verbindung bringen. Zum Beispiel hat die Handwerkskammer München und Oberbayern zusammen mit der Internationalen Handwerksmesse und dem Handwerksunternehmen Crafty das Netzwerk Handwerk 2025 ins Leben gerufen.

Häufig veranstalten formelle Netzwerke auch Eventreihen, bei denen Branchenexpertinnen und -experten gemeinsam über Trendthemen diskutieren. Bei solchen Veranstaltungen kann man zum einen spannende Impulse erhalten und neue Perspektiven kennenlernen – zum anderen eignen sie sich wunderbar, um Menschen mit ähnlichen beruflichen Interessen kennenzulernen und so neue Kontakte zu knüpfen. Am Anfang kostet es vielleicht Überwindung, fremde Menschen anzusprechen. Aber du kannst dir klar machen, dass alle aus dem gleichen Grund hier sind wie du: um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu pflegen. Also trau dich ruhig, diese Events zu besuchen und bring dich ins Gespräch.

Darauf kommt es beim Netzwerken an

Christiane Wolff betreibt Networking aus Leidenschaft. Wie man gute und beständige Kontakte knüpft, weiß sie deshalb ganz genau. Darauf legt sie Wert:

  • Hilfsbereitschaft

    Geben statt Nehmen lautet die Devise! Klar möchtest du aus dem Netzwerk neue Ideen, Kooperationen, Informationen, Kontakte oder einen neuen Job erhalten. Aber zunächst musst du dir überlegen, was du ins Netzwerk einbringen kannst – und damit auch auf deine Networking-Partnerinnen und -Partner zugehen.

  • Vertraulichkeit

    Beim Business Networking tauscht man oft vertrauliche Informationen aus – beispielsweise, dass man mit dem aktuellen Arbeitgeber nicht glücklich ist und einen neuen Job sucht. Inhalte vertraulicher Gespräche sollten deshalb keinesfalls nach außen dringen, sonst ist das Vertrauen – und die Zugehörigkeit zum Netzwerk – schnell verspielt.

  • Ehrlichkeit

    Die Grundlage für Vertrauen ist Ehrlichkeit. Im geschützten Raum eines Netzwerks möchten die Mitglieder Themen beim Namen nennen dürfen. Denn: Nur wenn man sich ehrlich und offen austauscht, kann auch ein Mehrwert entstehen.

  • Neugier

    Neugier ist für Christiane Wolff der Schlüssel für intensive Gespräche und kreative gemeinsame Ideen. Sie fördert eine offene Geisteshaltung: Du hörst Menschen zu, gehst auf ihre Themen ein, fragst nach und suchst und findest gemeinsam mit ihnen neue Ideen – und teilst diese dann auch mit dem Rest des Netzwerks.

  • Respekt

    Netzwerken heißt, deine Kontakte zu respektieren und wertzuschätzen. Dazu gehört unbedingt, auch mal Danke zu sagen – etwa für Unterstützung, einen interessanten Tipp, einen spannenden Kontakt, eine Einladung zu einer Veranstaltung oder im Idealfall für die Vermittlung eines Projekts, Kunden oder Jobs. Dieses Dankeschön kann schon eine E-Mail sein oder auch ein kleines Geschenk.

Digitales Networking: Kontakte via XING und LinkedIn knüpfen?

Fast alles geht heute digital – auch Networking. Ein Profil auf XING oder LinkedIn ersetzt heute die klassische Visitenkarte. Schnell eine Kontaktanfrage rausgeschickt – zack, schon ist man vernetzt. Ambitionierte Karrieristen liefern sich fast schon ein Wettrennen, wer die meisten LinkedIn-Kontakte vorweisen kann. Aber kann das digitale Networking die persönliche Kontaktpflege ersetzen? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Ein stabiles Netzwerk baut auf Vertrauen – und das entsteht nur durch den persönlichen Austausch. Eine Chatnachricht oder der Austausch in virtuellen Gruppen ersetzt also nicht den Kontakt von Mensch zu Mensch.

Trotzdem solltest du dir auf jeden Fall ein Profil auf XING und/oder LinkedIn anlegen, denn: Die Online-Netzwerke helfen dir dabei, mit (ehemaligen) Kolleginnen oder Kollegen in Verbindung zu bleiben. Außerdem kannst du mit deinem Social-Media-Auftritt auf dich und deine Arbeit aufmerksam machen. So musst du vielleicht gar nicht nach deinem Traumjob suchen – mit etwas Glück landet ein spannendes Angebot in deinem Postfach. Welches Netzwerk zu dir passt, hängt von deinem Karrierefokus ab: Auf XING findest du vor allem Kontakte aus dem deutschsprachigen Raum, auf LinkedIn geht es internationaler zu. 

Der Azubi-Podcast der IKK classic

Einen Betrieb finden, Jobetikette lernen, knapp bei Kasse sein – wer eine Ausbildung machen will, muss einige Herausforderungen meistern. Aber keine Sorge: Unser Podcast "Ausbildung? Machen wir." hilft dir beim Überleben im Ausbildungsdschungel! Hier reinhören

Tipps vom Networking-Profi: So vernetzt du dich richtig

Christiane Wolff empfiehlt, sich bei Aufbau und Pflege eines Netzwerks an folgende Regeln zu halten:

  • Definiere dein Networking-Ziel.

    Was möchtest du durch neue Kontakte und durch Austausch erreichen: dich breit vernetzen, um den eigenen Horizont zu erweitern oder strategisch deinen nächsten Karriereschritt planen? Darüber solltest du dir im Klaren sein.

  • Frage Personen in deinem Umfeld.

    Kennst du Menschen in deinem beruflichen oder privaten Umfeld, die aus deiner Sicht erfolgreich Networking betreiben und sich in der Branche gut auskennen? Dann frage sie, in welchen Netzwerken sie unterwegs sind – und welche Tipps sie für dich haben.

  • Überlege dir, was du ins Netzwerk einbringen kannst.

    Bevor du mit dem Netzwerken startest, frage dich: Was hast du an Know-how, Talenten und Kontakten zu bieten? Für welche Themen brennst du? Diese „Netzwerk-Services“ kannst du dann aktiv anbieten – sie sind quasi deine Eintrittskarte in die Community.

  • Bereite dich gründlich vor.

    Bei jedem Netzwerktreffen, jeder Messe oder anderem Event gilt: Je besser du vorbereitet bist, desto mehr nimmst du mit! Was ist das Thema des Abends? Wer ist auf der Gästeliste und wen möchtest du unbedingt kennenlernen? Wenn du das vorher in Erfahrung bringst, kannst du deine Ziele effizienter verfolgen.

  • Sei früher da als die anderen.

    Die besten Netzwerk-Gelegenheiten ergeben sich nicht erst während der Veranstaltung: Im Wartebereich oder bei der After-Party kommst du viel leichter mit anderen Gästen ins Gespräch. Sei daher am besten immer vor dem Vortrag oder der eigentlichen Veranstaltung vor Ort und bleibe auch danach noch eine Weile. Extra-Tipp: Gehe nicht hungrig zur Veranstaltung – sonst vergisst du vor lauter Buffetsuche das Netzwerken!

  • Probiere aus, wo du am besten reinpasst.

    Schau dir verschiedene Netzwerke an und wäge ab: Stimmen die Ziele des Netzwerks mit deinen Zielen überein? Gibt es dort Mitglieder, die dich inspirieren und interessante Veranstaltungen? Erst dann entscheidest du, in welchen zwei bis drei Netzwerken du aktiv sein möchtest.

  • Erstelle dir einen persönlichen Netzwerk-Wochenplan.

    Wie viel Zeit kannst und möchtest du ins Netzwerken investieren? Mach dir einen Wochenplan und nimm dir beispielsweise vor, eine Abendveranstaltung, zwei Verabredungen zum Mittagessen und eine Stunde Kontaktpflege per Mail, Telefon oder Social Media einzurichten.

  • Bleib in Verbindung.

    Wenn du auf einem Event jemanden kennengelernt hast, vernetze dich am folgenden Tag über die Social-Media-Kanäle. Füge der Kontaktanfrage unbedingt einen persönlichen Gruß hinzu: Du kannst dich etwa für das gute Gespräch bedanken und vielleicht schon ein nächstes Treffen anbahnen. 

  • Sei du selbst.

    Der wohl wichtigste Tipp: Bleibe authentisch und ehrlich. Bringe deine Neugier, deine Ideen und dein Wissen ein – aber sage auch „Nein“ zu egoistischen Anfragen. Verlasse Netzwerke, in denen du das Gefühl hast, ausgenutzt zu werden oder die dich nicht weiterbringen und verfolge deine Netzwerk-Ziele. Denn Netzwerken soll Spaß machen und dich mit Gleichgesinnten verknüpfen, dich aber primär inspirieren und beruflich weiterbringen.

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