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Schwanger­schaft über 40: Diese Tipps geben Expertinnen

Mütter werden immer älter – und immer mehr Frauen wollen mit über 40 Jahren schwanger werden. Doch ist das nicht gefährlich für die werdende Mutter und das Kind? Wir fragen nach.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: Während eine Frau in Deutschland 1970 bei der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt etwa 24 Jahre alt war, ist sie heute um die 30 Jahre alt. Bei drei Prozent der erstgeborenen Kinder war die Mutter älter als 40 Jahre.

Zahlen, die eine gesellschaftliche Entwicklung widerspiegeln ­– denn die Rolle der Frau hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Viele Frauen wollen zunächst beruflich Fuß fassen – und dafür bestehen heute auch bessere Voraussetzungen als noch vor 50 Jahren. Doch Kinderwunsch und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren, ist immer noch schwierig.

Neben gesellschaftlichen Gründen hat auch die Medizin Fortschritte gemacht. Hormontherapien oder künstliche Befruchtung reduzieren Risiken einer späten Schwangerschaft.

Späte Schwangerschaft – das sagt die Medizin

Doch wie ist dieser Trend zu späten Schwangerschaften aus medizinischer Sicht zu bewerten? Dr. Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin, beschäftigt sich nicht nur beruflich mit dem Thema. Sie selbst hat mit 40 Jahren noch ein Kind zur Welt gebracht – ihr fünftes.

Schwangerschaften im fortgeschrittenen Alter sieht sie als Ärztin dennoch kritisch: "Statistisch gesehen gibt es aus medizinischer Sicht keine Vorteile. Mit zunehmendem Alter sinkt die Fertilität", sagt Mangler. In Zahlen ausgedrückt: Ab Ende 30 klappt es pro Monat nur noch in rund 10 – 12 Prozent der Fälle mit einer Schwangerschaft. Und über 40 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit pro Monat, schwanger zu werden, rund 5 bis 8 Prozent.

Portrait von Mandy Mangler im Arztkittel © PR
Mandy Mangler (43) leitet die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin-Schöneberg, wo sie seit 2016 tätig ist. Die gebürtige Leipzigerin ist Mutter von fünf Kindern.

Künstliche Befruchtung

Die IKK classic unterstützt verheiratete Paare bei unerfülltem Kinderwunsch. Die gesetzliche Leistung für künstliche Befruchtung liegt bei einer fünfzigprozentigen Kostenübernahme. Sind beide Partner bei der IKK versichert, erstatten wir bis zu 500 Euro des zu zahlenden gesetzlichen Eigenanteils pro Versuch. Ist nur ein Partner bei der IKK versichert, werden bis zu 250 Euro pro Behandlung erstattet.

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Eine späte Schwangerschaft ist riskant

Hinzu kommt, dass erstgebärende Frauen ab 35 Jahren medizinisch gesehen als Risikoschwangerschaft eingestuft werden. Denn wie Statistiken zeigen, gibt es in diesem Alter ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskrankheiten wie Schwangerschaftsdiabetes oder Schwangerschaftsbluthochdruck. Auch die Geburten an sich werden komplizierter, so steigt die Kaiserschnittrate mit dem Alter der Mütter. Außerdem problematisch: Das Risiko für Fehlgeburten, Fehlbildungen bei Neugeborenen und genetischen Erkrankungen bei Kindern wie zum Beispiel dem Down-Syndrom ist deutlich erhöht.

Kein Wunder also, dass die Gynäkologin Mangler dazu rät, die Nachwuchsplanung nicht zu lange aufzuschieben: "Ich fände es sinnvoll, wenn Frauen mit Mitte 20 eine Art Lebensplan erstellen und sich frühzeitig über das Kinderthema Gedanken machen. Es gibt viele ältere prominente Schwangere, über die in den Medien berichtet wird, aber die haben ganz andere Möglichkeiten – dadurch wird oft der Eindruck vermittelt, dass die Fertilität der Frau unbegrenzt sei."

Portrait von Ann-Katrin Kossendey-Koch © PR
Ann-Katrin Kossendey-Koch führte zwölf Jahre lang ihre eigene Apotheke. Seit 2016 arbeitet sie als systemischer Coach. Die 47-Jährige aus dem niedersächsischen Wiefelstede ist Mutter von vier Töchtern.

Wie es ist, mit über 40 schwanger zu sein

Auch wenn aus medizinischer Sicht die Argumente gegen eine späte Schwangerschaft überwiegen, gibt es sie: Schwangere über 40. Für Ann-Kathrin Kossendey-Koch gibt es einige Vorteile einer späteren Schwangerschaft. Sie hat mit 35 Jahren Zwillinge auf die Welt gebracht und im Alter von 40 und 43 Jahren zwei weitere Kinder bekommen.

Die Apothekerin aus Niedersachen arbeitet seit 2016 als systemischer Coach und sieht ihre Erfahrungswerte als Vorteil im fortgeschrittenen Alter: "Natürlich lässt die Kondition mit über 40 etwas nach, aber man ist auch in vielen Dingen gelassener und nicht so aufgeregt wie vielleicht noch mit Anfang 20. Und weil ich die jungen Jahre ohne Kinder genossen habe und reisen konnte, ausgehen konnte, ist es mir auch nicht so schwergefallen, darauf eine Zeit lang zu verzichten, als ich schwanger war." Sie selbst, berichtet sie, habe sich nie als Risikopatientin gefühlt; sie sei einfach nur froh und glücklich gewesen, schwanger zu sein.

Ein Plädoyer für mehr Akzeptanz und Toleranz

Wenn man sich mit Ann-Kathrin Kossendey-Koch unterhält, merkt man, dass sie voll und ganz hinter ihrer Entscheidung steht, mit über 40 noch Kinder bekommen zu haben. Und sie ermutigt auch andere Frauen, diesen Weg zu gehen. In ihrem Videoblog auf YouTube und in der Facebook-Gruppe "MamiÜ40" tauscht sie sich mit anderen Frauen aus und wirbt für mehr Gelassenheit bei dem Thema: "Mir ist es wichtig, dass Frauen ihre Schwangerschaft auch mit über 40 noch genießen. Sie sollen sich nicht verrückt machen lassen von all den Unkenrufen und sich nicht von äußeren Normen ihr Leben vorschreiben lassen."

Generell plädiert Kossendey-Koch für mehr Toleranz beim Thema späte Schwangerschaften, denn Lebensentwürfe seien nun mal höchst individuell. "Generell ist es so, dass die Menschen heutzutage im Vergleich zu früher länger fit und agil bleiben. Hinzu kommt, dass viele Frauen verstärkt ihre beruflichen Ambitionen verfolgen, sodass der Kinderwunsch erstmal nach hinten verschoben wird. Und: Alle Planung schön und gut – aber man braucht auch den passenden Mann zum richtigen Zeitpunkt."

Tipps für späte Schwangerschaften

Für Frauen, die spät schwanger werden, gelten im Grunde die gleichen Verhaltensempfehlungen wie für jüngere Schwangere. Einige Punkte sollten sie zusätzlich beachten.

  • Schon vor der Schwangerschaft einen gesunden Lebensstil praktizieren.

    Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Entspannung sowie der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin sollten schon vor der Empfängnis in den Alltag integriert werden. Denn: Eine gesunde Lebensweise wirkt sich positiv auf die Fruchtbarkeit aus, die mit zunehmendem Alter abnimmt.

  • Zusätzliche Folsäure einnehmen.

    Viele Frauen haben einen zu niedrigen Folsäurespiegel. Allerdings spielt das Vitamin eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des kindlichen Nervensystems. Um Fehlbildungen vorzubeugen, sollten Frauen mit Kinderwunsch täglich 550 Mikrogramm aufnehmen – am besten schon vor der Schwangerschaft.

  • Am wichtigsten: eine gute Vorsorge.

    Bei späten Schwangerschaften überwachen Frauenärzte verstärkt bestimmte Befunde und Werte. Denn durch engmaschige Mutterschaftsvorsorge-Untersuchungen können gesundheitliche Probleme bei Mutter und Kind rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Zwei Frauen schauen sich Ultraschallbilder an © IKK Classic

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Social Freezing als Mittelweg

Späte Schwangerschaften nehmen immer mehr zu, aber auch die Zahl der künstlichen Befruchtungen, wie Statistiken zeigen. Dr. Mandy Mangler stellt noch einen weiteren Trend fest: "Ich beobachte, dass Social Freezing, also das Einfrieren der eigenen Eizellen, immer beliebter wird. Dadurch können Frauen auch noch mit 70 schwanger werden – das ist ein sehr attraktives Konzept. Ich denke, dass sich diese Methode weiter ausbreiten wird."

Mit Social Freezing können also medizinische Bedenken aus dem Weg geräumt werden, die bei einer späten Schwangerschaft nicht von der Hand zu weisen sind. Gleichzeitig bedeutet das einen Freiheitsgewinn für Frauen bei der Familien- und Karriereplanung. Späte Schwangerschaften könnten damit in Zukunft noch selbstverständlicher werden, als sie es heute schon sind.

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