Der Traum vom ewigen Leben

Obwohl oder gerade weil die Voraussetzungen für ein langes Leben kaum besser sein könnten, erleben wir gleichzeitig einen Anstieg von typischen altersbedingten Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Osteoporose. Deren Symptome lassen sich zwar behandeln, den mit dem Altern verbundenen körperlichen Verfall können Ärzte aber nicht aufhalten. Noch nicht.

Die Voraussetzungen könnten besser kaum sein: Noch nie war es um unsere Gesundheit so gut bestellt wie heute. Wie drastisch die Verbesserungen sind, zeigt sich besonders deutlich an der Kindersterblichkeit. Starb in Deutschland im 19. Jahrhundert noch jedes zweite Neugeborene vor seinem fünften Geburtstag, sind es heute weniger als vier Kinder pro 1.000 Geburten. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Durchschnittliche Lebenserwartung auf Rekordstand

Damit nicht genug: Die Eltern eines 2018 in Deutschland geborenen Mädchens können davon ausgehen, dass ihre Tochter im Schnitt einmal 83 Jahre leben wird. Im Vergleich dazu hat ein neugeborener Junge hierzulande mit 78 Jahren eine etwas geringere Lebenserwartung. Die weltweit höchste durchschnittliche Lebenserwartung haben Neugeborene mit 88 beziehungsweise 82 Jahren in Hongkong, die niedrigste Lebenserwartung in Sierra Leone mit gerade einmal 52 beziehungsweise 51 Jahren (Quelle: Datenreport der Stiftung Weltbevölkerung 2018).

Ewiges Leben: Die älteste Utopie der Welt

Der Markt für Biomedizin und ihre regenerativen Methoden boomt. Eines der Zentren der Forschung liegt in Kalifornien. Im Silicon Valley investierten Technologieunternehmen wie Facebook, Google und Amazon allein im vergangenen Jahr 16 Milliarden US-Dollar in diesen Bereich. Ihre Vision scheint greifbar wie nie: das ewige Leben.

Wie das mit der Unsterblichkeit funktionieren soll? Die Ideen reichen von der Kryotherapie, dem Kältebad in flüssigem Stickstoff, über das Einfrieren bis hin zum Hochladen des Bewusstseins in die Cloud – mithilfe künstlicher Intelligenz, versteht sich. Am erfolgversprechendsten ist wohl aber die Forschung an der (Wieder-)Herstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebeteile und Organe. Glaubt man Start-ups wie Calico, Oisín oder Unity Biotechnology, wird es in Zukunft möglich sein, die Zeit zurückzudrehen. Ein Mann könnte dann den Körper eines 35-Jährigen haben, obwohl er längst seinen 60. Geburtstag gefeiert hat.

Wir werden gar nicht sterben.
Aubrey de Grey, Bioinformatiker

Spielen wir Gott?

Ein Großteil der regenerativen Medizin setzt auf Methoden der Stammzellenforschung. An sich ein vielversprechender Ansatz. Doch nicht alles, was in Ländern wie den USA oder China ausprobiert wird, darf auch hierzulande erforscht werden, Stichwort: embryonale Stammzellen. Aus diesen pluripotenten Zellen kann zwar jede beliebige Zelle im Körper entstehen, zum Beispiel Gehirn- oder Nierenzellen. Nur muss, um sie zu gewinnen, ein lebensfähiger Embryo zerstört werden. Neben der Zell- stellt auch die Gentherapie Mediziner vor schwierige ethische Fragen.

Weniger umstritten ist der Einsatz innovativer Ansätze in der Früherkennung altersbedingter Krankheiten. Ein Beispiel: Dr. Max Little von der Aston University in Birmingham analysiert große Mengen an kurzen Sprachaufnahmen, um erste Anzeichen von Parkinson zu entdecken. Mithilfe von Mustererkennung ist es der Parkinson’s Voice Initiative möglich, auffällige Abweichungen der Stimme auszumachen, die Hinweise auf ein Absterben bestimmter Nervenzellen im Gehirn liefern. An der Studie teilnehmen kann jeder, der ein Smartphone mit Android-Betriebssystem besitzt.

Wissen

Interview mit Professor Maio

Nicht alles, was in den USA oder China auf dem Gebiet der Gentechnik ausprobiert wird, auch hierzulande erforscht werden, Stichwort: embryonale Stammzellen.

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Was lässt uns altern?

Einer der führenden Köpfe der Longevity-Szene, zu Deutsch: „Langlebigkeit“, ist Aubrey de Grey, britischer Bioinformatiker und theoretischer Biogerontologe. Der Forscher ist Mitgründer der SENS Research Foundation, einer nicht unumstrittenen Stiftung, die das Altern besiegen will. Gemeinsam arbeiten sie an Lösungen für die „Sieben Todsünden des Alterns“. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass Sterben zu seinen Lebzeiten nicht mehr als eine Option sein wird. Übrigens: De Grey ist 56 Jahre alt.

Extrazellulare Abfälle

Hierbei handelt es sich um abnorm veränderte Proteine, die sich im Zellzwischenraum ansammeln.

Intrazellulare Abfälle

treten während des ganz normalen Stoffwechsels auf und werden im Normalfall abgebaut.

Proteinverkettung

führt dazu, dass Arterien verhärten und der Blutdruck steigt.

Verlorenes Gewebe

wird zunächst durch körpereigene Stammzellen repariert. Diese sind jedoch nur begrenzt vorhanden.

Überflüssige Zellen

Jede Zelle hat einen Lebenszyklus und kann sich nur begrenzt teilen.

Mutationen der Zellkern-DNA

Bei der Zellteilung kann es zu Veränderungen in der DNS kommen. Die tödlichste Folge von Mutationen ist Krebs.

Mitochondriale Mutationen

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Treten hier Mutationen auf, kann dies zu diversen Alterskrankheiten führen, etwa zu brüchigen Knochen.

Digitales Leben

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