Frau benutzt eine Zyklus-App auf ihrem Handy

Zyklus-Apps: Wie gut sind die digitalen Helfer?

Die Digitalisierung durchdringt immer mehr Bereiche unseres Lebens. Mittlerweile gibt es auch spezielle Zyklus-Apps, die Frauen bei der Verhütung oder auch der Familienplanung unterstützen sollen. Doch was können sie wirklich?

Körperliche Parameter messen und analysieren, das liegt im Trend. Zu der Flut digitaler Gesundheitsanwendungen, die in den App-Stores für iOS und Android zur Verfügung stehen, zählen auch Menstruations-Apps.

Unter Hashtags wie #pille und #pilleabsetzen äußern etliche Mädchen und Frauen heutzutage ihre Sorge über Nebenwirkungen von hormonellen Verhütungsmethoden. Da erscheinen Apps, die vor den fruchtbaren Tagen warnen, als eine attraktive natürliche Methode zur Empfängnisverhütung. Doch welche Vorteile bieten die digitalen Kalender tatsächlich und worauf sollten Nutzerinnen achten?

Was passiert während des weiblichen Zyklus?

Rund 500 Monatszyklen erlebt eine Frau im Laufe ihres Lebens. Wie die je drei bis fünf Wochen langen Phasen empfunden werden, ist ganz individuell. Manche Mädchen haben von der ersten Periode an keine Probleme, andere leiden noch als Erwachsene unter Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Schmerzen oder unregelmäßigen Blutungen.

Viele Frauen wissen nur vage, was in ihrem Körper passiert, bis es zur Regelblutung oder Schwangerschaft kommt. Nachdem in den Eierstöcken eine Eizelle gereift ist, wandert sie in den Eileiter und weiter Richtung Gebärmutter. Verschmilzt sie dort mit einer Samenzelle und nistet sich in der Schleimhaut ein, besteht eine Schwangerschaft. Anderenfalls kommt es zur Blutung und der nächste Zyklus beginnt.

Was leisten Zyklus-Apps?

Eine Menstruations-App auf dem Smartphone, die mit den entsprechenden persönlichen Daten gefüttert wird, zeigt an, wann mit der nächsten Periode zu rechnen ist, wann die fruchtbaren Tage zu erwarten sind und wann ein guter Zeitpunkt ist, um schwanger zu werden. Über Algorithmen treffen die Apps Vorhersagen für die kommenden Wochen und Monate.

Apps wie "Flo", mit derzeit rund 200 Millionen Downloads die beliebteste Anwendung, "Cycles", die "Period Tracker"-App, "Mimeno", "Ovy App" oder "Clue" zeichnen auf, wie lange die Blutung andauert und wie stark sie ist, speichern diese Daten und bieten Analysen und Prognosen. Außerdem können Mädchen und Frauen angeben, ob sie von Schmerzen geplagt werden, die Stimmung in den Keller sackt, Mitesser, Pickelchen oder weitere Hautprobleme und Beschwerden auftreten.

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Wie funktionieren digitale Menstruations-Kalender?

Egal, welche App genutzt wird, es gilt: Je mehr Input eingepflegt wird, desto genauer sind die Analysen. Die meisten Apps verfügen über eine Funktion, die Nutzerinnen an die Eingabe erinnert. Um den Zyklus möglichst exakt zu berechnen, nutzen Menstruations-Apps in der Regel die Temperaturmethode. Dazu muss jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen die Körpertemperatur gemessen werden. Die sogenannte Basaltemperatur verändert sich im Laufe des Zyklus’ und gibt Hinweise, wann der Eisprung stattfindet.

Das ist besonders interessant bei einem Kinderwunsch: Um den Eisprung steigt die Temperatur um 0,4 bis 0,6 Grad an. Auf Basis der Temperaturwerte, die in die App eingetragen werden, kann dazu eine Prognose gestellt werden. Zu einigen Apps gibt es passende Bluetooth-Thermometer, welche die Messung direkt an die App übermitteln. Andere Apps ergänzen diese Methode durch die Möglichkeit, Angaben über die Konsistenz des Zervixschleims einzutragen. Das Scheidensekret wird vor dem Eisprung flüssiger und durchsichtiger. Diese sogenannte sympto-thermale Methode wird von der Arbeitsgruppe NFP (natürliche Familienplanung) empfohlen.

Manche Apps erfassen auch weitere Symptome, wie den Zustand des Muttermunds (weich oder hart) oder die Empfindlichkeit der Brüste. Außerdem gibt es Wearables fürs Handgelenk. Die Armbänder funktionieren per Sensortechnologie und übermitteln Informationen zu Hauttemperatur, Puls sowie Herz- und Atemfrequenz auf die Smartphone-App.

Welche Vorteile bieten Zyklus-Apps?

Frauenärztinnen und -ärzte empfahlen schon in der vordigitalen Zeit, einen Zykluskalender zu führen. Statt Papier und Stift übernehmen diese Funktion nun die Apps – das ist praktisch und genau. Einen guten Überblick über den eigenen Zyklus zu haben, kann helfen, Termine und Vorhaben zu planen, etwa Reisen. Die Apps liefern dazu Informationen, nicht nur, wann die nächste Periodenblutung eintreten wird, auch, mit welchen Symptomen gegebenenfalls zu rechnen ist. So lässt sich auch der nächste Vorsorgetermin beim Gynäkologen planen. 

Über bestimmte Apps können Anwenderinnen den Verlauf ihres Zyklus teilen, etwa mit Partner oder Partnerin. Vor allem lernen Anwenderinnen durch die Pflege ihrer Daten in die App ihren Körper besser kennen. Gerade für ganz junge Frauen ist das sinnvoll. So bekommen sie ein Gefühl für hormonelle Vorgänge in ihrem Körper sowie für eigene Bedürfnisse. Mit Hilfe der Tracker lässt sich zum Beispiel erklären, wann und warum manche zu bestimmten Phasen eher mehr oder weniger Lust auf Sex haben. 

Für viele Frauen ist besonders wichtig, dass ihre fruchtbaren Tage angezeigt werden. Frauen mit Kinderwunsch kann das helfen, schwanger zu werden. Andere wissen, wann sie sicher verhüten sollten. Einige Apps bieten neben oft kostenlosen Basisfunktionen weitere Features, etwa Tipps zur Intimpflege, Entspannungsübungen oder Empfehlungen zur Empfängnisverhütung. Für alle, die sich gern austauschen, sind Apps mit Chat-Funktion interessant.

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Kann man mit Zyklus-Apps sicher verhüten?

Zyklus-Apps zeigen an, wann die nächste Periode ansteht und wann die fruchtbaren Tage zu erwarten sind. Frauen, die sich kein Baby wünschen, liefert das gute Anhaltspunkte, wann Verhütungsmittel nötig sind, etwa mit Kondom oder Diaphragma. Unter dem Stichwort "Natürliche Verhütung" behaupten einige Hersteller, ihre App wäre so sicher wie die Pille und verweisen auf den ähnlichen Pearl-Index. Studien, die dies untermauern, stammen jedoch meist vom Hersteller selbst. Experten warnen, Apps als Verhütungsmethode zu nutzen, da sie oft nur Durchschnittswerte ermitteln.

Genau hier lauern Risiken: Die meisten Rechenmodelle gehen davon aus, dass ein Zyklus 28 Tage dauert und legen den Termin für den Eisprung auf den 14. Tag. Dabei wird die Variabilität des Zyklus vernachlässigt. "Die Länge schwankt bei zwei Drittel aller Frauen um mehr als sieben Tage", erklärt Dr. Petra Frank-Herrmann, Gynäkologin an der Uniklinik Heidelberg und Autorin des Buches "Natürliche Familienplanung heute". Sie sagt: "Alle Apps, die lediglich Prognosen abgeben, sind aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht nicht ernst zu nehmen." So erhielten auch laut eines Tests der Stiftung Warentest von 23 Zyklus-Apps nur drei das Ergebnis "Gut".

Nur drei "gut" bewertet: Welche Zyklus-Apps sind empfehlenswert?

Die drei Sieger aus dem Test der Stiftung Warentest (2018) sind eigentlich sogar nur zwei: Neben dem Testsieger "Lady Cycle" wurde lediglich "MyNFP" ebenfalls mit "gut" bewertet – in den beiden Versionen für Android und iOS. Sowohl "Lady Cycle" wie "MyNFP" kombinieren die Messung der Basaltemperatur mit Angaben zur Konsistenz des Zervixschleims – wie von der Arbeitsgruppe NFP (Natürliche Familienplanung) empfohlen.

Der größte Unterschied liegt im Preis: Die Downloads sind jeweils kostenlos, bei "MyNFP" kommen knapp 30 Euro Gebühren für die Dienstnutzung pro Jahr zusammen. Für die Beurteilung untersuchte die Stiftung Warentest das Mess- und Prognosekonzept, die Handhabung, Transparenz, den Funktionsumfang, das Einhalten der Privatsphäre sowie das Datensendeverhalten der Anwendungen.

Und was sagen Nutzerinnen? Eine Anwenderin sagt über "Lady Cycle": "...Sehr positiv finde ich, dass keinerlei Daten weiter gegeben werden (es geht niemand was an, ob und wann ich Alkohol getrunken oder Sex hatte)." Eine andere Nutzerin meint "... Ich nutze die App schon seit 5 Jahren zur Verhütung. In diesen Jahren habe ich viele Apps getestet ... bis heute ist sie unter allen (kostenlosen und bezahlpflichtigen) NFP-konformen Apps immer noch die absolute Lieblingsapp."

Zu "My NFP" schreibt eine Userin: "Bin total zufrieden. Eine App, die die Funktionalität der Zyklusauswertung gemäß der symptothermalen Methode UND viele Informationen und Hilfestellungen dazu bietet." Zur iOS-Version heißt es: "...Positiv überrascht hat mich, dass man zusätzlich noch Dinge aufzeichnen kann wie z. B. Hautveränderungen, Darmbeschwerden und Unterleibsschmerzen."

Helfen Zyklus-Apps bei Beschwerden?

Wissenschaftlerinnen der Charité Berlin haben speziell für junge Frauen mit starken Regelschmerzen die App "Luna" entwickelt. Sie bietet Tipps und Anleitungen, um eine einfache Selbstakupressur durchzuführen, womit sich die Beschwerden lindern lassen. Mithilfe von Bildbeschreibungen erklärt die App detailliert, welche Punkte gedrückt werden müssen, damit die Schmerzen nachlassen. Laut einer Studie der Charité mit 221 Teilnehmerinnen konnte mehr als die Hälfte ihre Schmerzen mithilfe der App reduzieren.

Aufbauend auf Erfahrungen mit "Luna" wird derzeit eine medizinische App entwickelt, die Frauen mit der Krankheit Endometriose helfen soll. Unter endometriose.app können sich Interessierte jetzt schon in eine Warteliste eintragen. Profitieren können Frauen im späteren Lebensalter von Apps, die durch die Wechseljahre begleiten: Mit "Mimeno", "Caria" oder dem "WomanLog-Pro-Kalender" können Frauen in der Menopause ihre Symptome dokumentieren und erhalten Anleitungen und Tipps. Zum Beispiel Entspannungsübungen, um mit der körperlichen Umstellung besser klarzukommen. 

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Sind persönliche Daten in Zyklus-Apps sicher?

In Europa müssen Verhütungsmittel als Medizinprodukte zertifiziert sein. Ein Siegel zeigt, ob eine App vom TÜV oder einer anderen Prüfstelle zur Verhütung zugelassen wurde. Die Zertifizierung sagt jedoch nichts über die Sicherheit aus – und auch nicht, wie gut die Daten geschützt sind. Es ist immer ratsam, die Datenschutzbestimmungen zu prüfen. Denn die Nutzerinnen vertrauen den Apps sensible Daten an – ihren echten Namen, ob sie sich Kinder wünschen, Stimmungstiefs haben, unter Krankheitssymptomen leiden oder, wie ihr Intimleben aussieht. Diese Daten könnten an Dritte weitergegeben werden und für Werbung genutzt werden.

Die App "Flo" etwa übermittelt Angaben zu Werbezwecken an Facebook. Auch Google und Amazon kooperieren mit vielen Apps. Über die Smartphone-Geräteidentifikationsnummer kann dann etwa Werbung gezielt geschaltet werden. Nutzerinnen sollten genau überlegen, welche Informationen und Daten sie preisgeben möchten und welche nicht.

Welche Apps sind sicher? Dabei sollte man sich nicht allein auf die Bewertungen in den App Stores verlassen. Unabhängige Vergleichsportale informieren seriös über die Qualität und Sicherheit. Die "Weisse Liste" zum Beispiel ist ein unabhängiges Gesundheitsanbieter-Vergleichsportal. Mitarbeiterin Dr. Elena Gomez rät: "Anwenderinnen sollten die Unabhängigkeit der App-Anbieter prüfen und schauen, ob nicht doch eine Interessensvertretung dahintersteckt." Was etwa passieren könnte, erklärt Netzaktivistin Katharina Nocun: "Wenn wir unseren Eisprung haben, sind wir viel offener, sexy Klamotten zu kaufen." Mit den entsprechenden Informationen versorgt, können Unternehmen für ihre Produkte zum idealen Zeitpunkt werben. Nocun sagt: "So werden wir gezielt manipuliert."

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