Wie Hormone Training, Energielevel und Regeneration beeinflussen können
Besonders im Kraftsport wird der Zusammenhang zwischen Zyklus und Leistungsfähigkeit untersucht. „Dahinter steht die Annahme, dass Östrogene beim Aufbau von Muskulatur und bei der Kraftexplosivität eine biologische Rolle spielen und deshalb bestimmte Phasen existieren könnten, in denen die Muskulatur besser trainierbar ist“, so Prof. Dr. Strahler.
Bei der Ausdauerleistung zeigt die Forschung bislang noch weniger klare Muster: Die beobachteten Effekte sind kleiner und uneinheitlicher. Deshalb warnt die Expertin vor zwei verbreiteten Mythen. Einer davon lautet: In der Follikelphase soll man intensiv trainieren, in der Lutealphase sich eher schonen. Eine solche allgemeine Trainingsregel nach Zyklusphase lässt sich wissenschaftlich jedoch nicht belegen.
Der zweite Mythos: Leistungsschwankungen seien vor allem hormonell bedingt. Tatsächlich beeinflussen viele andere Faktoren die Tagesform, darunter Schlaf, Stress, Ernährung, Trainingsbelastung, psychische Belastung durch Wettkämpfe, Regeneration, Reisen durch Zeitzonen oder Hitze. Wenn ein Training also einmal zäh läuft, muss das nicht an einer angeblich ungünstigen Zyklusphase liegen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen objektiver Leistungsfähigkeit und dem subjektiven Erleben: Eine Frau kann sich in einer bestimmten Zyklusphase müder, weniger motiviert oder stärker belastet fühlen, ohne dass ihre körperliche Leistungsfähigkeit im gleichen Maß sinkt. Umgekehrt können auch Schlafmangel, Stress oder hohe Trainingsbelastung die Leistung beeinflussen, ohne dass der Zyklus die Hauptursache ist. „Es geht eher um Fragen wie: Wie schlafe ich? Wie ist meine Energie? Habe ich Schmerzen? Wie empfinde ich die heutige Belastung?“, erklärt die Wissenschaftlerin. Leistung ist damit immer biopsychosozial – also vom Zusammenspiel körperlicher, psychischer und äußerer Faktoren geprägt.