Erfolgreich auch ohne Schulabschluss – so gelingt es

Auf dem Arbeitsmarkt gibt es immer einen Plan B. So kann er aussehen.

Die Schule war nicht sein Ding. Christian Bartels hielt sich nicht an Regeln, geschweige denn an den Stundenplan. Wenn er dann doch einmal im Unterricht saß, störte er und rebellierte gegen die Lehrer. Ohne Abschluss verließ Bartels mit 14 Jahren die Hauptschule. Frustriert, mitten in der Pubertät und vermeintlich perspektivlos. Heute ist Bartes Metallbaumeister und Führungskraft – und der einstige Schulstress längst abgehakt.

Aber Bartels ist kein Einzelfall, wie eine Studie der Caritas zeigt. Sechs Prozent aller Jugendlichen – und damit jeder Siebzehnte – verlässt die Schule ohne Abschluss. Aufgeben sollte man diese Jugendlichen dennoch nicht – wie das Beispiel Christan Bartels zeigt. Im Gegenteil: Schulabbrecher können sich für Betriebe sogar lohnen. Aber der richtige Betrieb will erst einmal gefunden werden.

Erfolg im Handwerk auch ohne Abschluss

„Ich wusste wirklich nicht, was ich nach der Schule machen sollte“, sagt Bartels heute. Nur eines wollte er nicht: Nichtstun. Denn kaum etwas hasse er mehr als rumsitzen, sagt er. Nach seiner gescheiterten Schullaufbahn besuchte er die Lehrwerkstatt des Kolping-Bildungswerks (KB) in Emmerich. Was er dort bekam, war eine Perspektive: Hilfe bei Bewerbungen zum Beispiel. Und er lernte, mit Metall zu arbeiten und zu schweißen – und dass er Freude daran hatte. 

Die vom Arbeitsamt geförderte Maßnahme beim Kolpingwerk war ein Wendepunkt in seinem Leben. Auch weil Bartels dort auf einen engagierten Betreuer traf, der an ihn glaubte, und ihn schließlich zum Metallbauer mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik ausbildete. „Ich hatte plötzlich eine Aufgabe, die mir Spaß machte“, so Bartels. Endlich wusste er, erzählt er heute, wofür er morgens aufsteht.

Deshalb lohnen sich Schulabbrecher für Betriebe

Für Betriebe können Schulabbrecher ein großer Gewinn sein. Denn nicht selten war ihnen die Schule einfach zu theoretisch, zu wenig greifbar. Im Betrieb dagegen blühen sie als Auszubildende auf, sind sehr engagiert und fühlen sich endlich gebraucht und geschätzt.

Auch angesichts des Fachkräftemangels ist es für Unternehmen eine mögliche Maßnahme, auf Schulabbrecher, die Lust auf Arbeiten haben, zurückzugreifen. Die Zusammenarbeit mit staatlichen und privaten Stellen, mit dem Ziel, Jugendlichen ohne Schulabschluss eine Chance zu geben, kann sich lohnen. Denn nicht immer ist der Schulabbruch mit mangelnder Leistungsbereitschaft gleichzusetzen. 

Wie man im Beruf aufsteigen kann – auch ohne Schulabschluss

Mit seiner Begeisterung im Job überzeugte Christian Bartels seinen Chef und glänzte mit großer Leistungsbereitschaft. Die Ausbildung schloss er als einer der Besten seines Jahrgangs ab. 2005 bekam er eine Anstellung bei dem metallverarbeitenden Betrieb Schwarz in Wesel. In den Folgejahren vertiefte er seine Kenntnisse, besuchte Fortbildungen, bildete sich zu Hause weiter und tauschte sich mit Kollegen anderer Betriebe aus. 

Heute ist Christian Bartels Metallbaumeister und Leiter der Produktion bei Schwarz. Sein Werdegang steht als positives Beispiel für eine Karriere ohne Schulabschluss. Was man von ihm lernen kann: Ansporn, Engagement und der Glaube an sich selbst bringen einen auf dem beruflichen Weg voran – auch wenn der Start ins Berufsleben zunächst nicht sehr vielversprechend aussieht. Denn Optionen gibt es da draußen genug.

Es gibt immer eine Perspektive – und Möglichkeiten zur Weiterbildung

Hier finden Jugendliche Unterstützung. Und Unternehmen neue Auszubildende:

  • In den zentralen Anlaufstellen finden Jugendliche unter einem Dach Angebote von Jobcenter, Arbeitsagentur, Jugendamt und Schulen. Sie können sich über Ausbildungen informieren und coachen lassen. Auch Unternehmen sind hier gern gesehen. Die Agentur für Arbeit vermittelt Plätze in Betrieben.

  • Das Kolping-Bildungswerk umfasst bundesweit 200 Einrichtungen und gehört zu den größten freien Trägern in der beruflichen Bildung. Die Angebote werden jedes Jahr von etwa 15.000 jungen Menschen wahrgenommen – auch von Jugendlichen ohne Schulabschluss. In Lehrwerkstätten können Unternehmen mit den potenziellen Azubis in Kontakt treten.

  • Jugendliche ohne Schulabschluss können das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) nutzen, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Im Rahmen der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme besuchen sie ein Jahr lang eine berufsbildende Schule und absolvieren ein Jahrespraktikum. An einem Tag in der Woche sind sie in einem Betrieb. Ansprechpartner für Unternehmen sind hierbei die Agentur für Arbeit und die Jugendberufsagenturen.