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Hanfprodukte als Trend-Lebensmittel aus dem Super­markt?

Hanfsamen überzeugen durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, gelten als gesund und haben sich in den Bio-Regalen ihren festen Platz zwischen Chiasamen, Quinoa und Co. erobert. Doch in letzter Zeit kommen immer mehr Hanf-Produkte auf den Markt. Was hat es mit diesem neuen Food-Trend auf sich und welche Risiken gilt es zu beachten?

Geschält und ungeschält, in der Bio-Hanfmehl-Packung, im Müsliriegel oder als Hanföl – Hanfsamen gehören seit Jahren zum Standardsortiment jedes gut sortierten Supermarkts. Doch die uralte Nutzpflanze Hanf besteht nicht nur aus den gesunden Samen – auch Hanfnuss genannt.

Denn während die Samen mit einem hohen Anteil an Eiweiß punkten, verbergen sich in den Blättern, Blüten und Stängeln sogenannte Cannabinoide, allen voran Tetrahydrocannabinol, kurz THC, und Cannabidiol, kurz CBD.

CBD und THC – wo liegt der Unterschied?

Von solchen Cannabinoiden wie CBC und THC kommen über hundert verschiedene Formen in Hanfpflanzen vor. Im menschlichen Nervensystem gibt es wiederum Rezeptoren, an denen Cannabinoide andocken und dadurch verschiedene Prozesse im Körper beeinflussen können – unter anderem das Immun- und Nervensystem. Unterschiedliche Cannabinoide wirken auf unterschiedliche Rezeptoren und lösen so andere Reaktionen aus.

Cannabidiol (CBD) Tetrahydrocannabinol (THC)

Wirkung

CBD wirkt auf den Körper; es ist nicht berauschend und gilt daher auch nicht als Betäubungsmittel. Dem Wirkstoff werden unter anderem krampflösende, schmerzlindernde und beruhigende Effekte zugeschrieben. Es wird genau wie das berauschende THC aus den weiblichen Cannabispflanzen gewonnen

THC wirkt auf den Kopf; wegen seiner psychoaktiven, berauschenden Wirkung unterliegt es dem Betäubungsmittelgesetz. Es ist die Substanz, die „Tüten“ zum Rauschmittel macht. Es hat aber auch medizinische Eigenschaften und soll Schmerzen lindern, gegen Übelkeit helfen und den Appetit anregen.

Einsatzgebiet

CBD wird unter anderem in der Schmerztherapie und zur Behandlung der Spasmen von Patienten mit Multipler Sklerose oder Epilepsie eingesetzt. Fertigarzneimittel mit CBD gibt es in Deutschland nicht. Apotheker können es aber in Rezepturarzneien verwenden. Diese sind verschreibungspflichtig, also nur auf Rezept zu bekommen.

THC wird als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zum Beispiel bei Menschen mit chronischen Schmerzen eingesetzt. Außerdem kann es während einer Chemotherapien gegen Übelkeit helfen oder den Appetit von schwerkranken Patienten steigern.

Gefahren

CBD ist meist gut verträglich. Falsch dosiert kann es aber unter anderem starke Müdigkeit auslösen. Schwangere oder stillende Frauen und Kinder sollten CBD nur nach Absprache mit einem Arzt einnehmen.

Die akute psychoaktive Wirkung von THC kann Angstzustände und Halluzinationen und auf Dauer sogar Psychosen auslösen. Außerdem kann der Konsum abhängig machen. Zu den möglichen körperlichen Nebenwirkungen zählen Müdigkeit, Herzrasen, Schwindel und Mundtrockenheit. 

THC darf nicht in größeren Mengen in Lebensmittel gelangen. Dennoch kommt es immer wieder vor. So ließen die baden-württembergischen Lebensmittelüberwachungsbehörden zwischen Anfang 2018 und Ende Juni 2019 rund 50 Hanfprodukte untersuchen. Das Ergebnis war alarmierend: Mehr als die Hälfte wurde als unsicher eingestuft.

CBD soll entkrampfend, entzündungshemmend und angstlösend wirken, entgegen THC aber keine berauschende und psychoaktive Eigenschaften aufweisen. Daher sind cannabidiol-haltige Produkte derzeit frei verkäuflich in Form von Ölen im Handel erhältlich. Allerdings entsprechen viele davon nicht den gesetzlichen Vorgaben, was eine große Drogeriemarktkette kürzlich dazu bewogen hat, diese cannabishaltigen Produkte aus den Regalen zu verbannen.

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Führerscheinverlust wegen CBD-Öl?

Zum einen enthielten viele der getesteten Proben nicht nur CBD, sondern eben auch THC. Bei einer täglichen Einnahme von 2.000 Milligramm an belastetem CBD-Hanföl kann es im Körper zu einer Ansammlung von bis zu 5 Milligramm THC kommen. Ein richtiger "Trip" wird deshalb nicht einsetzen, aber man kann sich schummrig fühlen, Herzrasen bekommen oder im Straßenverkehr nicht mehr aufmerksam genug sein. Wer solche Mengen zu sich nimmt, muss bei einem Drogentest mit einem positiven Ergebnis rechnen. Sollte man dann am Steuer einen Unfall bauen, könnte unter Umständen sogar der Führerschein oder der Versicherungsschutz gefährdet sein. 

Zum anderen machte die EU Anfang 2019 deutlich, dass CBD-haltige Lebensmittel unter die „Novel Food-Verordnung“ fallen. Diese Regel besagt, dass alle neuartigen Produkte der Lebensmittelindustrie einer speziellen Kontrolle unterzogen werden müssen, bis feststeht, dass diese für den Verbraucher nicht gesundheitsschädlich sind. Erst dann erfolgt die Zulassung für den Verzehr.

Laut Dr. Dirk Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe hat keines der CBD-Produkte, die es zu kaufen gibt, diese Zulassung erhalten. Sie dürften derzeit daher eigentlich nicht abgegeben werden. Für Lebensmittel aus Hanfsamen gilt diese Zulassungspflicht nicht, denn sie sind seit über 20 Jahren bekannt und werden seitdem regelmäßig ohne Beanstandung untersucht.

„Die 'Novel Food-Verordnung' geht wie die gesamte Lebensmittelgesetzgebung von redlichen Herstellern aus, die sich eigenverantwortlich an die Bestimmungen halten. Aber bei CBD-Produkten funktioniert dieser Grundsatz offensichtlich nicht“, sagt Dr. Dirk Lachenmeier. Er hat bereits mehrere Untersuchungen für die baden-württembergischen Lebensmittelüberwachungsbehörden zu CBD-haltigen Lebensmitteln und Kosmetika durchgeführt. Mehrere gerichtliche Verfahren haben die Bedenken der Behörden inzwischen bestätigt. Aber: „Man schlägt der Hydra einen Kopf ab und es wachsen zwei nach“, so Lachenmeier.

Cannabidiol-Produkte können den Verbraucher täuschen.
Dr. Dirk Lachenmeier

Beispielsweise werden Produkte einfach umetikettiert. Aus dem Nahrungsergänzungsmittel CBD-Öl wird dann einfach ein Aroma-Öl. „Das ist absurd“, findet Dr. Dirk Lachenmeier. Denn wer das Öl einnehmen will, wird es tun, unabhängig davon, ob es als Lebens- oder Duftmittel gilt. Damit wächst das Risiko für die Verbraucher, denn die rechtlichen Vorgaben sind bei Raumduftprodukten weit weniger streng als für Nahrungsmittel.

Die Überwachung von Hanfprodukten ist deshalb so ineffektiv, weil die Behörden sich von einem Einzelfall zum nächsten hangeln. Zwar waren bereits einige Prozesse erfolgreich, aber sie ziehen sich über Monate und Jahre. In der Zwischenzeit kaufen Kunden weiterhin Hanfprodukte, die psychoaktives THC enthalten. „Die Konsumenten werden in die Irre geführt. Sie kaufen Öle oder Tees, die vermeintlich THC-frei sind und dann doch hohe Mengen davon enthalten“, so der Experte.

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Alternative Heilmethoden

Natürlich liegt im Trend, denn immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zur klassischen Schulmedizin und chemisch hergestellten Medikamenten. 

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Hanfsamen sind unbedenklich und gesund

Anders ist die Situation mit den Hanfsamen. Seit der Änderung von betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften im Jahr 1996 ist der Anbau von Faserhanf in Deutschland wieder gestattet. Der Nutzhanf gehört auch zur Cannabis-Gattung, hat aber keine berauschende Wirkung. Stattdessen sind die Samen eine hervorragende Quelle für Eiweiß, hochwertige Fette und Mikronährstoffe wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie die wichtigen Vitamine B1, B2 und E. Außerdem bieten die Samen viele Ballaststoffe.

Hanfsamen sind dabei eine gute Ergänzung für alle, die auf eine gesunde Ernährung achten. Sie schmecken nussig und eigenen sich für Müslis, Smoothies oder als Mehl. Einen großen Vorteil gegenüber anderen Superfoods haben sie: Anders als beispielsweise Chia-Samen müssen sie nicht aus anderen Teilen der Erde importiert werden, sondern können in Deutschland regional angebaut werden und sind daher auch gut für den ökologischen Fußabdruck.

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