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Shisha-Rauchen: Wie schädlich ist die Wasser­pfeife?

Shisha-Rauchen gilt als gesellig, cool und entspannend. Abends mit Freunden in einer Shisha-Bar zu sitzen und eine Wasserpfeife zu teilen, ist vor allem bei Berufseinsteigern zu einem beliebten Feierabendritual geworden:

Laut einer im Jahr 2018 durchgeführten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gaben 19,1 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren an, in den vergangenen 30 Tagen Wasserpfeife geraucht zu haben. Zum Vergleich: 2008 waren es lediglich 7,8 Prozent.

Facharzt warnt vor Shisha-Trend und der Lüge vom Filtereffekt

Den Hype um Wasserpfeifen bei jungen Menschen beobachtet Professor Dr. med. Wulf Pankow, Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde, mit Sorge. Er weiß: Shisha-Rauchen ist genauso schädlich und gefährlich wie das Rauchen herkömmlicher Zigaretten.

"Laut unserer Recherchen sind mindestens 82 schädliche Substanzen in den Shisha-Mischungen – darunter befinden sich 27, die Krebs erzeugen oder im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Dazu kommen giftige Metalle, Kohlenmonoxid und lungengängige Partikel", betont der Experte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) im Interview. 

Die Wasserpfeife wird oft als gesunde Alternative zur Zigarette verkauft. Am hartnäckigsten hält sich das Gerücht, dass der Shisha-Rauch weniger schädliche Substanzen enthält als der Rauch von Zigaretten, weil er durch das Wasser in der Shisha gefiltert werde. In Wahrheit findet keinerlei Filterung statt. Stattdessen kratzt der Rauch durch den Kühleffekt des Wassers weniger im Hals des Rauchers, was dazu führt, dass noch tiefer inhaliert wird.

"Durch das Abkühlen der Rauchprodukte wird tiefer eingeatmet und die Schadstoffe gelangen tiefer in die Lunge", bestätigt Wulf Pankow.

Beim Shisha-Rauchen wird allerdings nicht nur tiefer, sondern auch öfter und über einen längeren Zeitraum inhaliert als bei Zigaretten."Eine typische Shisha wird bis zu 60 Minuten lang geraucht. Das heißt, dass wesentlich häufiger inhaliert wird als beim herkömmlichen Rauchen. Man geht davon aus, dass das Rauchvolumen einer Shisha-Sitzung in etwa einer Packung Zigaretten entspricht – in manchen Fällen sogar bis zu 100 Zigaretten. Das heißt, die Rauchbelastung ist wesentlich höher als bei Zigaretten. Mit der Eingrenzung, dass die meisten Menschen, die Shisha rauchen, dies nicht täglich tun."

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Inhaltsstoffe im Shisha-Tabak fördern Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten

"Was vielen nicht bewusst ist: In aller Regel enthalten Shisha-Mischungen Tabak. Es gibt zwar tabakfreie Produkte, die sind aber selten. Meistens handelt es sich um aromatisierten Tabak", benennt Professor Dr. med. Pankow einen weiteren Risikofaktor. "Das bedeutet, dass beim Shisha-Rauchen oft dieselben Schadstoffe in die Lunge gelangen, wie beim gewöhnlichen Rauchen."

Mit dem Rauch einer Shisha gelangen über den Tabak also Nikotin und Teer in den Körper. "Mit Blick auf die Teerstoffe muss gesagt werden: Diese sind genauso wie beim Tabakrauchen krebsfördernd. Das heißt, Shisha-Rauchen kann Lungenkrebs verursachen. Aber auch Mundhöhlenkrebs, Zungenkrebs, Speiseröhrenkrebs, bis hin zum Magenkrebs können entstehen", macht der Experte deutlich.

Wie beim gewöhnlichen Rauchen ist Krebs nicht das einzige Risiko, das eine Shisha mit sich bringt. "Über die Kapillaren in der Lunge gelangen winzige Schadstoffpartikel, sogenannte lungengängige Partikel, in den Körperkreislauf, wo sie langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Und wir wissen aus der Erfahrung mit Tabakrauch, dass die meisten Raucher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Raucherbein sterben. Beim Shisha-Rauchen besteht dasselbe Risiko."

Neben der Krebsgefahr steht fest: Shisha-Rauchen kann ebenso wie das Rauchen gewöhnlicher Zigaretten süchtig machen. Wulf Pankow erklärt dazu: "Nikotin ist einer der gefährlichsten Suchtstoffe und hat einen ähnlich hohen Suchtcharakter wie Heroin. Wir wissen, dass ein Teil der Shisha-Raucher nikotinabhängig ist."

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Shisha schädigt die Zähne

Ein oft übersehenes Risiko ist die Tatsache, dass Tabak ungesund für die Zähne ist. "Die Schadstoffe können im Mund zu chronischen Zahnfleischentzündungen, einer sogenannten Parodontitis, bis hin zum Zahnausfall führen", so Prof. Dr. med. Pankow.

Shisha ohne Tabak: Eine gesunde Alternative?

Wer regelmäßig in Shisha-Bars geht, weiß, dass es tabakfreie Shisha-Mischungen, Shisha-Pasten und Shiazo-Steine gibt, die weniger ungesund sein sollen. Können junge Leute so also ihre Shisha ohne schlechtes Gewissen rauchen? Nein, meint der Experte. Denn Tabak sei zwar das gefährlichste am Shisha-Rauchen, und wenn Produkte keinen enthalten, sei der Konsum weniger gesundheitsschädlich. Aber:

Selbst wenn kein Tabak enhalten ist, macht das eine Shisha noch längst nicht gesund, denn auch bei den tabakfreien Varianten werden Schadstoffe freigesetzt.
Prof. Dr. Wulf Pankow, DGP

Diese Schadstoffe stecken unter anderem in den Aromen, die den Shisha-Mischungen beigefügt werden. Einige Aromastoffe können beim Erhitzen gesundheitsschädlich sein. Es werden durch das Verschwelen auch Kleinstpartikel freigesetzt. Sie gelangen mit dem Rauch in den Körper. 

Kohlenmonoxid-Vergiftungen durch Shishas

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung beim Shisha-Rauchen. Das geruchs- und farblose Gas wird beim Rauchen von Wasserpfeifen in großen Mengen freigesetzt und zieht in geschlossenen, nicht gut genug gelüfteten Räumen nicht ab.

Im Körper verhindert es den Transport von Sauerstoff. Erste Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Herz-Kreislauf-Probleme. Im schlimmsten Fall kann eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zu Ohnmacht, späteren neurologischen Schäden oder zum Tod führen.

"Deswegen empfehlen wir, auf das Rauchen in Innenräumen grundsätzlich zu verzichten – egal, ob Shishas oder Zigaretten", betont Wulf Pankow. 

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Prävention: Rauchverbote und Kennzeichnungspflicht

Als Experte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) setzt Wulf Pankow sich dafür ein, die Shisha zu entzaubern: Sie ist keine Friedenspfeife, die nach Feierabend in geselliger Runde geteilt werden sollte.

"Wir sind der Auffassung, dass Shisha-Bars geschlossen werden sollten", macht der Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde deutlich.

Solange dies nicht geschieht, fordert die DGP andere Maßnahmen zum Schutz junger Menschen. Neben dem grundsätzlichen Rauchverbot in Innenräumen stehen eine höhere Besteuerung und eine Kennzeichnungspflicht im Fokus.

"Für die Prävention unerlässlich ist die Besteuerung von Shisha-Produkten. Wir wissen, dass gerade bei Jugendlichen der Preis ein starkes Präventionsmittel ist. Nur werden freie Tabake, zu denen Shisha-Tabake gehören, leider geringer besteuert als Zigaretten. Außerdem muss klar sein, was beim Shisha-Rauchen inhaliert wird – besonders, wenn es sich um Produkte mit Tabak handelt. Es muss beim ersten Blick deutlich werden: Handelt es sich bei diesem oder jenem Produkt um Tabak und welche Aromastoffe sind drin?"

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