Vom Kind bis zum Erwachsenen: Wann ist welche Impfung fällig?

Redaktion
IKK classic

Impfungen begleiten uns ein Leben lang – doch welche ist eigentlich wann dran? Vom ersten Schutz im Säuglingsalter über die Auffrischungsimpfungen im Schulkindalter und später im Erwachsenenalter: Dieser Artikel erklärt, welche Impfungen in welcher Lebensphase empfohlen werden.

Als wissenschaftlich fundierte Orientierung dafür, wann welche Impfungen im Lebensverlauf sinnvoll sind, gilt der STIKO-Impfkalender der Ständigen Impfkommission, einer Expertenkommission des Robert Koch-Instituts (RKI). Ihm zufolge muss die Grundimmunisierung gegen viele Krankheiten bereits im Säuglingsalter beginnen.

Nach den aktuellen Empfehlungen werden ab der sechsten Lebenswoche erste Impfungen gegen Rotaviren verabreicht, gefolgt von der sogenannten sechsfach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Polio (Kinderlähmung) und Haemophilus influenzae Typ B (kurz Hib) sowie der Pneumokokken-Impfung ab der achten Lebenswoche. Diese Impfserie wird in mehreren Dosen im Alter von etwa zwei, vier und elf Monaten vervollständigt. Ziel des STIKO-Schemas ist es, den Schutz der Kinder frühzeitig aufzubauen und durch zeitlich abgestimmte Auffrischungen zu stabilisieren, sodass das Immunsystem im ersten Lebensjahr zuverlässig gegen besonders gefährliche Infektionskrankheiten gewappnet ist.

Wann sollten Eltern den Impfstatus Ihres Kindes überprüfen?

Bei vielen Impfungen entsteht nach den empfohlenen Dosen im Säuglingsalter zunächst ein solider Basisschutz, der mehrere Jahre zuverlässig anhält. Dieser kann allerdings im Verlauf nachlassen, weshalb gezielte Auffrischungen notwendig sind.

Nach dem STIKO-Impfkalender erfolgt die erste große Auffrischung im Kindesalter in der Regel im Alter von fünf bis sechs Jahren, also etwa zu Beginn des Schulkindalters. Dann werden vor allem Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten (Pertussis) sowie Polio aufgefrischt. Auch die zweite MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) ist in diesem Zeitraum vorgesehen, um einen vollständigen Schutz sicherzustellen.

„Ich rate Eltern dazu, alle von der STIKO empfohlenen Impfungen zum vorgesehenen Termin wahrzunehmen“, sagt Jakob Maske, Kinderarzt und Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ).

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Diphtherie, Tetanus und Pertussis: Darum sind Impfungen sinnvoll

Die Namen Diphtherie, Tetanus und Pertussis sind vielen Menschen ein Begriff.  Doch was steckt eigentlich genau hinter diesen Erkrankungen?

Bei Diphtherie handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die die Rachenschleimhäute oder die Haut befallen kann. Typische Symptome der Rachendiphtherie sind Halsschmerzen und stark anhaftende Beläge, die die Atemwege so behindern können, dass sie im schlimmsten Fall zum Erstickungstod führen. Bei der Hautdiphtherie kommt es zu belegten, schlecht heilenden Hautstellen oder Wunden.

Tetanus – auch Wundstarrkrampf genannt – wird durch Bakterien ausgelöst, deren Sporen über Verletzungen in den Körper gelangen. Oft genügen bereits kleine, verunreinigte Wunden. Die Erkrankung äußert sich in starken, schmerzhaften Krämpfen im Kiefer und anderen Muskelgruppen. Sind Kehlkopf und Brustmuskulatur stark betroffen, droht Erstickungsgefahr. Trotz moderner Intensivmedizin kann Tetanus lebensbedrohlich verlaufen.

Pertussis, auch Keuchhusten genannt, ist eine hoch ansteckende Atemwegserkrankung. Betroffene leiden unter trockenem Husten, der wochenlang anhält, sowie unter krampfartigen Hustenanfällen – besonders nachts. Typisch ist das keuchende Einziehen der Luft nach einem Hustenanfall, häufig gefolgt von Würgen und Erbrechen.

Ein Piks, der Leben retten kann

Einen wirksamen Schutz gegen diese Erkrankungen bietet nur eine Impfung. Sorgen, darüber, dass die Kinder übermäßigen Stress ausgesetzt werden, brauchen sich Eltern nicht zu machen. „Für die spätere Auffrischung wird eine dreifach-Kombinationsimpfung verwendet", erklärt Jakob Maske, „das ist nur ein einziger Piks, also halb so schlimm."

Eine weitere wichtige Auffrischung folgt im Jugendalter zwischen neun und 16 Jahren: Hier werden die Basisimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis erneut aufgefrischt, da insbesondere der Schutz gegen Keuchhusten mit der Zeit deutlich nachlassen kann.

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Impfen schützt Ihr Kind und die Gemeinschaft

Auch die bereits im Säuglingsalter erfolgte, in zwei Dosen verabreichte Grundimmunisierung gegen Mumps, Masern und Röteln ist sehr sinnvoll. Auch, weil man damit nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere Menschen schützen kann.

Die Masern-Impfung nimmt dabei eine besondere Rolle ein: „Weil Masern zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen gehören, ist diese Impfung Pflicht, damit ein Kind eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen darf, sprich, die Kita, einen Kindergarten oder eine Schule“, erklärt Jakob Maske. Eine Infektion kann zu Lungenentzündungen, Durchfällen, aber auch zu Komplikationen wie einer Gehirnentzündung führen.

„Eltern, deren Kind noch nicht den vollen Impfschutz hat, müssen die Impfung also vor dem Schulbeginn zwingend nachholen“, sagt Jakob Maske. „Fehlt lediglich die zweite Impfung, reicht es aber, dass das Kind diese eine Auffrischung erhält. Man muss nicht noch einmal ganz neu anfangen, wie viele Eltern annehmen.“

Auch mit den Impfungen gegen Mumps und Röteln schützt man die Gemeinschaft. Mumps-Viren verursachen eine schmerzhafte Entzündung und Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Auch die Speicheldrüsen im Mundraum sowie die Lymphknoten können anschwellen. Verläuft die Erkrankung bei Kindern unter fünf Jahren meist milde, steigt das Risiko für Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung, Hörschäden oder Lähmungen mit zunehmendem Alter.

Bei Kindern verläuft eine Röteln-Infektion zwar meist ohne Komplikationen mit nur leichten Symptomen oder Hautausschlag. Für schwangere Frauen ist die hoch ansteckende Viruserkrankung jedoch sehr gefährlich:  Das ungeborene Kind kann schwerste Schäden erleiden. Deshalb ist es das Ziel, so viele Menschen wie möglich gegen Röteln zu impfen, um die Verbreitung einzudämmen.

Alle verpassten Impfungen nachholen

Laut aktuellem Impfkalender der STIKO sollten versäumte Impfungen gegen Windpocken nachgeholt werden. Bei den Empfehlungen zu Meningokokken gab es zuletzt Änderungen: Die frühere Standardimpfung gegen Meningokokken C im Kleinkindalter wird inzwischen nicht mehr empfohlen. Stattdessen empfiehlt die STIKO heute eine Impfung gegen Meningokokken ACWY für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren; Nachholimpfungen sind bis zum 25. Geburtstag möglich.

Anders ist es bei den Impfungen gegen Hib und Pneumokokken: „Ist das Kind nach dem zweiten Geburtstag noch nicht gegen Hib oder Pneumokokken geimpft, wird dies auch nicht mehr empfohlen“, so Jakob Maske.

„Hib kann bei Säuglingen und Kleinkindern eine schwere Hirnhautentzündung verursachen, diese Gefahr besteht bei älteren Kindern nicht mehr. Ähnlich ist es bei Pneumokokken: Nur, wenn bestimmte medizinische Indikatoren vorliegen, wird ein Arzt zu einer Pneumokokken-Impfung raten“, erklärt der Kinderarzt.

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Welche weiteren Impfungen sind sinnvoll?

Wichtig ist, sich über Reiseimpfungen zu informieren. „Bei Reisen in FSME-Risikogebiete etwa in Teilen Bayerns, Österreichs oder Schwedens empfiehlt sich eine Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Für Reisen in die Türkei ist Hepatitis A relevant, für bestimmte Regionen in Asien können je nach Reiseprofil auch Tollwut- und Tetanusimpfungen eine Rolle spielen", so Jakob Maske. „Vor allem sollte man rechtzeitig daran denken – der Impfschutz muss sich noch vor Reiseantritt aufbauen können."

Neben diesen reisemedizinischen Impfempfehlungen gibt es auch weitere wichtige Schutzimpfungen im Jugendalter. Dazu zählt insbesondere die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die von der STIKO für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen wird und vor bestimmten Krebsarten schützen kann.

Und wie steht es um die COVID-19-Impfung? Nach aktueller STIKO-Empfehlung gelten gesunde Erwachsene unter 60 Jahren mit einer sogenannten Basisimmunität als ausreichend vor schweren COVID-19-Verläufen geschützt. Diese Basisimmunität wird durch drei Kontakte des Immunsystems mit dem Virus erreicht – entweder durch Impfungen, Infektionen oder eine Kombination aus beidem; mindestens einer dieser Kontakte sollte durch eine Impfung erfolgt sein.

Für gesunde Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen empfiehlt die STIKO derzeit keine routinemäßige COVID-19-Impfung mehr. Anders ist es bei Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe: Dazu zählen unter anderem Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal. Ihnen wird weiterhin eine jährliche Auffrischimpfung empfohlen, vorzugsweise im Herbst.

Anders ist es bei der Grippeschutzimpfung: Sie wird weiterhin jährlich empfohlen – insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke sowie Personen mit erhöhtem beruflichem Risiko. Da sich Influenzaviren regelmäßig verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr an die aktuell zirkulierenden Virusstämme angepasst.

Fazit

Impfen ist kein einmaliges Ereignis, sondern begleitet uns durch alle Lebensphasen – von der frühen Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu gezielten Auffrischungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Der STIKO-Impfkalender bietet dafür eine verlässliche Orientierung und zeigt, wann welcher Schutz aufgebaut oder erneuert werden sollte.

Wer den Impfpass regelmäßig überprüft und empfohlene Termine einhält, sorgt nicht nur für den eigenen Schutz, sondern trägt auch dazu bei, besonders gefährdete Menschen in der Gesellschaft zu schützen. Viele Impfungen lassen sich bei Bedarf unkompliziert nachholen – oft genügt dafür ein einzelner Termin in der Arztpraxis. So bleibt der Impfschutz ein Leben lang aktuell und wirksam.

FAQ

Wie funktioniert der Impfkalender der STIKO?

Der Impfkalender gibt an, welche Impfungen zu welchem Zeitpunkt im Leben eines Kindes empfohlen werden. Er ist nach Altersgruppen gegliedert und unterscheidet zwischen Standardimpfungen für alle Kinder und Impfungen, die nur bei bestimmten Risikofaktoren nötig sind. Grundlage ist der Impfpass, den Eltern bei jedem Arztbesuch vorlegen sollten.

Wie aktuell ist der STIKO-Impfkalender und wie oft wird er angepasst?

Die STIKO überprüft ihre Empfehlungen regelmäßig und aktualisiert den Impfkalender in der Regel einmal jährlich. Bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder veränderten Krankheitslagen kann es auch unterjährige Anpassungen geben. Die jeweils aktuelle Version ist auf der Website des Robert Koch-Instituts abrufbar.

Welche Impfungen bekommen Babys im ersten Lebensjahr?

Bereits ab einem Alter von etwa sechs Wochen empfiehlt die STIKO die ersten Impfungen – darunter die Grundimmunisierung mit einem Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hepatitis B und Hib sowie die Impfungen gegen Pneumokokken und Rotaviren. Eine routinemäßige Impfung gegen Meningokokken C gehört im Säuglingsalter nicht mehr zum Standardimpfprogramm.

Die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln folgt ab dem elften Lebensmonat.

Gibt es Pflichtimpfungen in Deutschland für Kinder?

Ja. Seit März 2020 gilt in Deutschland das Masernschutzgesetz. Kinder, die eine Kita, einen Kindergarten oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung besuchen, müssen einen ausreichenden Masernschutz nachweisen. Dies kann durch eine Impfung oder eine bestätigte Immunität erfolgen. Alle anderen Impfungen sind Empfehlungen der STIKO, aber keine gesetzliche Pflicht.

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IKK classic

Veröffentlicht am 17.05.2026

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