Pubertät: Wenn aus Jungen Männer werden

Jungen in der Pubertät erfahren nicht nur körperliche, sondern auch psychische Veränderungen. Diese Übergangsphase vom Jungen zum Mann kann sehr kräftezehrend für den Heranwachsenden und seine Eltern sein. Erfahren Sie, welche Prozesse während der Pubertät stattfinden und wie man mit ihnen am besten umgeht.

Im Leben jedes Jungen kommt irgendwann eine Zeit, in der sich sein Körper, aber auch seine Gefühle und Verhaltensweisen ändern: Er ist bockig, lotet seine Grenzen aus oder weist oft auch schlechte Schulleistungen auf. Das ist jedoch völlig normal, schließlich verändert sich der Hormonhaushalt des Kindes massiv und beeinflusst das Aussehen und die Psyche direkt. Doch was passiert eigentlich genau im männlichen Körper eines Pubertierenden?

Wann beginnt die Pubertät?

Im Alter von neun bis elf Jahren beginnt die sogenannte "Vorpubertät" bei Jungen. In dieser Phase führt eine erste Welle von Sexualhormonen dazu, dass sich erste Schamhaare entwickeln und die Hoden merklich wachsen.

Dabei sprühen die Jungs förmlich vor Energie, was sich in einem großen Bewegungsdrang äußert. Zusätzlich beeinflussen Stimmungsschwankungen die Laune des Heranwachsenden. Das kann sich in einer Rebellion oder in einem Trotzverhalten gegen gewohnte Familienregeln äußern.

Weil die Vorpubertät bei Jungen individuell einsetzt, kann das Probleme nach sich ziehen: Während der eine noch mit Lego spielt, liest der andere schon Jugendmagazine. Deshalb ist mit Unsicherheiten zu rechnen, wenn das Kind nach neuen Vorbildern sucht – auch unter Gleichaltrigen.

Was passiert in der Hochphase der Pubertät?

Zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr findet eine starke Veränderung des männlichen Körpers statt.

  • Der Kehlkopf wächst und die Stimmbänder dehnen sich dabei aus: Der Stimmbruch setzt ein und Jungs entwickeln eine tiefere Stimme.

  • Der erste Samenerguss wird erlebt – oft als "feuchter Traum". Eltern sollten mit diesem Thema sehr sensibel umgehen, da es von ihrem Sohn oft als peinlich empfunden wird.

  • Die Geschlechtsorgane und Schambehaarung wachsen. Dabei ist das Wachstum der Hoden mit 15 Jahren meist abgeschlossen, das des Penis' normalerweise mit 17 Jahren.

  • Der zarte Flaum im Gesicht des Jungen wird durch das Testosteron dichter und stärker. Erste Barthaare beginnen zu sprießen. Der Bartwuchs kann jedoch auch verzögert einsetzen.

  • Der Körper erfährt einen deutlichen Wachstumsschub. Dabei werden Schultern und Brust breiter, während die Hüfte in der Regel schmal bleibt und Muskeln bauen sich auf. In dieser Phase fühlen sich viele Jungen ein wenig unwohl und ungelenk, gewöhnen sich aber mit der Zeit an ihren neuen Körper. 

Doch auch psychisch erfährt der Jugendliche viele Veränderungen. Klassische Verhaltensmuster sind Aggressionen, Streit und Ablehnung. Während die Familie in den Hintergrund rückt, werden Status und Geltungsdrang unter Gleichaltrigen immer wichtiger.

Wann ist die Pubertät beendet?

Etwa ab dem 17. Lebensjahr setzt die Spätpubertät ein, die die letzten Schritte ins Erwachsenenleben kennzeichnet. Dann ist die körperliche Entwicklung weitestgehend abgeschlossen, die psychische jedoch noch nicht.

Eigene Werte und erste Zukunftsvorstellungen kristallisieren sich heraus und die Regeln und Werte der Eltern werden in Frage gestellt. Das ist normal, schließlich gehört das zum Abnabelungsprozess eines jeden Jugendlichen.

De schlimmsten Konflikte sind jedoch im Normalfall überstanden, da sich die die Teenager an die Veränderungen gewöhnt haben und besser mit ihnen klar kommen. Auch die meisten Eltern haben inzwischen die Eigenständigkeit ihrer Kinder akzeptiert, wenngleich es durchaus noch zu Konflikten kommen kann.

7 Tipps für Eltern während der Pubertät

  • Bieten Sie Unterstützung

    Eltern sollten Jungen in der Pubertät Schutz, Geborgenheit und Halt anbieten. Wenn junge Männer Ablehnung und Härte demonstrieren, sehnen sie sich häufig nach einem offenen Ohr und Verständnis.

  • Sorgen Sie für Regeln

    Kinder, die erwachsen werden, brauchen einen feste Orientierung. Einmal aufgestellte Regeln sollten nicht wahllos aufgehoben oder eingeschränkt werden. Überzeugen Sie Ihren Sohn durch sachliche Argumente und Kompromissbereitschaft und drohen Sie – falls nötig – mit Sanktionen.

  • Zeigen Sie Verständnis

    Stimmungsschwankungen, Ablehnung und Rückzug sind für pubertierende Söhne völlig normal. Geben Sie daher Ihrem Kind genügend Freiraum.

  • Vermeiden Sie Predigten

    Das Bewusstsein des Pubertierenden für die eigenen Stärken und Schwächen ist noch nicht stark genug, um Kritik annehmen oder aushalten zu können. Bleiben Sie konstruktiv, vermeiden Sie Vorträge und verwenden Sie Ich-Botschaften, wie "Ich mache mir Sorgen, wenn Du zu spät nach Hause kommst".

  • Bleiben Sie aufmerksam

    Neugierde und Erfahrungen mit Pornographie und Drogen stellen ein heikles Thema für Eltern dar. Es ist daher wichtig, aufmerksam zu bleiben. Doch spionieren Sie Ihrem Sohn nicht hinterher! Kommunikation, Aufklärung und ein gutes Vorbildverhalten sind zielführender als Kontrolle.

  • Seien Sie sich Ihrer Rolle bewusst

    Viele Eltern machen den Fehler, Freundschaft mit Ihren Kindern schließen zu wollen. Doch in der Erziehung ist es wichtig, sich in liebevoller Weise voneinander abzugrenzen, schließlich stehen Eltern in der Erziehungspflicht.

  • Übertragen Sie Verantwortung

    Bevormundung ist tabu. Jugendliche müssen lernen, Verantwortung für sich und ihr Handeln zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Dafür brauchen sie sehr viel Übung. Wenn Ihr Kind Sie braucht, wird es auch weiterhin auf Sie zukommen.

Wichtige Vorsorgeuntersuchungen während der Pubertät

J1

Zwischen 12 und 15 Jahren haben Kinder Anspruch auf die Jugendgesundheitsuntersuchung J1. Hierbei sollen unter anderem Funktionsstörungen der Schilddrüse, Wachstumssörungen oder auch eine verfrühte oder verspätete Pubertät ausgeschlossen werden. 

Neben dem körperlichen Check überprüft der Arzt auch die psychische Verfassung und befragt den Jugendlichen zu Gesundheitsrisiken wie Rauchen, Drogen oder auch zu möglichen Essstörungen. Die IKK übernimmt die Kosten für diese wichtigen Vorsorgeuntersuchungen während der Pubertät. 

Vorsorge für Kinder

J2

Zwischen 16 und 18 Jahren erstattet die IKK classic im Rahmen des IKK Gesundheitskontos bis zu 61 Euro für die Wahrnehmung der J2. Diese Untersuchung bietet die Möglichkeit eines Gesundheits-Check-up. Häufig werden hier Haltungsstörungen identifiziert oder auch Fragen zur Sexualität beantwortet. Die Jugendlichen sollen dabei alleine zum Arzt gehen, um eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. Für die Kostenerstattung reichen Sie einfach die Rechnungen des Arztes bei der IKK classic ein. 

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HPV-Impfung für Jungen

Die IKK classic übernimmt die Kosten für die ärztliche Beratung und Untersuchung zur Empfängnisverhütung. Seit Kurzem gibt es auch eine Impfung gegen Humane Papillomvieren (HPV) für Jungen. HPV-Viren zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern, die im Laufe der Zeit Krebs (zum Beispiel am Penis) entwickeln können. Für den bestmöglichen Schutz sollte deshalb bereits vor dem ersten sexuellen Kontakt ein Impfschutz bestehen. Jungen im Alter von 9 bis 17 Jahren erhalten die Impfung einfach gegen Vorlage der IKK-Gesundheitskarte. 

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