Abnehmspritzen: Was Sie darüber wissen sollten

Redaktion
Kevin Schuon

Abnehmspritzen sind stark im Trend – doch der hat auch Schattenseiten. Neben den hohen Kosten gibt es unerwünschte Nebenwirkungen, die oft unterschätzt werden. Wir erklären, was man bei der Anwendung beachten sollte.

Promis spritzen sich mal eben für den roten Teppich schlank, auf Instagram finden sich unter den dazugehörigen Hashtags der Marken von Abnehmspritzen mehr als 100.000 Beiträge. Auch auf TikTok zeigen tausende Nutzerinnen und Nutzer die Erfolge. Der wohl prominenteste von ihnen: Milliardär Elon Musk. Doch ist Abnehmen per Spritze wirklich so einfach? Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Medizinerinnen und Mediziner sind besorgt. Sie warnen vor dem Missbrauch der Medikamente. „Es ist naheliegend, dass sich auch die Aufmerksamkeit der gesunden, nicht übergewichtigen Normalbevölkerung auf die neuen Wirkstoffe richtet“, sagt Professor Dr. med. Harald J. Schneider, Sprecher der Sektion Angewandte Endokrinologie der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie.

Er betont jedoch, die Medikamente seien kein Lifestyle-Produkt für Menschen, die mit ihrem Körpergewicht unzufrieden sind. Sie seien nur für die Behandlung von Diabetes und Adipositas gedacht. Denn: „Die unkontrollierte Anwendung ohne Indikation ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden“, so Prof. Schneider. Deshalb gibt es die Medikamente in Deutschland auch nur auf Rezept in der Apotheke.

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Wie funktionieren Abnehmspritzen?

Die bekannten Abnehmspritzen eines dänischen Pharma-Konzerns enthalten meist alle den Wirkstoff Semaglutid. Vertrieben wird er unter zwei Handelsnamen: Wegovy zur Gewichtsregulierung und Ozempic zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Dieser Wirkstoff ist ein gentechnisch hergestelltes langwirksames GLP-1-Analogon und gehört zu den sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten. Das heißt, er wirkt so wie das körpereigene Hormon GLP-1. Dieses Hormon stimuliert in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin, senkt die Glucagon-Konzentration, verlangsamt die Magenentleerung und reduziert den Appetit. Semaglutid kann die Funktion des körpereigenen Hormons ergänzen oder ersetzen und innerhalb eines Jahres einen Gewichtsverlust von bis zu 15 Prozent bewirken.

Neben Semaglutid gibt es inzwischen weitere Wirkstoffe, die ähnlich wirken: Sie setzen sich ebenfalls an die GLP-1 Rezeptoren. Noch wirksamere Abnehmmedikamente werden derzeit in Phase-3-Studien geprüft: Der Dreifach-Agonist Retatrutid erreichte 2026 nach Herstellerangaben Gewichtsverluste von bis zu rund 29 Prozent. Zugelassen ist der Wirkstoff bislang weder in der EU noch in den USA.

Welcher Wirkstoff unter welchem Handelsnamen vertrieben wird, zeigt die folgende Übersicht:

Wirkstoffe und Handelsnamen
Wirkstoff Handelsname (Beispiele) Gewichtsreduktion Anwendungsgebiet

Dulaglutid

Trulicity

n.n.

Diabetes Typ 2

Exenatid

Byetta, Bydureon

n.n.

Diabetes Typ 2

Liraglutid

Saxenda und Nevolat (Adipositas), Victoza (Diabetes)

6,9 %

Adipositas / Diabetes Typ 2

Semaglutid

Ozempic

bis zu 17 %

Diabetes Typ 2

Semaglutid

Wegovy

15 %

Adipositas

Tirzepatid

Mounjaro

21,5 %

Adipositas / Diabetes Typ 2

Abnehmen ohne Spritze: Semaglutid jetzt auch als Tablette

Seit Juli 2026 ist Semaglutid in der EU auch als Tablette zugelassen und wird unter demselben Handelsnamen wie die Spritze vertrieben, also als Wegovy. Die Abnehmtablette wird einmal täglich eingenommen und richtet sich an dieselben Patientengruppen: ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen. In der Zulassungsstudie OASIS-4 verloren die Teilnehmenden nach 64 Wochen im Mittel 13,6 Prozent ihres Körpergewichts. Rezeptpflicht, Nebenwirkungsprofil und die fehlende Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse gelten für die Abnehmpille genauso wie für die Injektion.

Wer bekommt die Abnehmspritze?

Egal, welcher Wirkstoff und welcher Einsatzzweck: Für diese Produkte gilt in Deutschland die sogenannte Rezeptpflicht, d. h. sie müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben werden.

Eine der Spritzen von Novo Nordisk (Wegovy) ist von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA nur zur Behandlung von Menschen, die an Adipositas leiden, zugelassen. Bemessen wird das am BMI, dem Body-Mass-Index. Generell kann nur, wer einen BMI von 30 oder höher hat, die Abnehmspritze verschrieben bekommen. Ausnahmen bilden Menschen mit einem BMI von mindestens 27, die zudem unter gewichtsbedingten Begleiterkrankungen leiden.

Diese Voraussetzungen gelten ebenfalls für eine weitere Abnehmspritze des pharmazeutischen Unternehmens Eli Lilly (Mounjaro mit dem Wirkstoff Tirzepatid), wenn es zur Gewichtsregulierung verwendet wird. „Adipositas ist als ernstzunehmende Erkrankung zu werten. Insofern begrüßen wir diese wirkungsvolle Behandlungsoption“, sagt DGE-Pressesprecher Professor Dr. med. Stephan Petersenn von der ENDOC Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg. Mehr zu Diagnostik und Therapie finden Sie auf unserer Seite zur Behandlung von Adipositas.

BMI-Rechner: Berechnen Sie Ihren Body-Mass-Index

Der Body-Mass-Index (BMI) hilft Ihnen, Ihr Idealgewicht zu erreichen. Doch was bedeutet eigentlich ideal? Eine Orientierung bietet unser BMI-Rechner.

Allerdings fallen Arzneimittel zur Gewichtsreduktion unter die sogenannten Lifestyle-Arzneimittel und damit dürfen die Kosten dafür nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Das Medikament wird je nach Wirkstoff einmal pro Woche oder täglich von der zu behandelnden Person selbst unter die Haut gespritzt. Die Dosis wird in den ersten Wochen gesteigert. Die Behandlung wird ärztlich begleitet. Eine feste Höchstdauer gibt es nicht: Fachlich gilt die Therapie als dauerhaft angelegt, solange der Gewichtseffekt erhalten bleiben soll.

Um die Behandlung nachhaltig zu gestalten, findet sie in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie statt. Dazu gehören kalorienreduzierte Diäten und erhöhte körperliche Aktivität. So kann die Gefahr für einen Jo-Jo-Effekt reduziert werden. Denn sobald die Spritzen abgesetzt werden, lässt auch die Wirkung nach.

„Die Prävention von Adipositas muss künftig eine viel größere Rolle spielen, denn die lebenslange Einnahme von Medikamenten ist die deutlich schlechtere Option“, sagt Petersenn. Tipp: Wenn Sie mehr über Ihren täglichen Energiebedarf und Grundumsatz erfahren möchten, nutzen Sie unseren interaktiven Kalorienbedarf-Rechner.

Die Abnehmspritze sei dagegen ausdrücklich nicht für Menschen gedacht, die damit auf leichtem Wege ein paar Kilos abnehmen möchten. Die Berichte von Tesla-Chef Elon Musk oder Reality-Star Kim Kardashian, die mit der Hilfe von Semaglutid stark abgenommen haben, sendeten ein ganz falsches Signal. 

Unter Medizinerinnen und Medizinern wird das als „Off-Label-Use“ bezeichnet. Das heißt, dass ein Medikament außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete verwendet wird. Ein typisches Beispiel ist der Einsatz von Ozempic zum Abnehmen: Das Präparat ist ausschließlich für die Diabetestherapie zugelassen. „Diese Medikamente sollten nur spezialisierte Ärztinnen und Ärzte verschreiben – und auch nur, wenn die medizinische Notwendigkeit besteht und die Anwendung in der Folge sorgfältig überwacht wird“, betont Harald J. Schneider. Auch der Hersteller Novo Nordisk weist darauf hin, die Abnehmspritzen nur verantwortungsvoll zu verwenden.

Was die Abnehmspritze kostet

Die Kosten für Abnehmspritzen variieren je nach Präparat und Dosierung. In Deutschland liegen sie derzeit bei etwa 170 bis 300 Euro pro Monat für Wegovy. Mounjaro liegt darüber, das Liraglutid-Generikum Nevolat mit rund 79 Euro für die Einstiegspackung deutlich darunter. Aufs Jahr gerechnet summiert sich die Behandlung damit auf etwa 1.000 bis 6.000 Euro.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Kosten für diese Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden dürfen, wenn sie der Gewichtsreduktion dienen: Der Gesetzgeber ordnet sie in § 34 SGB V den sogenannten Lifestyle-Arzneimitteln zu. Ein Antrag auf Kostenübernahme ist deshalb nicht möglich. Anders liegt der Fall bei Typ-2-Diabetes: Wird ein Präparat wie Ozempic in der dafür zugelassenen Indikation verordnet, zahlt die Kasse.

Die hohen Kosten und die eingeschränkte Kostenübernahme durch die Krankenkassen sind ein wichtiger Faktor, den Patientinnen und Patienten berücksichtigen sollten, bevor sie sich für eine Behandlung mit Abnehmspritzen entscheiden.

Welche Nebenwirkungen hat die Abnehmspritze?

Der Einsatz von Semaglutid ist – wie bei jedem anderen Wirkstoff – mit Nebenwirkungen verbunden. „Die unkontrollierte Anwendung ohne Indikation ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden, etwa Übelkeit und Erbrechen“, sagt Prof. Schneider. Gerade zu Beginn der Therapie treten bei vielen Patientinnen und Patienten häufig Probleme mit dem Verdauungstrakt bis hin zu Durchfall oder Verstopfung auf. Bei den Wirkstoffen Liraglutid und Tirzepatid können ähnliche Nebenwirkungen auftreten. Um diese zu reduzieren, wird die Dosis langsam gesteigert. Viele der mit einem der drei Wirkstoffe behandelten Personen zeigten außerdem Dehydrierungssymptome. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) warnt vor Sarkopenie – dem krankhaften Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft – bei Menschen mit Adipositas, die extrem schnell abnehmen. Besonders kritisch sei das Risiko einer Sarkopenie, wenn nicht gleichzeitig auf eine eiweißreiche Ernährung und Bewegung geachtet werde.

Darüber hinaus hat die Europäische Arzneimittelbehörde auch vor möglichen, schweren Langzeitwirkungen gewarnt. Dabei handelt es sich um Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und Gallenblase. Ergebnisse einer Studie der University of British Columbia deuten darauf hin, dass die Abnehmspritzen mit Magenlähmungen, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Darmverschlüssen in Verbindung stehen könnten. „In Tierversuchen fand man zudem ein potenziell erhöhtes Risiko für bestimmte Schilddrüsenkrebsarten“, ergänzt Prof. Schneider. 

Da das Mittel erst seit kurzer Zeit auf dem Markt ist, gibt es noch nicht viele Erkenntnisse über die Langzeitfolgen. Der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA wurden mehrfach Fälle von Depression bis hin zu Suizidgedanken gemeldet. Mittlerweile sprechen viele Daten gegen ein Suizidrisiko – allerdings mit weiterhin bestehenden Unklarheiten.

Unerwartete Nebenwirkung: Schwanger durch die Abnehmspritze

In den sozialen Medien mehren sich Berichte von Frauen, die während der Behandlung mit Semaglutid-Präparaten überraschend ungeplant oder trotz Einnahme von Verhütungsmitteln ungewollt schwanger wurden. Das Phänomen hat zwischenzeitlich in den USA zur Folge, dass diese Kinder in einem speziellen Register erfasst werden, um im Nachhinein mehr Datenklarheit zu erlangen.

Denn eigentlich soll man während der Behandlung mit Semaglutid eine Schwangerschaft vermeiden, da bislang nicht ausreichend geklärt werden konnte, ob es zu Fehlgeburten und Missbildungen des Fötus kommen kann. Studien an Ratten, Kaninchen und Affen legen das nahe, es existieren allerdings bislang keine Untersuchungen an Menschen. Herstellerfirma Novo Nordisk empfiehlt, dass Frauen mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft ihr Medikament absetzen.

Kostenübernahme von Medikamenten

Damit Sie schnell wieder gesund werden, übernimmt die IKK classic die Kosten für alle apothekenpflichtigen Arzneimittel, wenn diese notwendig und verordnungsfähig sind.

Gefälschte Abnehmspritzen

Der Social-Media-Hype einerseits und die hohen Kosten sowie die Rezeptpflicht für Abnehmspritzen und artverwandte Abnehmtabletten andererseits verleiten in vielen Fällen dazu, nach billigen Alternativen im Netz zu suchen. Das ruft zahlreiche Betrüger auf den Plan – beim Kauf ist also Vorsicht geboten! Es besteht die Gefahr, ein gefälschtes Medikament zu erhalten, das entsprechende Gesundheitsrisiken mit sich bringen kann. Wird beispielsweise Insulin in ein Präparat gemischt, kann das nicht nur zu einer Gewichtszunahme, sondern auch zu Unterzuckerung führen. In Folge dieser kann es zu Kreislaufzusammenbrüchen und Bewusstlosigkeit kommen. Das ist kein theoretisches Risiko: 2023 tauchten in der europäischen Vertriebskette gefälschte Ozempic-Fertigpens auf, die statt Semaglutid ein Insulin-Analogon enthielten. In Österreich mussten mehrere Betroffene nach Unterzuckerungen und Krampfanfällen im Krankenhaus behandelt werden. Das BfArM gab erst Monate später Entwarnung für den deutschen Markt. Darum: Wenn Abnehmspritze, dann ausschließlich mit ärztlicher Verordnung, regelmäßiger Gesundheitskontrolle und über eine Apotheke Ihres Vertrauens.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Gibt es die Abnehmspritze auch ohne Rezept?

Nein. Alle GLP-1-Präparate wie Wegovy, Ozempic oder Mounjaro sind in Deutschland verschreibungspflichtig und dürfen nur über Apotheken abgegeben werden. Angebote ohne ärztliche Verordnung stammen aus unsicheren Quellen und sind häufig gefälscht.

Warum wirkt das Gesicht nach starkem Abnehmen oft eingefallen?

Umgangssprachlich wird dieses Phänomen als „Ozempic-Face“ bezeichnet. Der Volumenverlust im Gesicht ist keine spezifische Wirkung des Medikaments, sondern eine Folge des raschen Fett- und Muskelabbaus bei sehr schnellem Abnehmen.

Was passiert nach dem Absetzen der Abnehmspritze?

Appetit und Sättigungsgefühl kehren auf das Ausgangsniveau zurück, weshalb viele Menschen wieder zunehmen. Studien zeigen, dass ein großer Teil des verlorenen Gewichts innerhalb eines Jahres zurückkommt, wenn Ernährung und Bewegung nicht dauerhaft angepasst werden.

Darf man während der Behandlung Alkohol trinken?

Ein generelles Verbot gibt es nicht, doch Alkohol kann Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden verstärken. Wer zusätzlich Diabetesmedikamente einnimmt, hat außerdem ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen.

Hinweis: Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung. Über eine medikamentöse Gewichtstherapie sollte immer ärztlich entschieden werden.

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Kevin Schuon

Veröffentlicht am 11.09.2026

Quellenangaben

  • Muskelverlust durch schnelles Abnehmen (Abruf vom 11.04.2025): Zum Artikel
  • Bewertung des Suizidrisikos durch Abnehmspritzen (Abruf vom 11.04.2025): Zum Artikel

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