Hautkrebsvorsorge: Im Herbst zum Hautscreening

Hautkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erkranken jedes Jahr 260.000 Menschen neu, 30.000 davon am sogenannten "schwarzen Hautkrebs", einem malignen Melanom. Die Ursache für diese bösartige Form von Hautkrebs ist oft hohe UV-Strahlung.

Für alle, die im Freien arbeiten oder gerne und viel Zeit draußen verbringen, besteht demnach ein besonders hohes Risiko zu erkranken. Was man präventiv dagegen tun kann? Insbesondere nach einem längeren Urlaub in der Sonne oder generell nach einem heißen Sommer, ist ein Hautkrebsscreening sinnvoll. So können nämlich auch kürzlich entstandene Hautschäden vom Facharzt schnell erkannt und gegebenenfalls behandelt werden.

Wir haben den Dermatologen Dr. Rüdiger Greinert von den Elbe Kliniken in Buxtehude um Empfehlungen für eine sinnvolle Hautkrebsvorsorge gebeten.

Herr Dr. Greinert, wie groß ist der Einfluss der Sonnenstrahlung auf das Hautkrebsrisiko tatsächlich?

Wir wissen aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen, dass UV-Strahlung der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs ist, da sie in den Hautzellen Schäden hervorruft. Diese Schäden können größtenteils von den zellulären Reparatursystemen behoben werden. Sie können aber auch zu Mutationen führen, aus denen sich letztendlich ein Hautkrebs entwickeln kann.

Was sollten wir bei starker Sonneneinstrahlung beachten?

Bei intensiver Sonnenbestrahlung – das ist in unseren Breitengraden in der Mittagszeit – sollten Sie im Idealfall gar nicht rausgehen oder im Schatten bleiben. Falls das nicht möglich ist, weil Sie beispielsweise in der Sonne arbeiten müssen, sollten bestimmte Schutzfaktoren beachtet werden. Wir empfehlen erst mal den textilen Sonnenschutz. Ein Baumwoll-T-Shirt lässt nur noch zehn Prozent der Strahlung durch. Ein Sonnenhut und eine Sonnenbrille schützen die Augen und die sogenannten "Sonnenterrassen": das Gesicht, die Nase und die Ohren. Darüber hinaus sollte eine Sonnencreme verwendet werden. Die wichtigste Regel: Ein Sonnenbrand ist auf jeden Fall zu vermeiden.

Schützt eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor? 

Wir sind skeptisch, was Sonnencremes angeht, denn der sogenannte "Lichtschutzfaktor" wird nur erreicht, wenn Sie eine bestimmte Menge Sonnencreme auftragen – und zwar zwei Milligramm pro Quadratzentimeter. Wenn Sie das umrechnen, dann bedeutet das, dass ein Mann in Badehose eine dreiviertel Flasche auf seinen Körper einreiben müsste. Wir sind bei der Empfehlung von Sonnencremes vorsichtig, weil wir wissen, dass sie falsch angewendet und nicht ausreichend aufgetragen werden. Die Reihenfolge an Schutzmaßnahmen, die wir bei starker Sonneneinstrahlung empfehlen, ist ganz klar: Schatten, textiler Sonnenschutz und dann erst Sonnencreme.

Alle zwei Jahre zum Screening beim Arzt

Je früher ein Melanom erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Die IKK classic übernimmt die Kosten für die Hautkrebsvorsorge und empfiehlt allen Versicherten ab 35 Jahren alle zwei Jahre einen Hautcheck in Form eines Hautkrebs-Screening. Gibt es Risikofaktoren wie familiäre Vorbelastungen, einen hellen Hauttyp oder viele Muttermale, sollten auch jüngere Menschen zum Haut-Check.

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Wie läuft das Hautkrebs-Screening ab?

Bei einem geschulten Hausarzt oder einem Hautarzt werden in einem Anamnese-Gespräch bestehende Hautprobleme, Veränderungen und Allergien besprochen, anschließend wird die Haut am gesamten Körper untersucht, inklusive Nägeln, Mundschleimhaut, Kopfhaut und Intimbereich. Make-up, Nagellack und aufwendige Frisuren sollten Sie also an diesem Tag nicht tragen, um den Ablauf der Untersuchung nicht zu erschweren.

Die Haut wird optisch begutachtet und stellenweise abgetastet, um Hautveränderungen zu erkennen. Der Arzt untersucht also mit den Augen und Händen, eine Lupe bzw. ein Auflichtmikroskop und ein Ultraschallgerät werden beim Screening nach Bedarf eingesetzt. Das Hautscreening ist eine von vielen Vorsorge- und Früherkennungsleistungen der IKK classic.

 

Vorsorge durch Selbstdiagnose

Die Eigenuntersuchung mit dem bloßen Auge ist wichtig, um frühzeitig Hautveränderungen zu erkennen. Vor allem Körperregionen, die oft der Sonne ausgesetzt sind, sollten Sie sich genauer ansehen und jede Hautveränderungen wie Flecken und andere Auffälligkeiten mit einem Arzt besprechen.

IKK classic-Versicherte erhalten außerdem 50 Prozent Rabatt auf das "Skinhealth Programm" von SkinVision. Die App unterstützt mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Früherkennung von Hautkrebs. SkinVision analysiert anhand von Fotos auffällige Muttermale, bewertet die äußeren Merkmale, gleicht den Leberfleck des Nutzers mit Tausenden von Datensätzen ab, schätzt das Risiko ein und gibt für jeden Hautfleck eine Empfehlung darüber ab, ob ein Arztbesuch angeraten ist oder nicht.

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