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Immer der Nase nach: Wie Düfte unser Leben bestimmen

Von „einen guten Riecher beweisen“ bis jemanden „nicht riechen können“: Unser Geruchssinn genießt bereits in unserer Sprache einen hohen Stellenwert. Dass Düfte unser Leben sogar noch stärker beeinflussen, als wir denken, erklärt Duftforscherin Dr. Bettina M. Pause im Interview.

Die Nase ist unser besserer Verstand: Jahrzente hindurch musste Bettina M. Pause darum kämpfen, diese These trotz des Spotts ihrer Kollegen in der Wissenschaft durchzusetzen – letztlich mit Erfolg. Heute ist sie die international führende Expertin auf dem Gebiet der Duftforschung.

Welchen Einfluss Gerüche auf uns und unsere Gefühle, Freundschaften und sogar die Karriere haben und wie wir unseren eigenen Duft positiv beeinflussen können, erfahren Sie hier.

 

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Interview mit Professor Bettina M. Pause

Bettina M. Pause studierte Psychologie an der Universität Kiel und promovierte dort. Zehn Jahre später folgte die Habilitation über den „Zusammenhang von Geruch und Emotionen“. 2005 wurde sie als Professorin für Biologische Psychologie und Sozialpsychologie an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf berufen. In ihrem neuen Buch „Alles Geruchssache“ erklärt die Geruchsforscherin, wie sehr der menschliche Duft mit positiven Wirkungen auf Freundschaften, Liebe, Erfolg und Intelligenz zusammenhängen kann.

  • Sie schreiben, dass wir Handlungen von Menschen positiver bewerten, wenn wir sie „gut riechen können“. Versprühen Top-Manager einen besonders anregenden Duft?

    Einen Top-Manager müssen wir ja nicht unbedingt mögen. Die Angst vor dem Jobverlust spielt hier eine größere Rolle, wie wir mit unseren Vorgesetzten umgehen. Einen „erfolgreichen“ Duft gibt es auch in diesem Sinne nicht.

  • Wieso nicht?

    Wir wissen aus vielen Tier- und Menschenstudien, dass unsere aktuelle emotionale Lage geruchlich vermittelt wird. Kranke und unglückliche Menschen riechen anders als gesunde und glückliche. Ich kenne niemanden, der immer nur glücklich ist.

  • Warum ist die geruchliche Vermittlung wichtig?

    Aus evolutionärer Sicht ist es für Tiere und Menschen wichtig, Zustände wie Aggression, aber auch Ekel und Angst empfinden zu können, um sich vor Gefahren zu schützen. Unser Geruchssinn spielt hier eine große Rolle. Intellektuell können wir Duftmoleküle zwar nicht dekodieren, doch wenn uns jemand vorgaukelt, er sei uns gegenüber offen, er aber selbst ein Unbehagen empfindet, dann nehmen wir das wahr. Das Ergebnis ist, dass wir unserem Gegenüber mit Misstrauen begegnen.

Das Bauchgefühl kann man über Gerüche wissenschaftlich nachweisen.
Bettina M. Pause
  • Ob Berufs- oder Partnerwahl: Oft entscheiden wir aus dem Bauch heraus. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bauchgefühl und Duft?

    Das Bauchgefühl kann man über Gerüche wissenschaftlich nachweisen. Das ist quasi das Abbild eines Verhaltens, das im sozialen Kontext alle Tiere teilen, auch wenn wir Menschen immer versuchen, alle Begebenheiten intellektualisiert zu erklären. Unsere Forschung würde dazu raten, dem Bauchgefühl Raum zu lassen.

  • Was heißt das konkret?

    Im beruflichen Kontext könnte man zum Beispiel nochmals um ein persönliches Gespräch mit dem Vorgesetzen bitten, um Zweifel intellektuell zu bestätigen oder auszuräumen. Das Bauchgefühl ändert auch unsere Wahrnehmung. Wenn unser Gegenüber nach Angst riecht, dann nehmen wir angstbezogene Merkmale besser wahr und blenden andere wie ein leichtes Lächeln aus.

Fünf Fakten rund um die Nase

  • Ein Großteil des Geschmacks von Speisen und Getränken wird über das Riechen vermittelt.

  • Alleine über Gerüche können wir Dinge, Menschen und Situationen als unangenehm oder angenehm bewerten.

  • Viele Menschen leiden unter einer Beeinträchtigung des Riechvermögens. Fünf Prozent der Bevölkerung können nicht so gut riechen – das ist jeder Zwanzigste.

  • Der Geruchssinn gilt als das vermutlich älteste Sinnessystem. Bereits Urtierchen konnten sich mithilfe ihrer Geruchsorgane orientieren – Jahrmillionen bevor Geruchsmoleküle durch die Luft schwebten.

  • Fürs Schnuppern sind beim Menschen 347 olfaktorische Gene aktiv – beim Elefanten sind es 2.000 Gene.

  • Was können wir konkret tun, um unsere Wirkung auf andere zu verbessern?

    Zum einen ist es wichtig, authentisch zu sein. Menschen, die geruchlich besonders sensitiv sind, merken schnell, ob man wider seine Gefühle handelt. Damit vergrößert sich die Basis für eine erfolgreiche Kommunikation. Zum anderen kann man selbst an seinen überzähligen Ängsten arbeiten. Das sind einfache Techniken mit großer Wirkung aus der kognitiven Verhaltenstherapie, die ich auch in meinem Buch beschreibe.

  • Wirken wir damit auch attraktiver?

    Authentizität und Selbstsicherheit machen einen nicht nur im Beruf, sondern in jeder sozialen Beziehung vertrauenswürdig. Attraktivität ist aber weitaus subjektiver als nur der Geruch.

  • Wie beeinflusst ein schlechter Tag auf der Arbeit oder ein Streit mit dem Partner den persönlichen Duft?

    Emotionen verändern immer auch die physiologischen Prozesse im Körper. Dafür sorgen Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin oder Cortisol. Über diesen hormonellen Zustand verändern sich auch körperliche Abbauprodukte wie Schweiß. Denn abhängig vom eigenen Zustand werden entsprechende Moleküle über die Schweißdrüsen der Haut ausgesondert. Aber auch unser sexueller und gesundheitlicher Zustand beeinflusst die Duftmoleküle auf unserer Haut.

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So verbessern Sie Ihren Duft

Können wir unseren persönlichen Duft beeinflussen? Ja, sagt Dr. Bettina M. Pause, und zwar mit der Selbstmanagement-Therapie, einer modernen Form der kognitiven Verhaltenstherapie.

Eine Säule der Selbstmanagement-Therapie liegt in Entspannungstechniken, die keine Voraussetzungen benötigen und schnell zu erlernen sind.

Sie versetzen den Menschen in die Lage, nach kurzem Training auf Signalwörter oder Bilder eine Entspannung einzuleiten.

So kann man sich schrittweise von Ängsten und immer wiederkehrenden negativen Gedanken lösen. Der Clou: Das Aufheben innerer Blockaden hat einen positiven Einfluss auf unseren Duft: Wir werden positiver wahrgenommen.

Mittlerweile wissen wir, dass Emotionen und die Duftwahrnehmung stark zusammenhängen.
Prof. Bettina M. Pause
  • Umgekehrt: Können wir mit der Nase unsere Stimmung beeinflussen?

    Jetzt kommen wir von den sozialen Gerüchen, die weltweit angelegt und evolutionär bedeutsam sind, zu den Alltagsgerüchen, die abhängig von der eigenen Lebensgeschichte verarbeitet werden. Die Pflanzen- und Tierwelt spielt eine wichtige Rolle. So herrschen in Europa andere Gerüche als in Südamerika. Aber auch die Bedeutung von Gerüchen innerhalb der verschiedenen Kulturen ist wichtig. Während der Duft von Rosen hierzulande mit Romantik assoziiert wird, regt er im Iran und Irak bei vielen den Appetit an. Abhängig von der Biografie können Gerüche also verschiedene Assoziationen und Emotionen hervorrufen.

  • Wirken Gerüche auf Männer und Frauen unterschiedlich?

    Frauen sind insgesamt etwas sensitiver, besonders ist dieser eher schwache Effekt während ihrer fruchtbaren Tage spürbar. Ganzheitlich betrachtet, ist die Wirkung von Düften aber bei allen unterschiedlich – auch weil die Anzahl von Geruchssinneszellen genetisch festgelegt ist.

  • Wie stark ändert sich unser Duft im Laufe des Lebens?

    Es hat bisher noch niemand untersucht. Aber man kann Vergleichsstudien von jungen, mittelalten und alten Menschen nehmen. Die besagen, dass – unter Einhaltung hygienischer Standards – der Körpergeruch von älteren Menschen als angenehmer beurteilt wird. Allerdings sinkt die Geruchswahrnehmung im Alter von 50 Jahren.

Ich hoffe nicht, dass wir Düfte in der Zukunft manipulieren können.
Prof. Bettina M. Pause
  • Vor 30 Jahren hat man Sie wegen Ihrer These belächelt, dass die Nase der bessere Verstand sei. Heute nennen Sie sich selbst das „führende Nasentier in der Biologischen und Sozialpsychologie“. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

    Der Zeitgeist ist mit mir gegangen. Zur Jahrtausendwende hat die Geruchsforschung aufgrund neuer biologischer Erkenntnisse ein neues Renommee erfahren. Davor hat man sich sogar sehr schwergetan, Emotionen als untersuchbar zu betrachten. Mittlerweile wissen wir, dass Emotionen und die Duftwahrnehmung stark zusammenhängen. Aber auch, dass es außerhalb der Emotionen so etwas wie soziale Emotionen gibt, hat meinem Forschungsgebiet nochmals Auftrieb gegeben. Ich bin sogar der Meinung, dass sich das emotionale Gehirn aus dem Geruchshirn entwickelt hat.  

  • Werden wir Düfte irgendwann so manipulieren können – beispielsweise mit einer aphrodisierenden Wirkung – dass wir beim Gegenüber tatsächlich eine von uns gewünschte Reaktion erzeugen?

    Das ist denkbar, ich hoffe es aber nicht. Und ich bin mir sicher, dass das in der nächsten Zeit auch nicht passiert. Jede Spezies kommuniziert über Geruchsmischungen, um es Räubertieren schwer zu machen. Allein über den Achselschweiß bilden wir Menschen über tausend verschiedene Duftkomponenten auf der Haut. Bisher können wir diese Substanzen nicht in den bestimmten Konzentrationen und Mischverhältnissen widergeben, wie sie in der Natur vorkommen. Die Anwendung auf der Haut würde bisher die Nebenwirkung nach sich ziehen, dass wir unangenehm riechen, und nicht anregend oder stimmungsaufhellend.

  • Welchen Duft mögen Sie am liebsten?

    Da muss ich kurz überlegen. Ich glaube, den Duft von Menschen und Tieren, wenn sie glücklich sind.

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