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Kulturelle Vielfalt im Handwerk: Gelebte Integration, starke Teams

Egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund – in einer bunten und offenen Unternehmenskultur fühlen sich alle wohl. Warum? Das erklären die Mitarbeiter von zwei Vorreiter-Betrieben in Sachen Integration: den Gewinnern des diesjährigen #macherimpulse-Awards.

In Zeiten des Fachkräftemangels beschäftigen immer mehr Handwerksbetriebe erfolgreich Menschen mit Migrationshintergrund – eine Bereicherung, die aber auch viel Einsatz und Rücksichtnahme von allen Beteiligten verlangt. Der diesjährige #macherimpulse-Award der IKK classic stand deshalb unter dem Motto „Kulturelle Vielfalt – Chancen nutzen“. Welche Unternehmen meistern die Herausforderungen interkultureller Zusammenarbeit durch herausragenden Einsatz?

Die Gewinner sind zwei Handwerksbetriebe mit echter Machermentalität: Heizungs- und Sanitärfachbetrieb Niepmann GmbH in der Kategorie "Handwerk bis 50 Mitarbeiter" und die Bäckerei Soetebier in der Kategorie "Handwerk ab 50 Mitarbeiter".

Vielfalt als Fundament des Traditionsbetriebs

Neun Sprachen werden bei der Niepmann GmbH gesprochen. Das macht das Installations- und Versorgungsunternehmen zu einem besonderen Ausbildungsbetrieb. Geschäftsführer Christian Klemm eröffnet Flüchtlingen eine berufliche Chance. Denn für ihn „zählt nicht woher man kommt, sondern wo man hinwill.“ Vier von fünf Lehrlingen in der Handwerksfirma haben einen Migrationshintergrund, sechs der insgesamt 13 Mitarbeiter sind islamischer Konfession. Kulturell bedingte Konflikte? Die kommen auf – und werden gelöst. Zum Beispiel gibt es einen separaten Grill für halal Fleisch.

In Sachen Zusammenarbeit sind klare Aussagen wichtig. „Das Vermitteln von Fachwissen ist nur ein Teil der Integration, kommunizieren beide Seite die Erwartungen, können Missverständnisse vermieden werden“, sagt Klemm. Sprachbarrieren lassen sich mit der Verwendung einfacher Wörter überwinden. Außerdem erfreue es die meisten Migranten, wenn der Chef versuche, Wörter in ihrer Sprache zu lernen. Klemm sieht in der kulturellen Vielfalt einen großen Vorteil: „Wir können Termine in verschiedenen Sprachen vereinbaren.“ Auch bei den Auszubildenden kommt die Zusammenarbeit mit Kollegen verschiedener Nationen gut an:

© Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT)

Tarakon Pholyotee, Anlagenmechaniker

„Durch die Arbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern habe ich andere Feiertage und neue leckere Gerichte kennengelernt. Das Beste an meinem Job sind die tollen Kollegen. Ich bin sehr froh, dass mir mein Chef die Möglichkeit gegeben hat, hier zu arbeiten. Viele andere Unternehmen wollten mir keine Chance geben.“

Dennis Velser, Anlagenmechaniker

„Ich habe durch die Zusammenarbeit mit Kollegen verschiedener Nationen neue Bräuche und Traditionen kennengelernt. Dadurch habe ich mehr Verständnis für unterschiedliche Religionen entwickelt. Die Kommunikation mit den Kollegen klappt sehr gut. Sollte einmal etwas nicht auf Anhieb verstanden werden, ist das auch kein Problem. Dann beschreiben wir es genauer.“

Tayfun Gecgel, Anlagenmechaniker

„Schon während meiner Praktikumszeit habe ich mich bei Niepmann wohlgefühlt. Der Chef ist freundlich und das Arbeitsklima sehr kollegial. Ich habe gelernt, dass es beim Umgang mit Menschen nicht auf ihre Nation, sondern auf ihre Persönlichkeit ankommt.“

Muhammad Saber Auriakhil, Anlagenmechaniker

„Meine Kollegen sind toll und wir arbeiten super im Team. Das gefällt mir besonders gut. Außerdem hat mich mein Arbeitgeber bei der Integration in Deutschland sehr gut unterstützt.“

© Soetebier

Meister in Backwerk und Integration

Die Traditionsbäckerei Soetebier aus dem Hamburger Umland beschäftig 210 Mitarbeiter, 18 von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Chef Frank Soetebier gibt in seinem Betrieb bewusst auch Geflüchteten eine Chance, denn er sieht kulturelle Vielfalt als Grundstein für die Zukunft. Sein Erfolgsrezept in Sachen Integration: „Ganz viel Toleranz auf allen Seiten – und die Bereitschaft, auch Aufwände in Kauf zu nehmen.“ Denn von der Hilfe bei Behördengängen und Wohnungssuche bis zu Weiterbildungen benötigen Menschen, die in Deutschland ankommen, eine umfassende Betreuung.

Um Sprachbarrieren zu überbrücken, hat das Unternehmen eine einfache Lösung gefunden. „Nach Feierabend bieten wir kostenlose Deutschkurse an. Kollegen aus Syrien, Ghana, dem Irak und anderen fernen Ländern lernen eifrig und können mittlerweile sogar ‘Roggenmischbrot’ fehlerfrei aussprechen“, sagt Soetebier mit einem Lachen. Seine Angestellten danken es ihm mit Tatkraft und guter Laune. „Wir haben hochmotivierte und fröhliche Mitarbeiter gewonnen. Dadurch hat sich das Arbeitsklima für alle verbessert“, freut sich der Geschäftsführer. Das sehen die Mitarbeiter genauso.

 

Matthias Erhorn, Bäcker

„In unserer Bäckerei gehen wir alle respektvoll miteinander um, deshalb herrscht immer gute Stimmung. Was mir besonders gefällt: Es wird auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Mitarbeiters eingegangen. Durch die Zusammenarbeit mit Menschen aus aller Welt habe ich gelernt, dass wir mit viel Einsatz jedes Problem lösen können.“

Hosseini Khan Aga, Auszubildender

„Anfangs kannte ich mich als Afghane in Deutschland nicht so gut aus, aber meine Kollegen haben mich immer unterstützt. Sogar bei Behördengängen hat mir mein Ausbilder geholfen. Jeden Tag lerne ich etwas Neues und spreche dank dem Sprachkursangebot mittlerweile sehr gut Deutsch. Zum Glück, denn die Unterhaltungen mit meinen Kollegen aus verschiedenen Kulturen machen mir an meinem Job besonders Spaß.“

Abraham Simon Derar, Bäcker

„So viele Religionen und Kulturen kommen hier zusammen und trotzdem sprechen wir eine Sprache. Ich komme aus Eritrea, aber weil alle ausländischen Mitarbeiter den Deutschkurs besuchen, klappt die Kommunikation mit den Kollegen super. Zusammen haben wir viel Spaß bei der Arbeit und ich habe viele neue Blickwinkel kennengelernt.“

Wolf Dieter Böhme, Rentner

„Die Bäckerei Soetebier bietet auch älteren Mitarbeitern altersgerechte Arbeitsplätze mit abwechslungsreichen Aufgaben. Ich hätte nicht erwartet, dass ich in meinem Alter noch so viel dazu lernen würde. Aber in diesem kulturellen Schmelztiegel erfährt man jeden Tag etwas Neues über andere Religionen und Länder.“

Anna von Bergen, Verkäuferin

„Die Firmenphilosophie wird hier wirklich gelebt: traditionelle handwerkliche Herstellung. Hier packt jeder mit an – und das verbindet uns über kulturelle Grenzen hinweg. Was mich besonders fasziniert: Die Sitten und Bräuche anderer Länder, die meine Kollegen mir nähergebracht haben.“

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