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Herausforderung Ruhestand: So regeln Sie die Nachfolge für Ihr Unternehmen

Der Mittelstand bildet das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, beschäftigt über 30 Millionen Menschen in Deutschland – und hat ein großes Problem mit der Unternehmensnachfolge. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist es eine immense Herausforderung, eine neue Führung zu finden, die den Betrieb übernimmt, wenn sie in den Ruhestand gehen. Was also tun?

Die Generation der Babyboomer geht zunehmend in Rente. Wer ein Unternehmen führt, bekommt zusehends Schwierigkeiten, eine geeignete Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden. Denn der Nachwuchs ist rar und die familieninterne Übernahme der Firmenleitung immer weniger selbstverständlich. Das geht so weit, dass gemäß der öffentlichen Förderbank KfW 600.000 Betrieben (16 Prozent aller KMU) die Schließung droht, wenn sich die Chefin oder der Chef in den Ruhestand verabschiedet.

Einer, der sich täglich mit den Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge beschäftigt, ist Rolf Papenfuß. Im Interview erklärt der Referatsleiter für Unternehmensführung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), wie die Übergabe gut gelingen kann und was scheidende Eigentümer dabei beachten sollten.

Rolf Papenfuß, der Referatsleiter für Unternehmensführung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Warum ist das Problem der Unternehmensnachfolge gerade so akut?

Wir beobachten die Tendenz bereits seit Jahren. Jetzt ist allerdings der Punkt erreicht, an dem der Mangel an potenziellen Nachfolgern im Handwerk massiv sichtbar und spürbar wird. Gründe dafür sind zum einen der demografische Wandel, zum anderen aber auch das gesteigerte Interesse junger Menschen an einer akademischen Laufbahn. Hinzu kommt, dass die derzeitigen Unternehmer verstärkt einer Altersgruppe angehören, die jetzt in den Ruhestand geht.

Was bedeutet das für unsere Wirtschaft?

Finden sich keine Nachfolger, müssen Betriebe länger als geplant weitergeführt oder aber geschlossen werden. Letzteres führt nicht nur zu einem Vermögensverlust der Eigentümer mit entsprechenden Folgen für die Altersversorgung, sondern auch zum Wegfall von handwerklichem Know-how und wertvollen Arbeitsplätzen.

Um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern, sind Mittelstand und Handwerk aber zukünftig mehr denn je auf innovative und kreative Unternehmer angewiesen. Unser Land braucht dynamische und entschlossene Menschen mit guten Ideen, um sich als erfolgreicher Wirtschaftsstandort in Zukunft zu behaupten.

Erfolgreiche Betriebsübernahmen schaffen nicht nur oft neue Arbeitsplätze und höhere Steuereinnahmen, sondern verhelfen der Wirtschaft zu einer höheren Dynamik und führen häufig zu neuen innovativen Produkten und Leistungen, die für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft von hoher Bedeutung sind.

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Wann sollten scheidende Firmenchefs optimalerweise mit der Nachfolgersuche anfangen?

Ich rate allen Unternehmerinnen und Unternehmern, das Thema immer im Auge zu behalten. Spätestens aber mit 55 Jahren sollte man sich ganz konkret der Frage stellen, was mit der Firma passiert, wenn man entweder in den Ruhestand geht oder krankheitsbedingt ausfällt. Wer käme als Käufer infrage? Gibt es möglicherweise in der Familie oder im Mitarbeiterkreis geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten?

Warum ist das so wichtig?

Wer sich rechtzeitig darüber Gedanken macht, hat genügend Zeit, die potenziellen Nachfolger auf ihre Rolle vorzubereiten und einen Weg zu finden, den Übernahmepreis zu finanzieren. Es gibt bereits Firmen, die zahlen über mehrere Jahre keine Gehaltserhöhung, sondern legen das Geld zurück, sodass Mitarbeiter und künftige Firmenchefs bei der Übernahme einen Teil des Kaufpreises decken können. Das ist ein gutes und praktikables Modell, das aber nur über einen längeren Zeitraum von fünf bis zehn Jahren greift.

Auf welche Kriterien muss man bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger achten?

Ein zukünftiger Firmenchef sollte gewisse Eigenschaften mitbringen. Zum einen natürlich die fachliche Qualifikation. Man muss sein Handwerk kennen und darin ausgebildet sein. Das ist wichtig, um marktfähige Produkte und Leistungen erstellen zu können, Mitarbeiter fachkundig anzuweisen und mit Geschäftskunden überzeugend verhandeln zu können.

Das fachliche Know-how allein reicht aber nicht. Ein guter Unternehmer oder eine gute Unternehmerin braucht auch eine ausgeprägte soziale Kompetenz. Er oder sie muss in der Lage sein, Mitarbeiter zu führen, Konflikte zu lösen und sie zu kommunizieren. Das mag zunächst banal klingen, ist aber essenziell für den Erfolg eines Unternehmens. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist gutes Verständnis für den kaufmännischen Bereich. Ein geeigneter Kandidat sollte nicht nur Spaß an Zahlen haben, sondern muss die finanziellen Daten auch bewerten können. 

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Welche Alternativen gibt es, wenn Familienmitglieder und Beschäftigte nicht infrage kommen?

Ein Modell kann beispielsweise die Betriebsübernahme durch einen Fremdgeschäftsführer sein. Bei dieser Art der Unternehmensnachfolge wird die Leitung an einen Dritten abgegeben, während der Senior-Unternehmer weiter der Eigentümer bleibt. Andere Möglichkeiten wären die Verpachtung des Betriebes oder eben der Verkauf an einen externen Interessenten.

Wo findet man einen geeigneten externen Nachfolger für sein Unternehmen?

Zum Beispiel auf der Unternehmensbörse "nexxt-change" oder in den regionalen Betriebsdatenbanken der Handwerkskammern. Diese Plattformen bringen jährlich Hunderte von Übergebern mit potenziellen Übernehmern zusammen und bieten zudem auch noch Hilfestellung beim Inserieren an. So prüfen und korrigieren sie etwa die Angebote und schalten nur seriöse Inserate frei. Zwar kennt ein Unternehmer seinen Betrieb am besten, trotzdem können Verkäufer von der Erfahrung und dem Rat der Experten profitieren und noch attraktiver für mögliche Nachfolger werden.

Worauf legen potenzielle Käufer beim Auswahlprozess besonders großen Wert?

Auf einen attraktiven Kundenstamm, moderne Maschinen, eine positive Ertragslage und einen fairen Kaufpreis. Das Unternehmen sollte nicht „runtergewirtschaftet“ sein. Es passiert aber mitunter, dass Inhaber und Inhaberinnen den tatsächlichen Wert ihrer Firma falsch einschätzen. Wenn die Firma zwar viele Aufträge verzeichnet, die Maschinen in näherer Zukunft aber ausgetauscht werden müssen oder viele der guten Mitarbeiter kurz vor dem Ruhestand stehen, dann mindert das die Attraktivität des Unternehmens. Auch darum ist es wichtig, sich möglichst früh mit der Nachfolge zu beschäftigen und die Mängel vor dem Verkauf zu beheben oder eine Vorstellung davon zu bekommen, welchen Preis man verlangen kann. 

Der Verkäufer sollte sein Lebenswerk natürlich nicht unter Wert verkaufen. Der Käufer darf aber auch nicht mehr zahlen, als die Ertragskraft widerspiegelt. Mit Hilfe eines bundesweit standardisierten AWH-Bewertungsverfahrens lässt sich der realistische und faire Wert für Handwerksunternehmen mit Hilfe der Beratungsstellen bei den Handwerksorganisationen sehr gut errechnen.

Zwei Frauen auf Arbeit sprechen an verschiedenen Listen und Plänen. © IKK Classic

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Was müssen Unternehmer tun, damit die Übergabe möglichst glatt über die Bühne geht?

Jeder Unternehmer tut gut daran, sich professionelle Hilfe zu holen. Die Betriebsübergabe ist ein sehr komplizierter Prozess mit vielen Stolpersteinen. So können sich etwa Bau- und Umweltvorschriften oder Betriebsgenehmigungen ändern, wenn der Inhaber wechselt. Es gibt aber nicht nur bürokratische und steuerliche Hürden zu meistern, sondern auch psychologische. Etwa dann, wenn der Käufer von Kunden und Mitarbeitern nicht so akzeptiert wird wie der scheidende Chef. Mit vielen dieser Themen müssen sich die Unternehmer nur einmal im Leben beschäftigen. Fachkundige Hilfe von Experten ist darum unerlässlich.

Wo kann man sich als scheidender Firmenchef Rat holen?

Zum Beispiel bei den Betriebsberatern der Handwerkskammern. Der Service ist kostenfrei, da er sich über die Mitgliederbeiträge und teilweise auch über öffentliche Fördergelder finanziert.

Wie müssen Verträge gestaltet sein, damit der Wert des Unternehmens erhalten bleibt?

Das kann man pauschal nicht sagen. Es ist kaum möglich, den Unternehmenserhalt in Verträgen festzuhalten und zu garantieren. Worauf man aber eingehen kann, sind die strukturellen Herausforderungen vor Ort. Gerade im Handwerk kommt es öfter vor, dass privates und gewerbliches Eigentum stark miteinander verwoben ist.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Alt-Inhaber seinen Betrieb zwar verkaufen, aber gleichzeitig auf dem Grundstück wohnen bleiben möchte. Um Konflikten schon im Vorfeld vorzubeugen, sollte der Umgang mit solchen Besonderheiten ganz klar in den Verträgen festgehalten werden.

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