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So gesund ist Spazieren Gehen für Körper und Geist

Das Thema beschäftigt sogar die Wissenschaft: Bertram Weisshaar ist Spaziergangsforscher und weiß, wie gesund regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ist – besonders im Herbst. Im Interview verrät der Leipziger Experte, wie man Wanderungen einfach in seinen Alltag integrieren kann und warum selbst Gewerbegebiete ihren Reiz haben.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, 10.000 Schritte pro Tag zurückzulegen. Mit einem ausgiebigen Spaziergang lässt sich das Pensum am einfachsten bewältigen. Spazieren ist gesund: Es stärkt den Kreislauf und das Immunsystem, reduziert die Gefahr von Übergewicht, trägt zur Entspannung bei und sorgt für gute Laune. Diverse Studien belegen die körperlichen und mentalen Vorteile dieser sanften Art der sportlichen Betätigung.

Mit dem Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar sprachen wir über die Faszination des Spazierengehens und warum es Körper und Seele guttut.

Wie wird man eigentlich Spaziergangsforscher, Herr Weisshaar?

Ich habe ursprünglich Landschaftsplanung in Kassel studiert. Dort gab es ein Seminar Spaziergangswissenschaft, das habe ich besucht und das wurde eine wichtige Inspiration für meine Arbeit. Die Spaziergangswissenschaft kommt aus der Stadt- und Landschaftsplanung und ist letztlich eine soziologische Methode. Es geht darum, die Stadt oder die Landschaft, mit der man sich beschäftigt, aus der Perspektive der Fußgänger und aus der Bewegung heraus zu erkunden.

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Was fasziniert Sie an dem Thema Spazierengehen: Was hat Sie bewogen, sich damit so ausführlich zu beschäftigen?

Zunächst einmal ist Spaziergehen sehr einfach – man braucht keine Ausrüstung, kein Fahrzeug oder sonstiges. Dadurch ist das Spazierengehen sehr demokratisch. Man ist zudem mit allen Sinnen in der Welt und man ist mit seiner eigenen Geschwindigkeit unterwegs. Und mit Gehen ist man am dichtesten an der Welt.

Welche positiven Auswirkungen hat das Spazierengehen auf Körper und Geist?

Man hat sofort sinnliche Anregungen. Der Spaziergang wird auch in der Psychiatrie als Therapieform angewendet. Es ist untersucht, dass es positiv auf unser Gemüt wirkt. Es ist auch eine Form der Erholung – gerade im Frühjahr zu Zeiten von Corona wurde beobachtet, dass die Menschen wieder mehr spazieren gegangen sind. Es löst sich zwar kein Problem von allein während des Spaziergangs, aber die Schwere verflüchtigt sich ein wenig.

Hinzu kommt, dass man ja während eines Spaziergangs keine Arbeit erledigen kann. Im Moment des Losgehens habe ich mich unbewusst auch entschieden, dass mich alle Probleme dieser Welt für eine gewisse Zeit nicht erreichen können – darin liegt versteckt die positive Wirkung des Spaziergangs.

So gesund ist das Spazierengehen

  • Kreislauf wird gestärkt: Durch die Bewegung beim Spaziergehen bleibt der Kreislauf in Schwung und das Immunsystem wird gestärkt. Außerdem werden die Blutgefäße geweitet und das Herz trainiert. Somit beugen Sie auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

  • Hält das Gehirn auf Trab: Da Spazieren im Freien stattfindet, wird der Sauerstoffaustausch in den Zellen selbst angeregt. Davon profitiert auch die Denkleistung. Das Gehirn wird beim Spazieren mit mehr Sauerstoff versorgt und ist somit leistungsfähiger.

  • Gelenkschonend: Durch die sanfte Bewegung ist Spaziergehen anders als zum Beispiel Joggen auch für Personen mit Arthrose oder anderen Gelenkerkrankungen eine gute Möglichkeit, um aktiv zu bleiben. Insbesondere Waldwege oder Wiesen bieten einen besonders weichen Untergrund – das schont auch die Hüfte. Mehr zum Thema Sport bei Hüftschmerzen gibt es hier.

  • Sorgt für Entspannung: Dicke Luft zuhause? Stress auf der Arbeit? Gerade dann kann ein Spaziergang für etwas Ablenkung und Entspannung sorgen. Es entspannt die Muskeln und Nerven und Sie kommen auf andere Gedanken. Die vermeintlich großen Probleme erscheinen dann oft nicht mehr so bedrohlich wie noch kurz zuvor.

  • Hebt die Stimmung: Die entspannende Wirkung sorgt auch dafür, dass die Laune während und nach einem Spaziergang deutlich steigt. An der frischen Luft und bei sonnigem Wetter lässt sich außerdem wunderbar Vitamin D tanken, auch das sorgt oft für eine positive Grundstimmung.

Wie kann man Spaziergänge einfach in den Arbeitsalltag integrieren?

Hier kann ich zwei Tipps geben: Mit Hilfe von Apps die täglich gegangenen Schritte zu zählen, ist durchaus motivierend. Man kann sich mit ihrer Unterstützung zum Beispiel vornehmen, in einem Zeitraum von zwei oder drei Monaten täglich 10.000 Schritte zurückzulegen. Dann wird man schnell merken, dass man den Alltag etwas umbauen muss, aber auch, dass es Spaß und glücklich macht.

Zum anderen ist es empfehlenswert, wenn man auf dem Weg zur Arbeit das Auto 300 Meter vor dem Ziel parkt oder, wenn man mit der Bahn unterwegs ist, zwei Haltestellen früher aussteigt und die letzten Meter zu Fuß geht. So sammelt man Schritte ohne großen Zeitaufwand.

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Was macht den besonderen Reiz eines Herbstspaziergangs aus?

Jede Jahreszeit hat ihre spezifischen Reize. Im Herbst wird die Welt bunter, das Laub verfärbt sich, frühmorgens herrscht oft Nebel. Damit verbunden ist eine ganz besondere Lichtstimmung, was man zu einer anderen Jahreszeit – zum Beispiel im Hochsommer – so nicht hat.

Was sind für Sie die besten Orte für einen Spaziergang?

Es ist wichtig, die Neugierde zu weiten und nicht nur und ausschließlich schöne Orte als sehenswürdig zu denken und zu sehen. Spannend ist der repräsentative Querschnitts-Spaziergang. Dazu gehört dann eben auch, durch das Gewerbegebiet oder am Stadtrand zu spazieren. Auch da wird man etwas entdecken, was es wert war, dort gewesen zu sein.

Hier in Leipzig war ich zum Beispiel mal beim Messegelände nahe der Autobahn. Da würde man erstmal denken, dass da nichts Besonderes zu finden ist. Aber dann waren dort ganz viele Rollerblade-Fahrer unterwegs – das war mir vorher so nicht bekannt. Unbekannte Orte aufzusuchen vervollständigt das Wissen über die eigene Stadt. Natürlich soll man auch in schönen Parks oder Promenaden spazieren gehen, aber eben nicht ausschließlich, finde ich. Zudem haben weniger schöne Orte, den Vorteil, dass sie nicht so stark frequentiert sind.

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In Gesellschaft oder allein, wie gehen sie am liebsten spazieren?

Ich schätze beides. Wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich ganz meiner Neugierde folgen. Wenn ich mit einer Gruppe unterwegs bin, ist das dann nicht so möglich. Dafür hat man vielleicht anregende Gespräche oder man tauscht sich darüber aus, was man gerade so beobachtet. Wenn das gelingt, ist das auch ein Gewinn.

Spazieren gehen ist in der Corona-Zeit sehr beliebt geworden. Glauben Sie, dass dieser Trend anhalten wird?

Ich denke, dass in diesem Jahr viele Menschen das Spazierengehen wiederentdeckt haben. Sie haben gemerkt: Es ist einfach und ein Genuss. Das wird in Erinnerung bleiben, denke ich. Positiv ist auch, dass in der Stadtplanung viel deutlicher geworden ist, wie wichtig gute und breite Gehwege und ausreichend große Grünanlagen sind.

 

Herr Weisshaar, vielen Dank für das Gespräch.

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Infos zur Person:

Bertram Weisshaar, Jahrgang 1962, hat Landschaftsplanung studiert und arbeitet seit den Neunzigerjahren freiberuflich als Spaziergangsforscher und Fotograf in Leipzig. Er gestaltet Spaziergänge und auch mehrtägige geführte Wanderungen ­– etwa mit der „Akademie Landpartie“. Sein Buch „Einfach losgehen. Vom Spazieren, Streunen, Wandern und vom Denkengehen“ erschien 2018 im Eichborn-Verlag.

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