Eisenmangel beginnt oft schleichend. Viele Beschwerden sind unspezifisch und werden im Alltag leicht mit Stress, Schlafmangel oder einer hohen Belastung verwechselt. Betroffene fühlen sich ungewöhnlich müde, erschöpft oder weniger belastbar als sonst. Auch Blässe kann ein Hinweis sein, wenn Haut und Schleimhäute heller wirken. Hinzu kommen häufig Konzentrationsprobleme: Arbeiten, Lernen oder Lesen fällt schwerer, die Aufmerksamkeit lässt schneller nach.
Eine Eisenmangelanämie macht sich typischerweise durch Müdigkeit, Abgeschlagenheit und einen deutlichen Leistungsabfall bemerkbar. „Allerdings kann ein Eisenmangel auch schon Beschwerden verursachen, bevor eine Anämie im Blutbild sichtbar wird. Denn Eisen wird durch seine Redoxfähigkeit für nahezu alle Stoffwechselvorgänge benötigt, etwa für Enzyme und die Bildung von Neurotransmittern", so die Expertin. Redoxfähigkeit bedeutet, dass ein Stoff Elektronen aufnehmen und wieder abgeben kann, also zwischen verschiedenen Oxidationszuständen wechseln kann. Eisen ist deshalb wichtig, weil es so viele Stoffwechselreaktionen ermöglicht.
"Auch Menschen mit einem reinen Speichereisenmangel können deshalb Müdigkeit, Erschöpfung oder Fatigue verspüren. Hinzu kommt: Eisen ist Bestandteil des Myoglobins, also jenes Sauerstoffträgers, der die Muskulatur versorgt. Auch deshalb kann ein Mangel die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen“, führt die Expertin aus.
Manche Menschen bemerken zudem Schwindel oder Kopfschmerzen, besonders bei körperlicher Belastung oder beim schnellen Aufstehen. Auch Kurzatmigkeit kann auftreten – etwa wenn Treppensteigen oder Sport plötzlich deutlich anstrengender werden. Bei Belastung kann sich außerdem Herzklopfen bemerkbar machen, weil das Herz spürbarer arbeitet. Nicht jedes dieser Symptome bedeutet automatisch Eisenmangel. Treten Beschwerden jedoch neu auf, halten länger an oder kommen mehrere Anzeichen zusammen, ist ein Bluttest sinnvoll.
„Symptome, die auf einen Eisenmangel hindeuten sind außerdem brüchige Nägel, eine sogenannte Lackzunge, also eine auffallend glatte, glänzende, gerötete Zunge, eingerissene Mundwinkel oder – insbesondere bei Kindern – ungewöhnliche Essensgelüste. Darüber hinaus kennt man Zusammenhänge zwischen chronischem Eisenmangel und ADHS, neurokognitiven Störungen oder Entwicklungsstörungen. Abgeklärt werden sollten insbesondere Blut im Stuhl und verlängerte oder sehr starke Monatsblutungen“, so Prof. Metzgeroth.
Besonders aufmerksam sollten auch Menschen sein, die sich vegan oder sehr einseitig ernähren, viel Ausdauersport treiben oder an Magen-Darm-Erkrankungen leiden. „Auch bei Kindern und älteren Menschen wird Eisenmangel oft nicht sofort erkannt: Bei Kindern kann er sich etwa durch Verhaltensauffälligkeiten oder Wachstumsstörungen zeigen“, stellt die Expertin fest.