Wenn man umgangssprachlich von einer Lebensmittelvergiftung spricht, handelt es sich in den allermeisten Fällen tatsächlich um eine Lebensmittelinfektion. Auch wenn die beiden Begriffe meist synonym verwendet werden, gibt es einen feinen medizinischen Unterschied.
„Zu einer Lebensmittelvergiftung kann es kommen, wenn man ein Lebensmittel zu sich nimmt, in dem bereits Giftstoffe – wir sagen Toxine – vorhanden sind. Diese Toxine können zum Beispiel von Bakterien oder Schimmelpilzen stammen. Vergiftungen können auch durch Toxine verursacht werden, die natürlicherweise in Pflanzen oder Pilzen stecken und die beim Verzehr aufgenommen werden“, erklärt Dr. Petra Hiller vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.
Von einer Lebensmittelinfektion spricht man hingegen, wenn Lebensmittel mit vermehrungsfähigen, krankmachenden Keimen verunreinigt sind. „Bei einer Infektion werden die Erreger in den Körper aufgenommen und es kommt hier zu einer Vermehrung dieser Erreger, die mit Krankheitssymptomen verbunden ist“, so die Expertin.
Lebensmittelbedingte Erkrankungen entstehen, wenn Krankheitserreger oder deren Giftstoffe über Nahrung oder Getränke in den Körper gelangen. Zu den häufigen Auslösern zählen Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter, bestimmte E.-coli-Stämme, Listerien oder Staphylokokken. Auch Viren wie Noro- oder Rotaviren sowie Parasiten können über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen werden.
Besonders empfindlich sind rohe tierische Lebensmittel wie Geflügel, Hackfleisch, Rohmilchprodukte, Eier, Fisch und Meeresfrüchte. Auch Salate, Obst, Desserts, Reis- und Nudelgerichte oder Speisen vom Buffet können problematisch werden, wenn sie zu warm gelagert, nicht ausreichend gekühlt oder mit rohen Lebensmitteln verunreinigt wurden. Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Wurstwaren, Eier, Milch und Fisch bieten Krankheitserregern häufig besonders gute Wachstumsbedingungen.
„Weniger bekannt ist, dass auch auf pflanzlichen Lebensmitteln, vor allem wenn sie erdnah wachsen, krankmachende Bakterien vorkommen können. Diese Erreger können beim Anbau, Transport und der Verarbeitung, aber auch in der Küche, auf die Lebensmittel gelangen. So können zum Beispiel auch auf Blattsalaten, Tiefkühl-Gemüse oder Tiefkühl-Beeren entsprechende Erreger vorhanden sein“, erklärt die Expertin.
Ein häufiger Risikofaktor ist Kreuzkontamination: Rohes Geflügel wird auf einem Brett geschnitten, anschließend landet darauf der fertige Salat. Auch ungewaschene Hände, schmutzige Messer oder zu langes Warmhalten von Speisen erhöhen das Risiko. Im Sommer vermehren sich Keime besonders schnell, weil Wärme ihr Wachstum begünstigt.