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Putzmittel selber machen: Frühjahrs­putz mit Reinigungs­mitteln ohne Chemie

Zum Frühlingsanfang schreiben sich viele Haushalte die Grundreinigung der eigenen vier Wände auf die To-do-Liste. Doch beim Putzen kommen oft aggressive Mittel zum Einsatz. Diese können die Atemwege schädigen, zu Hautausschlägen führen und Allergien verursachen. Welche Alternativen gibt es? Wie lassen sich Reinigungsmittel für den Frühjahrsputz selbst herstellen?

Schluss mit dreckigen Fensterscheiben und verstaubten Lampen: Zum Frühjahrsstart machen Mikrofasertücher und Staubwedel kurzen Prozess mit Schlieren und Co. Schließlich trägt Sauberkeit zur Steigerung unseres Wohlbefindens bei – und sagt unerwünschten Mitbewohnern wie Keimen, Pilzen und Hausstaubmilben den Kampf an. Das schützt uns auch vor Infektionen und Allergien.

Putzen kann krank machen

Aber: Putzen kann auch krank machen. Eine 2018 veröffentlichte Studie der Universität Bergen zeigt: Die regelmäßige Verwendung von Putzsprays kann die Lungenfunktion ähnlich beeinträchtigen wie Rauchen. "Menschen, die 20 Jahre lang als Reinigungskräfte gearbeitet haben, zeigten eine reduzierte Lungenfunktion, die dem Rauchen von 20 Zigaretten pro Tag im gleichen Zeitraum entspricht", wird Hauptautor der Studie Ostein Svanes auf der Internetseite der norwegischen Universität zitiert.

Den Ergebnissen zufolge haben Reinigungskräfte ein 40 Prozent höheres Risiko, an Asthma zu erkranken als andere Menschen. Professorin Cecilie Svanes, die die Studie betreut hat, betont: Das Hauptproblem seien die Putzsprays. "Die kleinen Partikel aus den Sprays können tief in die Lunge eindringen und Infektionen und eine Alterung der Lunge verursachen", erklärt die Professorin. Sie empfehle mit Wasser und Seife zu putzen – das reiche in den meisten Fällen aus.

Junge mit Asthma nutzt einen Inhalator © Stocksy

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Interview mit Reinigungs-Expertin Natalie Koch

Wer nicht komplett auf Putzmittel verzichten möchte, kann auf ökologische statt chemische Reiniger zurückgreifen. Aber wie effektiv sind die Öko-Alternativen? Und wie geht man beim Frühjahrsputz richtig vor? Wir holen uns Tipps vom Profi: Die Gebäudereinigungsfirma "KOCH green & clean" setzt auf nachhaltige und gesundheitsschonende Mittel. Wir haben uns mit Geschäftsführerin Natalie Koch unterhalten.

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Natalie Koch, Geschäftsführerin von KOCH green & clean
  • Frau Koch, Sie reinigen gemäß des Vier-Farb-Systems. Welche Vorteile bietet dieses System?

    Die Kennzeichnung von hygienesensiblen Reinigungsbereichen ermöglicht eine verbesserte Übersicht und Hygiene. Heutzutage sollte es Standard sein, Reinigungsutensilien entsprechend ihrem Einsatzbereich farblich getrennt einzusetzen. Dadurch lässt sich verhindern, dass beispielsweise dasselbe Tuch, das bereits im Sanitärbereich genutzt wurde, ebenfalls für die Schreibtischreinigung im Büro angewandt wird. Um eine hygienisch einwandfreie Reinigung zu erzielen, sollten Reinigungsutensilien nicht mehrfach in die Reinigungslösung eingetaucht werden. Damit wird verhindert, dass Keime auf Oberflächen kommen, die damit gereinigt werden.

  • Wie funktioniert das Vier-Farb-System genau?

    Die bestmögliche Hygiene wird erreicht, wenn eine Kreuzkontamination verhindert wird. Deswegen sollten möglichst alle Utensilien ihren Nutzungsbereichen zugeordnet werden. Gängigerweise wird das 4-Farb-System heutzutage folgendermaßen aufgeteilt:

    Rot für Sanitärbereich mit WC, Urinal und Wandfliesen im "Spritzbereich".
    Gelb für Waschbecken, Spiegel, Ablagen, Badewannen, Duschkabinen oder Fliesen.
    Blau für Tische, Regale, Türen, Schreibtische, Heizkörper, Schränke und andere Möbel.
    Grün für hygienisch sensible Bereiche wie zum Beispiel einen Operationssaal oder Küchen.

  • Woran erkennt man ökologische Reinigungsmittel?

    Ökologische und unbedenkliche Mittel erkennt man unter anderem daran, dass sie kennzeichnungsfrei sind. Auf chemischen Putzmitteln findet man dagegen unterschiedliche Warnsymbole, die auf Gefahren hinweisen. Sie zeigen zum Beispiel, dass Reiniger zu Hautreizungen führen können, eine krebserzeugende Wirkung haben oder entflammbar, ätzend oder für die Umwelt gefährlich sind.

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Umweltzeichen auf Reinigungsmitteln

Eine weitere Orientierung in Sachen Bio- und Öko-Reinigungsmittel bieten verschiedene Siegel, die den Mitteln Umweltfreundlichkeit bescheinigen. Zu den bekanntesten und obendrein vertrauenswürdigen Auszeichnungen in Deutschland gehören der Blaue Engel und das Europäische Umweltzeichen.

Der Blaue Engel

Der Blaue Engel als Umweltzeichen der deutschen Bundesregierung legt strenge Maßstäbe für umwelt- und gesundheitsverträgliche Produkte fest. Dadurch sollen weniger Chemikalien und gefährliche Stoffe in die Umwelt gelangen. Außerdem steht der Blaue Engel für den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe und das Minimieren von Verpackungsmüll. Die fachlichen Kriterien dafür erarbeitet das Umweltbundesamt.

Logo Umweltzeichen Blauer Engel © PR

EU Ecolabel

Das Europäische Umweltzeichen, auch Euroblume oder EU Ecolabel genannt, kennzeichnet umweltverträgliche Verbaucherprodukte auf europäischer Ebene. Es wurde von der Europäischen Kommission im Jahr 1992 eingeführt, die Umsetzung liegt bei nationalen Instituten. Neben den EU-Staaten wird es auch von Norwegen, Liechtenstein und Island anerkannt. Das Gütesiegel wird in Deutschland vom Deutschen Institut für Gütersicherung und Kennzeichnung (RAL) und dem Umweltbundesamt vergeben. Es zeichnet nicht nur Produkte aus, die nachhaltig hergestellt, verwendet und entsorgt werden, sondern auch innovative Ideen für mehr Nachhaltigkeit.

Logo EU Ecolabel © PR
  • Frau Koch, haben ökologische Reinigungsmittel eine ebenso gute Wirkung wie chemische Mittel?

    Chemische Reinigungsmittel enthalten zum Beispiel Tenside zur Verbesserung der Netzfähigkeit, Säuren, wie etwa saure Salze zum Entfernen von Rost, Kalk und Urinstein, Alkalien zum Entfernen von eiweißhaltigen Verschmutzungen, Lösemittel, Komplexbilder als Enthärter für das Wasser und Abrasivstoffe – das sind feine Schleifkörper, die den Reinigungsvorgang mechanisch unterstützen. Diese Inhaltsstoffe machen chemische Reinigungsmittel augenscheinlich wirksamer durch ihre Aggressivität gegenüber Verschmutzungen.

    Das wichtigste Merkmal von ökologischen Reinigungsmitteln ist der Verzicht auf eben diese aggressiven Chemikalien. Sie arbeiten weitgehend mit unbedenklichen Inhaltsstoffen, sind biologisch abbaubar und arbeiten mit natürlichen Mikroorganismen und/oder Enzymen, die in vielen Bereichen gegenüber den herkömmlichen, chemischen Reinigungsprodukten in Wirkung und Effektivität weit überlegen sind. So können diese Mikroorganismen beispielsweise auf Verschmutzungen durch Urin, Fette und Öle reagieren. Die Mikroorganismen produzieren bedarfsgerecht genau jene Enzyme, die für die "Verdauung" und letztlich Beseitigung der jeweiligen Verunreinigung notwendig sind.

  • Wie ist das richtige Mischverhältnis von Putzmittel und Wasser?

    Das Mischverhältnis von Reinigungsmitteln ist davon abhängig welche Konzentration gefordert ist. Für den häuslichen Gebrauch sollte ein Mischverhältnis von 1:5 angemessen sein. So berechnen Sie die Mengen an Reinigungsmittel und Wasser, wenn Sie das Reinigungsmittel im Verhältnis 1:5 mischen wollen: Für 3L gebrauchsfertige Lösung mischen Sie beispielsweise 500 ml Konzentrat und 2.500 ml Wasser.

    Besonders wichtig ist, dass sowohl beim Einsatz von chemischen als auch ökologischen Mitteln kaltes oder maximal lauwarmes Wasser verwendet wird. Das hat verhindert drei Problematiken: 1. Giftige Dämpfe werden verhindert. 2. Energie wird gespart – und damit die Umwelt geschont. 3. Bessere Ergebnisse werden erzielt. Denn: Wärme wirkt sich häufig negativ auf das Putzergebnis aus. Dabei kann es zu hässlichen Schmutzstreifen kommen. Ausnahmen bilden das Abwaschen und Reinigen mit Öl- und Fettlösern.

     

Welches Putzequipment benötigt man für den Hausputz?

Ein gut ausgestatteter Haushalt sollte laut Natalie Koch folgendes Equipment zu Hause haben:

  • Mikrofasertücher (farblich nach 4-Farb-System getrennt)

  • Mikrofaserbezüge zum Boden- und Staubwischen

  • Radierschwämme (z.B. für Gummispuren auf dem Fußboden)

  • Vier 1-Liter-Eimer (farblich nach 4-Farb-System getrennt)

  • Ledertuch für die Fensterreinigung

  • Padschwämme (gibt es mit unterschiedlich groben Scheuerflächen für verschiedene Bereiche):
    - weiche Scheuerflächen (häufig hellblaue Unterseite) für Sanitärbereiche
    - mittelgrobe Scheuerfläche (häufig grüne Unterseite) für den Abwasch und Fleckenentfernung
    - sehr grobe Scheuerfläche (häufig schwarze Unterseite) für starke Verschmutzungen, angebranntes oder Verkrustungen
    - weiches Vlies ohne Schleifmittel (häufig weiße Unterseite) zur kratzfreien Reinigung aller Oberflächen wie z.B. Chrom.

     

Alleskönner statt Spezialreiniger-Arsenal

Platzt Ihr Putzkämmerchen auch aus allen Nähten, da sich darin lauter Mittel für unterschiedlichste Einsatzgebiete häufen? Spezialreiniger kommen meist als Chemiekeulen in Sprayflaschen daher – dabei wirken einfache Haushaltsprodukte oft genauso gut. Ein Tipp von Leserin Martina B. aus Bielefeld: Spülmittel ohne Balsam lässt Fenster genauso glänzen wie jeder Glasreiniger mit "Extra-Streifenfrei-Formel". Dachfenster reinigen sich damit sogar wie von selbst – einfach bei Regen einige Topfen auftragen. Mit Spüli lassen sich sogar Verstopfungen im WC lösen: einfach eine Tasse hineinkippen, 10 Minuten warten und mit heißem Wasser nachspülen.

Wer das stille Örtchen von hartnäckigem Urinstein befreien möchte, kann dafür auf Waschpulver zurückgreifen. Richtig gelesen: Einfach etwas Pulver auf den Stellen verreiben, über Nacht einwirken lassen und nachbürsten. Auch Küchenspülen erhalten so neue Strahlkraft.

Und wer seine Teppiche und Sitzmöbel damit reinigt, braucht keine teuren Polsterreiniger und Geruchserfrischer mehr: Einfach die Flecken befeuchten, Waschpulver aufstreuen und einreiben, eine Stunde warten und die Reste absaugen.

Die Fliesenfugen sind schon lange nicht mehr weiß? Zahnpasta auf eine alte Zahnbüste geben und leicht Schrubben – schon bekommen sie ihre Ursprungsfarbe zurück. Auch weiße Schuhsohlen lassen sich mit Zahnpasta aufhellen: Einfach mit einer alten Bürste aufschäumen und einem feuchten Tuch nachwischen. Das gleiche funktioniert auch beim Bügeleisen.

Wer sein Putzmittel-Arsenal reduziert, schon nicht nur seinen Geldbeutel. Auch die Umwelt profitiert, wenn Sie dabei auf ökologische Produkte setzen – oder die Mittel selber machen.

Putzmittel selber machen – so geht's

Eine andere Möglichkeit, um Chemie beim Putzen zu umgehen: Putzmittel selber herstellen. Das geht ganz einfach – und Sie wissen genau, welche Inhaltsstoffe sich in Ihren Reinigungsmitteln befinden. Das Beste: Die meisten Zutaten dafür haben Sie wahrscheinlich bereits zu Hause.

Rezept 1: Allzweck-Reiniger für Böden und Arbeitsflächen

Dafür brauchen Sie:
5 TL geriebene Kernseife
2 Tassen lauwarmes Wasser
1 TL Natron
2 EL Essig

Und so geht's:
1. Kernseife und Wasser in einem Topf unter Rühren erhitzen, bis sich die Kernseife verflüssigt hat.
2. Seifenwasser abkühlen lassen. Anschließend die restlichen Zutaten hinzugeben und kräftig umrühren.
3. Flüssigkeit abkühlen lassen und in ein geeignetes Gefäß füllen, z.B. Flasche mit Schraubverschluss.

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Rezept 2: Badreiniger

Dafür brauchen Sie:
2 Tassen lauwarmes Wasser
50 g Zitronensäure (Pulver)
Ggfs. 10 Tropfen ätherisches Öl der eigenen Wahl

Und so geht's:
1. Erst Wasser in eine Sprühflasche geben. Anschließend Zitronensäure hinzugeben.
2. Flasche gut verschließen und kräftig schütteln.
3. Für gewünschten Duft ätherisches Öl hinzugeben.

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Rezept 3: Glasreiniger

Dafür brauchen Sie:
0,75 Liter Wasser
1/2 Tasse Essig
2 Teelöffel Maisstärke

Und so geht's:
1. Alle Zutaten in eine Sprühflasche geben.
2. Flasche gut verschrauben und kräftig schütteln, bis sich die Maisstärke aufgelöst hat.

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Rezept 4: Haushaltssoda für hartnäckigen Schmutz

Dafür brauchen Sie:
1 EL Waschsoda
1 Liter Wasser

Und so geht's:
1. Soda und Wasser in einem Topf kurz aufkochen.
2. Mit Hilfe einer Sprühflasche am besten lauwarm auf die zu reinigende Stelle geben und einwirken lassen.
3. Mit Mikrofasertuch abwischen.

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