Schuppenflechte: Psoriasis-Schübe behandeln und Trigger gezielt vermeiden

Gerötete Haut, silbrig-weiße Schuppen und quälender Juckreiz: Schuppenflechte kann den Alltag erheblich belasten. Die chronisch-entzündliche Erkrankung verläuft meist in Schüben und betrifft nicht immer nur die Haut. Mit einer passenden Behandlung, konsequenter Pflege und dem bewussten Umgang mit persönlichen Auslösern lassen sich die Beschwerden jedoch häufig gut kontrollieren.

Schuppenflechte und Psoriasis: Symptome und Verlauf verstehen

Schuppenflechte und Psoriasis sind zwei Bezeichnungen für dieselbe Erkrankung. Sie entsteht durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems: Entzündungsprozesse beschleunigen die Erneuerung der obersten Hautschicht stark. Dadurch sammeln sich unreife Hautzellen an der Oberfläche und bilden die typischen Schuppen.

Die häufigste Form ist die Plaque-Psoriasis. Dabei entstehen scharf begrenzte, gerötete und erhabene Hautstellen, sogenannte Plaques. Sie sind meist von silbrig-weißen Schuppen bedeckt und können jucken, brennen oder spannen. Besonders häufig betroffen sind Ellenbogen, Knie, Kreuzbeinregion und Kopfhaut. Auch Bauchnabel, Hautfalten, Genitalbereich und Nägel können Veränderungen zeigen. An den Nägeln treten beispielsweise kleine Grübchen, gelblich-bräunliche Verfärbungen oder Ablösungen vom Nagelbett auf.

Die Psoriasis verläuft individuell. Auf beschwerdearme oder beschwerdefreie Zeiten können plötzlich neue Schübe folgen. Wie stark die sichtbare Hautfläche betroffen ist, sagt dabei nicht immer etwas über die Belastung aus: Veränderungen an Gesicht, Händen, Füßen, Kopfhaut oder im Intimbereich können die Lebensqualität auch bei kleiner Fläche deutlich einschränken.

Schuppenflechte ist keine reine Hautkrankheit, sondern eine entzündliche Systemerkrankung. Bei einem Teil der Betroffenen entzünden sich zusätzlich Gelenke, Sehnen oder Sehnenansätze. Auch Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten bei Menschen mit Psoriasis häufiger auf. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind deshalb sinnvoll.

Psoriasis-Schub behandeln: Was bei roten, schuppigen Hautstellen hilft

Welche Therapie geeignet ist, hängt von Form, Ausprägung, betroffenen Körperstellen und möglichen Begleiterkrankungen ab. Bei leichter Psoriasis reichen häufig äußerlich angewendete Medikamente. Zum Einsatz kommen vor allem kortisonhaltige Präparate und Vitamin-D3-Analoga, einzeln oder kombiniert. Sie bremsen die Entzündung und die übermäßige Bildung neuer Hautzellen.

Kortisonpräparate sollten nur in der ärztlich empfohlenen Stärke, Menge und Dauer angewendet werden. Empfindliche Bereiche wie Gesicht, Hautfalten und Genitalregion benötigen eine andere Behandlung als dickere Plaques an Ellenbogen oder Knien. Ein plötzliches Absetzen nach längerer Anwendung kann die Beschwerden verstärken. Der Therapieplan sollte daher genau befolgt werden.

Schuppenlösende Mittel mit Harnstoff oder Salicylsäure können feste Schuppen aufweichen und die Wirkung anderer Präparate verbessern. Salicylsäure ist jedoch nicht für alle Menschen und Körperstellen geeignet. Bei Kindern, in der Schwangerschaft oder bei einer großflächigen Anwendung ist besondere Vorsicht erforderlich.

Reicht die äußerliche Therapie nicht aus, kann eine ärztlich kontrollierte UV-Lichttherapie helfen, Entzündungen zu hemmen und die übermäßige Zellteilung zu verlangsamen. Hinweise zur Durchführung und Sicherheit enthält die Leitlinie zur UV-Therapie und Photochemotherapie. Vom eigenständigen ausgiebigen Sonnenbaden oder Solariumbesuchen ist dagegen abzuraten: Sonnenbrände können neue Psoriasis-Herde auslösen und erhöhen das Hautkrebsrisiko.

Als ergänzende Behandlung kommt außerdem eine Kombination aus Bädern und medizinischer UV-Bestrahlung infrage. „Eine seit Langem eingesetzte ergänzende Behandlung der Psoriasis ist die Balneophototherapie, also die Kombination von Salzwasserbädern mit UV-Licht“, erklärt Prof. Dr. med. Professor Alexander Nast, Leitender Oberarzt an der Charité Berlin und Leiter der Hochschulambulanz Dermatologie. Bekannt sei insbesondere die Behandlung am Toten Meer, wo salzhaltiges Wasser und natürliche UV-Strahlung zusammenwirkten. Unter kontrollierten Bedingungen lasse sich dieses Prinzip mit Salzbädern und medizinischer UV-Bestrahlung anwenden. 

Eine besondere Form der Balneotherapie findet sich in der Blue Lagoon in Island. „Das dortige geothermale, mineralreiche Wasser wird seit Jahrzehnten auch bei Psoriasis eingesetzt. Klinische Studien konnten zeigen, dass die Kombination aus Bädern in diesem Wasser und einer UVB-Lichttherapie wirksamer sein kann als eine alleinige UVB-Behandlung. Auch für das Baden allein wurden positive Effekte beschrieben“, so Professor Nast. Solche Anwendungen sollten ärztlich abgestimmt werden und ersetzen keine notwendige medizinische Behandlung.

Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis kommen Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen infrage. Dazu gehören unter anderem Methotrexat und Fumarsäureester sowie die neueren Medikamente wie Apremilast, Deucravacitinib und die Gruppe der Biologika. Sie greifen gezielt in Entzündungsprozesse ein. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris berücksichtigt inzwischen zahlreiche Systemtherapien, sodass die Behandlung individuell an die Erkrankung und mögliche Begleitprobleme angepasst werden kann.

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Schuppenflechte-Trigger vermeiden: Stress, Ernährung und Hautreizungen

Ein Schub hat nicht immer einen erkennbaren Auslöser. Zu möglichen Triggern gehören Infekte, Stress, Verletzungen der Haut, Reibung, Sonnenbrand und bestimmte Medikamente. Auch hormonelle Veränderungen oder kalte, trockene Winterluft können das Hautbild beeinflussen.

„Bei einer Neuverordnung kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob ein Medikament möglicherweise einen ungünstigen Einfluss auf die Psoriasis haben kann“, sagt der Experte. Auch Betablocker würden seit Langem als mögliche Auslöser oder Verstärker diskutiert. Verordnete Medikamente sollten jedoch nicht eigenständig abgesetzt werden. Besprechen Sie einen entsprechenden Verdacht mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Welche Faktoren eine Rolle spielen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ein Symptomtagebuch kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen. Notieren Sie beispielsweise Hautzustand, Infekte, Stressphasen, Ernährung, Alkoholkonsum, neue Medikamente und Veränderungen der Pflege. Vermeiden Sie jedoch nicht vorsorglich zahlreiche Lebensmittel oder alltägliche Aktivitäten, ohne einen Zusammenhang feststellen zu können. „Nicht jeder Schub hat einen klar erkennbaren Auslöser“, betont Professor Nast.

Auch Stress kann den Krankheitsverlauf beeinflussen. „Ein guter Umgang mit Stress ist eine sinnvolle Ergänzung der medizinischen Behandlung. Dabei geht es nicht darum, vollkommen stressfrei zu leben“, erklärt der Experte. Zur Stressreduktion seien beispielsweise Achtsamkeits- und Entspannungstechniken geeignet. „Sie können die psychische Belastung verringern und die Lebensqualität verbessern. In einigen Untersuchungen zeigte sich darüber hinaus auch ein günstiger Effekt auf die Psoriasis.“

Regelmäßige körperliche Aktivität und ausreichender Schlaf sind ebenfalls sinnvoll. Bei ausgeprägter Angst, depressiver Stimmung oder starkem sozialen Rückzug sollte psychotherapeutische oder ärztliche Unterstützung in Anspruch genommen werden. Professor Nast stellt klar: „Das bedeutet keineswegs, dass die Psoriasis eine psychisch verursachte Erkrankung ist. Sie ist eine entzündliche Erkrankung, deren Verlauf aber unter anderem durch Stress beeinflusst werden kann.“

Eine spezielle Psoriasis-Diät, die Schübe zuverlässig verhindert, gibt es nicht. Empfehlenswert ist eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und hochwertigen Pflanzenölen. Hochverarbeitete Lebensmittel sollten möglichst selten auf dem Speiseplan stehen. Der Experte ergänzt: „Eine gesunde, ausgewogene Ernährung, die Vermeidung hochverarbeiteter Lebensmittel und die vermehrte Aufnahme von Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren können einen positiven Einfluss haben.“ 

Übergewicht kann die Schwere der Psoriasis und das Ansprechen auf die Behandlung beeinflussen. „Es konnte gezeigt werden, dass die gleichen Therapien, begleitet von einer Gewichtsreduktion, eine bessere Wirkung zeigten“, so Professor Nast. Eine Gewichtsabnahme kann bei starkem Übergewicht daher möglicherweise die Beschwerden lindern und zugleich die allgemeine Gesundheit verbessern.
Zusätzlich sind Rauchverzicht, regelmäßige Bewegung und ein guter Umgang mit Stress sinnvoll. „Diese Maßnahmen können nicht nur für die Psoriasis, sondern auch für die allgemeine Gesundheit von Vorteil sein“, fasst der Experte zusammen.

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Pflege bei Schuppenflechte: Shampoo, Duschgel und Creme richtig wählen

Die tägliche Basispflege hält die Haut geschmeidig, stärkt ihre Schutzbarriere und kann Juckreiz sowie Spannungsgefühle lindern. Sie bleibt auch in beschwerdearmen Phasen wichtig.

„Eine regelmäßige rückfettende und feuchtigkeitsspendende Hautpflege ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung“, erklärt Professor Nast. „Sie kann Trockenheit, Schuppung, Spannungsgefühl und Juckreiz vermindern. Besonders günstig ist es, die Haut nach dem Duschen oder Baden einzucremen.“

Heißes Wasser und langes Baden trocknen die Haut zusätzlich aus. Geeignet sind milde, seifenfreie Waschprodukte. Reiben Sie die Haut anschließend nicht kräftig trocken. „Auch häufiges Kratzen kann die Haut zusätzlich reizen und bei manchen Menschen neue Psoriasis-Herde begünstigen“, warnt der Experte. Schuppen sollten deshalb möglichst schonend gelöst werden.

Rückfettende Cremes, Salben oder Lotionen sollten regelmäßig und besonders nach dem Duschen aufgetragen werden. Reichhaltige Salben eignen sich häufig für sehr trockene, stark schuppende Stellen. Lotionen lassen sich leichter auf großen oder behaarten Flächen verteilen. Produkte mit Harnstoff können Feuchtigkeit binden, auf eingerissener oder stark entzündeter Haut aber brennen. Welche Konzentration verträglich ist, lässt sich in der Hautarztpraxis oder Apotheke klären.

Auch Salicylsäure kann beim Lösen der Schuppen helfen. „Wirkstoffe wie Harnstoff oder Salicylsäure können hilfreich sein, sind aber nicht für jede Körperregion und jede Situation gleichermaßen geeignet“, betont Professor Nast. Bei Psoriasis auf der Kopfhaut helfen milde Shampoos und medizinische Lösungen, Gele oder Schäume. Festsitzende Schuppen sollten zunächst vorsichtig gelöst und nicht abgekratzt werden.

Die Basispflege ergänzt die Behandlung der Psoriasis, ersetzt bei einer aktiven Erkrankung aber nicht die entzündungshemmende Therapie.

Wann ärztliche Behandlung wichtig ist: Psoriasis Arthritis, Augen und starke Schübe

Lassen Sie neue, ausgedehnte oder unklare Hautveränderungen dermatologisch abklären. Ärztliche Unterstützung ist auch wichtig, wenn die bisherige Behandlung nicht wirkt, starke Schmerzen oder Juckreiz auftreten oder Gesicht, Hände, Füße, Genitalbereich beziehungsweise Nägel betroffen sind.

Schmerzende, geschwollene oder morgens steife Gelenke können auf eine Psoriasis-Arthritis hinweisen. Der Experte rät, besonders aufmerksam zu werden, „wenn Gelenkschmerzen zusammen mit Schwellungen oder ausgeprägter Steifigkeit der Gelenke insbesondere am Morgen oder nach längeren Ruhephasen auftreten“.

Weitere mögliche Warnzeichen sind ein vollständig geschwollener Finger oder eine geschwollene Zehe sowie wiederkehrende Schmerzen an Sehnenansätzen, beispielsweise an der Achillessehne oder unter der Ferse. Auch länger bestehende tiefsitzende Rückenschmerzen mit ausgeprägter Morgensteifigkeit können auf eine Beteiligung der Wirbelsäule hinweisen. Bestimmte Nagelveränderungen treten bei Menschen mit Psoriasis-Arthritis ebenfalls häufiger auf.

„Bei solchen Beschwerden sollte man nicht über Monate abwarten“, betont Professor Nast „Besteht der Verdacht auf eine Psoriasis-Arthritis, ist eine rheumatologische Abklärung sinnvoll. Je früher eine entzündliche Gelenkbeteiligung erkannt wird, desto besser lassen sich bleibende Schäden verhindern.“  
Psoriasis kann zudem mit Entzündungen am Auge verbunden sein. Ein schmerzhaft gerötetes Auge, ausgeprägte Lichtempfindlichkeit, starkes Tränen oder verschwommenes Sehen sollte rasch augenärztlich untersucht werden.

Bei einer plötzlich großflächig geröteten Haut, zahlreichen Pusteln, Fieber, Schüttelfrost oder starkem Krankheitsgefühl ist umgehend medizinische Hilfe erforderlich. Dahinter können seltene, aber schwere Formen der Psoriasis stecken.

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Was ist der Unterschied zwischen Schuppenflechte und Psoriasis-Arthritis?

„Die Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die sich vor allem an der Haut durch gerötete, schuppende Hautveränderungen zeigt. Häufig sind auch die Nägel betroffen. Psoriasis ist die medizinische Fachbezeichnung für die Schuppenflechte“, erklärt der Experte.

Bei der Psoriasis-Arthritis betrifft die Entzündung zusätzlich Gelenke, Sehnenansätze oder die Wirbelsäule. „Typisch sind Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit der Gelenke. Manchmal schwillt auch ein ganzer Finger oder eine ganze Zehe an“, so der Experte. Bei einem Teil der Betroffenen können die Gelenkbeschwerden den Hautveränderungen vorausgehen oder bei einer nur sehr gering ausgeprägten Psoriasis der Haut auftreten.

„Eine Psoriasis-Arthritis sollte möglichst früh erkannt und behandelt werden, da eine länger anhaltende Gelenkentzündung zu bleibenden Gelenkschäden führen kann“, betont Professor Nast.

 

FAQ

Kann man Schuppenflechte heilen?

Bislang ist Psoriasis nicht heilbar. Moderne Therapien können die Entzündung aber häufig so wirksam kontrollieren, dass die Haut über längere Zeit nahezu oder vollständig erscheinungsfrei bleibt. Ob insbesondere durch intensive Therapien ganz zu Beginn der Erkrankung eine Veränderung des Krankheitsverlaufes erzielt werden kann, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen und Diskussionen.

Kann Schuppenflechte auch die Augen betreffen?

Ja. Möglich sind unter anderem trockene Augen oder Entzündungen im Augeninneren, sogenannte Uveitiden. Schmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen sollten zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.

Was hilft bei Schuppenflechte auf der Kopfhaut?

Schuppenlösende und entzündungshemmende Präparate können die Beschwerden lindern. Geeignete Wirkstoffe und Darreichungsformen sollte die Hautärztin oder der Hautarzt auswählen. Ergänzend helfen milde Shampoos und eine schonende Haarpflege.

Welche Ernährung ist bei Schuppenflechte sinnvoll?

Empfehlenswert ist eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung. Eine allgemeingültige Psoriasis-Diät gibt es nicht. Individuell unverträgliche Lebensmittel sollten nur dann gemieden werden, wenn ein nachvollziehbarer Zusammenhang besteht oder eine Unverträglichkeit festgestellt wurde.

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Sven von Thülen

Veröffentlicht am 27.08.2026

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