Lippenherpes: Was zu tun ist, wenn es brennt oder juckt

Redaktion
Sven von Thülen

Lippenherpes ist weit verbreitet und kann richtig nerven. Es brennt, juckt und die Bläschen sieht man leider sofort. In diesem Ratgeber erklärt ein Experte, wie du die ersten Anzeichen früh erkennst und was wirklich hilft, um die Symptome zu lindern und andere nicht anzustecken.

Du kennst es vielleicht auch: Man nimmt einen Schluck aus dem Glas der Freundin oder teilt auf dem Volksfest seinen Bierkrug und wenig später ist da plötzlich dieses unangenehme Brennen. Lippenherpes gehört zu den häufigsten Virusinfektionen der Haut und betrifft viele Menschen immer wieder.

Herpesviren sind nichts Neues und begleiten die Menschen schon lange. Sie existieren seit Urzeiten und haben sich perfekt an ihren Wirt angepasst. Sobald eine Ansteckung erfolgt ist, lassen sich die Viren nicht mehr vollständig aus dem Körper entfernen. Daher tragen nahezu alle Erwachsenen mindestens eines der neun bekannten Herpesviren in sich, inklusive dem Virus für Lippenherpes (HSV-1).

Die erste Infektion bleibt dabei häufig unauffällig und wird oft gar nicht bemerkt. Anschließend ziehen sich die Viren in eine Ruhephase zurück, die als Latenz bezeichnet wird. In diesem Zustand sind sie inaktiv, bilden keine neuen Viren und bleiben für das Immunsystem weitgehend unsichtbar. Bis das Virus plötzlich wieder aktiv wird.

Die kleinen Bläschen an der Lippe sind nicht nur unangenehm, sondern können auch schmerzen, jucken oder das Wohlbefinden im Alltag beeinträchtigen. Unser Artikel erklärt, wie Lippenherpes entsteht, welche Faktoren einen Ausbruch begünstigen und welche Maßnahmen wirklich helfen, die Beschwerden zu lindern und die Heilung zu unterstützen.

Was ist Lippenherpes? Ursachen, Ansteckung und Verlauf

Lippenherpes, medizinisch als Herpes labialis bezeichnet, wird durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 ausgelöst. Die meisten Menschen infizieren sich bereits als Kind oder Jugendliche, häufig ohne es zu bemerken. Nach der ersten Infektion verbleibt das Virus inaktiv in den Nervenzellen und kann später immer wieder „aufwachen“.

„Studien zeigen, dass dies vor allem an der Kontrolle des Virus auf Ebene der Genregulation (Epigenetische Kontrolle) und an der lokalen Immunüberwachung liegt und nicht am Virus selbst“, erklärt der Bochumer Dermatologe Dr. med. Ingo Schugt. „Die DNA des Virus ist in den Nervenzellen so verpackt, dass sie inaktiv bleibt. Epigenetik beschreibt genau diesen Mechanismus – quasi ein Schalter, der Gene an- oder ausschaltet. Durch Auslöser wie Stress, Infektionen, UV-Strahlung oder Nervenschädigungen kann diese Kontrolle gestört werden, sodass das Virus sich wieder vermehren kann.“

Je älter wir werden, desto schlechter funktionieren die Kontrollmechanismen im Körper gegen das Virus. Gleichzeitig wird das Immunsystem schwächer, sodass sich das Virus leichter wieder zeigen kann und im Alter häufiger auftritt.

Typisch ist, dass ein Ausbruch zunächst mit einem Kribbeln oder Brennen beginnt. Kurz darauf treten kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf, die im Verlauf aufplatzen und verkrusten. Ein Herpesausbruch ist besonders ansteckend, solange frische Bläschen sichtbar sind oder Flüssigkeit austritt. Insgesamt dauert ein typischer Verlauf etwa sieben bis zehn Tage, bevor die Lippe wieder vollständig abgeheilt ist.

Sonne, Erkältung und Co.: Häufige Auslöser für Lippenherpes

Bestimmte Auslöser aktivieren das ruhende Virus wieder. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • UV-Strahlung:

    Intensive Sonne oder Solarium

  • Infekte:

    Erkältung, Grippe oder Fieber („Fieberbläschen“)

  • Stress:

    Psychische Belastung oder Schlafmangel

  • Verletzungen der Lippen:

    Trockenheit oder mechanische Reize

  • Immunschwäche:

    Beispielsweise nach Erschöpfung

„UV-Strahlung schwächt die lokale Immunabwehr und begünstigt so die Virusfreisetzung. Daher tritt Herpes häufig im Sommer oder beim Skifahren in der Sonne auf“, erläutert der Experte, und fährt fort: „Schlafmangel wird oft unterschätzt. Schlaf ist für sämtliche Regenerationsmechanismen und für ein starkes Immunsystem sehr wichtig. Wer dauerhaft zu wenig schläft, riskiert häufiger einen Ausbruch. Alkohol oder Hormonumstellungen werden als Ursachen dagegen oft überschätzt.“

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Lippenherpes behandeln: Bewährte Hausmittel und Medikamente

Im Akutfall geht es vor allem darum, Beschwerden zu lindern und die Dauer des Ausbruchs zu verkürzen. Viele Menschen verwenden frühzeitig antivirale Cremes aus der Apotheke. Diese Wirkstoffe können die Virusvermehrung hemmen, wenn sie bereits beim ersten Kribbeln aufgetragen werden. Allerdings gibt Dr. Schugt zu bedenken: „Cremes und Patches wirken tatsächlich kaum auf das Virus selbst. Sie sind allenfalls begleitende Maßnahmen, die den Infekt leicht verkürzen, weil sie nur oberflächlich auf der Haut wirken, denn das Virus sitzt in den Nerven.“

Kühlung mit einem sauberen, nicht zu kalten Pad wird oft als wohltuend empfunden und kann Schwellung und Brennen reduzieren. Auch eine sanfte Lippenpflege mit Sheabutter, Bienenwachs oder Aloe vera ist sinnvoll, um die Haut während des Heilungsprozesses geschmeidig zu halten.

Generell gilt: „Ist ein Herpes sehr ausgeprägt, schmerzt oder sitzt in vulnerablen Regionen wie zum Beispiel am Auge, sollte immer der Gang zum Arzt erfolgen mit einer anschließenden Behandlung durch Tabletten. Im schlimmsten Fall muss eine Behandlung über Infusionen erfolgen“, so Dr. Schugt.

Hausmittel können helfen, dass man sich besser fühlt. Wenn die Symptome aber stark sind oder oft auftreten, sollte man trotzdem ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

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Herpes vorbeugen: Alltagstipps für weniger Infektionen

  • Lippen mit UV-Schutz pflegen, besonders im Sommer und beim Wintersport

  • Stress reduzieren durch Pausen, ausreichend Schlaf und Entspannungsmethoden

  • Immunsystem stärken durch ausgewogene Ernährung und Bewegung

  • Reizungen der Lippen vermeiden (z. B. wenig an der Lippe zupfen oder lecken)

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Familie und Umfeld schützen: So senkst Du das Ansteckungsrisiko

  • Hautkontakt vermeiden – also Küssen oder engen Körperkontakt lieber lassen

  • Trinkflaschen, Gläser, Besteck oder Lippenpflege nicht teilen

  • Hände regelmäßig waschen, vor allem nach Verwendung von Herpes-Cremes oder wenn du die Bläschen angefasst hast

  • Bei Babys oder erwachsenen Menschen mit schwachem Immunsystem extra vorsichtig sein

  • Bläschen am besten mit Pflastern abdecken, so bleibt die Viruslast kleiner

„Kaum bekannt ist, dass nicht nur die Bläschen ansteckend sind, sondern schon eine Rötung. Eine Ansteckung kann auch über Hände oder Gegenstände erfolgen, wenn vorher die Herpesregion berührt wurde“, warnt Dr. Schugt. „Ein Pflaster schützt nicht zu 100 Prozent, auch verkrusteter Herpes kann noch ansteckend sein.“

FAQ

Wie lange dauert Lippenherpes normalerweise?

Ein Herpesausbruch dauert im Durchschnitt eine Woche bis zehn Tage. Die Bläschen heilen meist von selbst ab und hinterlassen in der Regel keine Narben.

Ist Lippenherpes ansteckend – und ab wann nicht mehr?

Lippenherpes ist hoch ansteckend, solange Bläschen vorhanden sind oder Flüssigkeit austritt. Erst wenn die Krusten vollständig abgeheilt sind, sinkt das Ansteckungsrisiko deutlich.

Was hilft gegen Lippenherpes im Akutfall?

Viele Betroffene greifen früh zu antiviralen Cremes, um die Dauer des Ausbruchs zu verkürzen. Ergänzend können Herpes-Patches die Stelle schützen und kühlen, was oft als angenehm empfunden wird.

Hilft Zinksalbe bei Lippenherpes?

Zinksalben wirken leicht entzündungshemmend und sehr schwach gegen Viren. Bei ausgeprägtem Lippenherpes sind antivirale Präparate meist wirksamer.

Helfen Hausmittel wie Zahnpasta, Essig oder Knoblauch bei Lippenherpes?

Wirklich nachgewiesen wirksame Hausmittel gibt es keine. Die viel zitierte Zahnpasta dient allenfalls zum Eintrocknen der Bläschen, hat aber keinen Einfluss auf einen entstehenden Herpes oder gar eine antivirale Wirkung. Auch Knoblauch oder Essig haben keinen oder allenfalls Placebo-Wert.

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Sven von Thülen

Veröffentlicht am 09.01.2026

Quellenangaben

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