Handwerker mit Helm macht Mittagsschlaf

Schlafförderung im Betrieb: So können Arbeitgeber Mitarbeitende unterstützen

Gesunder Schlaf ist für die Gesundheit und Produktivität der Belegschaft unabdingbar. Das Thema wird jedoch in vielen Betrieben noch massiv unterschätzt. Dabei können auch Handwerksbetriebe durch gezielte Maßnahmen gesunden und erholsamen Schlaf fördern und die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden steigern. Wie das geht, verrät ein Experte.

Ein Bäckergeselle, der morgens neben dem Ofen einschläft? Undenkbar! Und doch möglich. Ob Fehler oder Fehlstunden – Schlafstörungen der Beschäftigten kosten Betriebe bares Geld. Und so gibt es viele Gründe, warum Unternehmen den Schlaf ihrer Mitarbeitenden fördern sollten, und viele Möglichkeiten – von Entspannungskursen bis zu Schlafräumen. Der Schlafmediziner Prof. Dr. med. Clemens Heiser vom Klinikum rechts der Isar der TU München, gibt Tipps für einen erholsamen Schlaf Ihrer Mitarbeitenden. 

Warum sollten Betriebe einen gesunden Schlaf ihrer Mitarbeitenden fördern?

Viele Menschen haben Schlafstörungen – seien es Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen oder Probleme, morgens aus dem Bett zu kommen. Doch ab wann besteht tatsächlich ein Schlafdefizit? "Wenn ich morgens von selbst aufwache und mich ausgeruht fühle, kann ich davon ausgehen, dass ich genug geschlafen habe. Wenn ich aber nur mit einem Wecker aufwache und vor dem Problem stehe, mich immer noch nicht ausgeruht zu fühlen, dann habe ich entweder schlecht oder zu wenig geschlafen", erläutert Prof. Heiser.

Dass die daraus resultierende Müdigkeit Mitarbeitende nicht gerade zu Höchstleistungen befähigt, liegt auf der Hand. Und so, wie schlechter Schlaf die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, so kann guter Schlaf sie fördern. Insofern sollten Betriebe ein großes Interesse daran entwickeln, den gesunden ausreichenden Schlaf ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen.

Vorteile von gesundem Schlaf der Mitarbeitenden für Betriebe:

  • Steigerung der Produktivität:

    Ausgeruhte Mitarbeitende sind konzentrierter und machen weniger Fehler. Sie arbeiten effizienter und sind dementsprechend produktiver. Schlafmangel hingegen vermindert die Leistungsfähigkeit und sorgt für Gedächtnislücken. Müde Mitarbeitende schaffen weniger und das auch noch in schlechterer Qualität.

  • Reduzierung von Fehlzeiten:

    Schlafmangel schadet der Gesundheit. Die Liste möglicher gesundheitlicher Probleme reicht von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes über Depressionen, Angstzuständen und Erschöpfung bis hin zu einer erhöhten Infektanfälligkeit wegen geschwächter Abwehrkräfte. Schließlich beeinträchtigt die aus Schlafmangel resultierende Müdigkeit auch direkt die Lebensqualität, so dass sich auch die Stimmung verschlechtert.

  • Sicherheit am Arbeitsplatz:

    Müdigkeit erhöht das Unfallrisiko, insbesondere bei Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordern oder körperlich anspruchsvoll sind.

  • Image und Attraktivität als Arbeitgeber:

    Betriebe, denen das Wohlbefinden und die Work-Life-Balance ihrer Belegschaft ein Anliegen ist, gelten als arbeitnehmerfreundlich, haben meist ein besseres Image und sind für Bewerbende attraktiver. Diese vorteilhafte Positionierung zieht hochqualifizierte Fachkräfte an, trägt zugleich zur Mitarbeiterzufriedenheit bei und verstärkt die Mitarbeiterbindung.

Insgesamt profitieren Betriebe also von der Förderung gesunden Schlafes, weil sie Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden verbessern und langfristig eine positive Arbeitsumgebung schaffen.

Wie können Unternehmen gesunden Schlaf fördern?

Die Förderung eines gesunden Schlafes ist von großer Bedeutung, da gut ausgeruhte Mitarbeitende produktiver und weniger anfällig für Stress und Krankheiten sind. Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen können, um den gesunden Schlaf ihrer Mitarbeitenden zu fördern, sind:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle:

    Bieten Sie flexible Arbeitszeitmodelle an, um den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeitszeiten besser an ihre individuellen Schlafgewohnheiten anzupassen. Das muss nicht bedeuten, dass die Arbeitszeit gekürzt wird oder gar Arbeit liegenbleibt. Oft reicht schon eine flexiblere Verteilung der Stunden, beispielsweise von 5x 8 Stunden auf 4x 10 Stunden pro Woche.

  • Gesundheits- und Wellnessprogramme:

    Betriebliche Gesundheitsförderung ist wichtig. Ein Angebot an Gesundheits- und Sportkursen sowie Kursen zur Stressbewältigung sorgt für Bewegung und Entspannung.

  • Information:

    Sensibilisieren Sie die Mitarbeitenden für das Thema Schlafgesundheit. Organisieren Sie Informationsveranstaltungen über die Bedeutung von gutem Schlaf und den Umgang mit Schlafproblemen.

  • Licht und Luft:

    Halten Sie Besprechungen bei gutem Wetter auch mal an der frischen Luft ab, z. B. auf der Wiese vor dem Betrieb. Sorgen Sie für möglichst viel Sonnen- und Tageslicht an den Arbeitsplätzen.

  • Homeoffice-Optionen:

    Ermöglichen Sie Mitarbeitenden, bei geeigneten Tätigkeiten von zu Hause aus zu arbeiten. Das funktioniert natürlich nicht für alle. Zumindest Arbeiten im Sekretariats- und Verwaltungsbereich oder beispielsweise der Bau- und Projektleitung sollten teilweise von zuhause durchführbar sein.

  • Ruheraum:

    Erwägen Sie die Einrichtung eines Ruheraums, damit Mitarbeitende bei Bedarf ungestört ein kurzes Nickerchen machen können.

  • Positive Unternehmenskultur:

    Fördern Sie eine positive Unternehmenskultur, die die Bedeutung von Work-Life-Balance und gesundem Schlaf betont. Betriebsinhabende sollten Vorbilder sein und ihren Mitarbeitenden vorleben bzw. klar signalisieren, dass ihnen ausgeschlafene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig sind.

     

Gesund im Betrieb

Gesundheitstage im Betrieb

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Mittagsschlaf: Der unterschätzte Energiespender

"Nickerchen am Arbeitsplatz? So weit kommt's noch! Ich bin doch keine Wellness-Oase!" So und ähnlich hört man es von Chefinnen und Chefs in Betrieben, wenn das Thema auf die Einführung von Mittagsschlaf kommt. Doch mittlerweile fordern selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Umdenken am Arbeitsplatz: Mittagsschlaf im Büro wird noch massiv unterschätzt – gerade in heißen Sommern, wenn die Mittagshitze die Köpfe zum Rauchen bringt.

Mittagsschlaf im Büro, auch als "Power Nap" (Kraftnickerchen) bekannt, hat eine Reihe von positiven Auswirkungen auf die Mitarbeitenden und die Arbeitsumgebung. Haben Sie oder Ihre Mitarbeitenden öfter ein "Mittagstief" nach dem Essen? Ein Mittagsschlaf bringt neue Frische, Aufmerksamkeit und Konzentration. Zudem erlaubt er für Einzelne auch einen besseren Umgang mit individuell unpassenden Arbeitszeiten (z. B. frühes Aufstehen oder Schichtarbeit). Akuter Stress wird vermindert, Wohlbefinden und Stimmung verbessert. Das wirkt sich direkt positiv auf das Betriebsklima aus.

"Damit ein solcher Power Nap erfolgreich durchgeführt werden kann, müssen einige Punkte beachtet werden. Der Power Nap sollte nicht länger als 20 bis 30 Minuten dauern. Längere Schlafzeiten können dazu führen, dass man in eine tiefere Schlafphase gerät und danach schwerer wieder aufwacht. Und: Wird der Mittagsschlaf zu spät durchgeführt, kann dies wiederum Auswirkungen auf den Nachtschlaf haben“, so Prof. Heiser.

Gesund im Betrieb

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Wie kann eine Arbeitsunfähigkeit überwunden werden? Welche Maßnahmen beugen einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vor? Betriebliches Eingliederungsmanagement (kurz: BEM) hilft dabei, die erkrankten Beschäftigten möglichst schnell zu rehabilitieren und einem erneuten Ausfall vorzubeugen. Mehr zu BEM

Gesunder Schlaf trotz Schichtarbeit? Was Betriebsinhabende tun können

Schichtarbeit ist gesondert zu betrachten, denn hier helfen die üblichen betrieblichen Maßnahmen zur Förderung gesunden Schlafes nur begrenzt. Doch die Unterstützung von Mitarbeitenden, die in Schichtarbeit, Früh- oder Nachtschichten arbeiten, ist besonders wichtig, da ihr Schlaf-Wach-Rhythmus häufig gestört ist. Der unterschiedliche Tagesrhythmus von Freunden und Familie macht es Schichtarbeitenden zudem besonders schwer, Kontakte zu pflegen.

Doch es gibt für Sie als Betriebsinhabende Möglichkeiten, schichtbedingte Schlafprobleme durch einzelne Maßnahmen zu verbessern, um betroffenen Mitarbeitenden einen besseren Schlaf zu ermöglichen.

Schichtplanung:

Gestalten Sie Schichtpläne so, dass häufige und abrupte Wechsel zwischen Tag- und Nachtschichten vermieden werden. Eine vorteilhafte Schichtfolge ist Frühschicht – Spätschicht – Nachtschicht – freier Tag (oder zwei freie Tage). Achten Sie darauf, dass zwischen den einzelnen Schichten möglichst lange Ruhezeiten liegen", rät Prof. Heiser.

Anpassung der Arbeitszeiten:

Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden eine gewisse Flexibilität bei der Wahl ihrer Schichten, so dass sie Schichtzeiten wählen können, die besser zu ihren individuellen Schlafgewohnheiten passen. Bestenfalls wird beispielsweise bei der Schichtplangestaltung berücksichtigt, dass die Frühaufsteher eine Frühschicht bekommen und die Nachteulen eine Nachtschicht.

Pausen und Ruhezeiten:

Sorgen Sie dafür, dass Mitarbeitende während ihrer Schicht genug Pausen einlegen.

Schulungen und Sensibilisierung:

Bieten Sie Schulungen und Informationen zu Schlafhygiene und Schlafgesundheit an, damit Mitarbeitende verstehen, wie sie ihren Schlaf optimieren können.

Licht:

Helles Licht während der Nachtschicht hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und stimuliert die Wachheit. Es sollte aber in den letzten beiden Stunden der Nachtschicht reduziert werden, damit sich Melatonin als Unterstützung für das morgendliche Einschlafen bilden kann.

Gesunde Ernährung:

Während der Schichten sollte es nur mehrere kleine, leichte, gesunde Mahlzeiten geben. Schweres Essen und zuckerreiche Getränke fördern die Müdigkeit.

Gesundheitschecks und Ruhephasen:

Bieten Sie regelmäßige Gesundheitschecks an und ermöglichen Sie Mitarbeitenden zusätzliche Ruhephasen, wenn sie während ihrer Schichten Anzeichen von Erschöpfung oder Schlafmangel zeigen.

 

Soziale Unterstützung:

Fördern Sie eine unterstützende und kollegiale Atmosphäre im Betrieb, wo Mitarbeitende Unterstützung bei der Bewältigung der Herausforderungen von Schichtarbeit und Nachtschichten erhalten.

Erfahrungsbericht: Schichtarbeit in der Bäckerei

Für Bäckermeister Peter Lob beginnt die Produktion zwischen 23:30 Uhr und 3 Uhr nachts. „Wir arbeiten mittlerweile versetzt. Für einen Bäcker ist das schon ausschlafen“, lacht er. In seiner Bäckerei tut er einiges dafür, um den Schichtbetrieb so einfach wie möglich zu gestalten: „Wir versuchen durch Umstrukturierungen und neue Maschinen den ganzen Arbeitsablauf mehr in den Tag zu verlegen.“

Anders als in seiner eigenen Lehre, beginnt der Tag für manch einen seiner Azubis, je nach Alter, oft auch erst um sechs oder sieben Uhr morgens. Auch, weil sich so besser neue Mitarbeitende finden lassen. „Wir haben wirklich Schwierigkeiten, den jungen Leuten unseren Beruf nahezubringen. Und die Arbeitszeiten sind dabei definitiv ein Problem. Nicht jeder ist bereit, sich für den Beruf die Nächte um die Ohren zu schlagen.“

Aber auch der gesundheitliche Aspekt ist ein Grund für die Umstellung. Peter Lob weiß, dass man als Schichtarbeitender auf sich Acht geben muss und legt deshalb großen Wert darauf, dass seine Auszubildenden genug Ruhezeiten einlegen: „Die jungen Leute meinen, sie könnten durchmachen und müssten sich nicht ausruhen“, erzählt er. „Ich rate denen: 'Esst schön zu Mittag und macht dann Mittagsschlaf.' So halte ich das auch. Nachmittags mal ein Stündchen liegen und runterfahren.“

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