Selbstständig machen: So gelingt es

Viele Wege führen ans Ziel, so auch bei der Existenzgründung. Denn jeder Mensch ist anders und jede Geschäftsidee verlangt nach einem individuellen Plan, um erfolgreich umgesetzt werden zu können. Wir haben drei Gründer besucht und sie gebeten, uns von ihrem persönlichen Weg in die Selbstständigkeit zu erzählen. Hier sind ihre Geschichten.

Der Bäckermeister: Michael Gauert

Die Hinwendung zum traditionellen Bäckerhandwerk ist wieder absolut im Kommen, sagt Michael Gauert. Diese Chance nutzte der 32-jährige Bäckermeister, um im November 2017 seinen Traum vom eigenen Handwerksbetrieb zu verwirklichen. Seitdem wird in der Bäckerei Bulle – was nicht nur cool klingt, sondern auf Schwedisch Brötchen heißt – im Stadtteil Düsseldorf-Flingern mit natürlichen Zutaten, ohne Malze und Backtreibmittel sowie in reiner Handarbeit gebacken.

Das Unternehmen hebt sich deutlich von großen Bäckereiketten ab, nicht nur dank seines hippen skandinavisch-deutschen Namens. Auch in der Ladengestaltung: In der Birkenstraße 55 kann jeder, der Zeit und Muße hat, Gauert und seine Angestellten bei ihrem Handwerk beobachten. Die Backstube ist nur durch eine Glaswand vom Verkaufsraum getrennt – so kann man den Backprozess hautnah mitverfolgen und den Handwerkern zwischendrin Fragen stellen. Das finden nicht nur Kinder gut, auch Erwachsene schätzen die interaktive Atmosphäre. Außerdem gibt es bei „Bulle“ kein reines Verkaufspersonal; hier bedienen die Bäcker selbst. Die Strategie, die dahintersteckt: Authentizität. „Man muss da sein und Gesicht zeigen. Das beste Produkt nützt nichts, wenn es nicht richtig verkauft wird. Deshalb stehe ich auch gerne selbst hinter dem Tresen und bediene meine Kunden", so Gauert.

Die Umweltbewusste: Heidi Triska

Authentisch und vor allem nachhaltig ist auch die Geschäftsidee von Heidi Triska aus München. Im März 2019 eröffnete sie ihren kleinen Laden mit dem Namen abgefüllt & unverpackt. Damit ist die Gründerin am Puls der Zeit: „Plastikfrei leben“ ist immer mehr Menschen ein Anliegen. Während die junge Generation bei „Fridays for Future“ demonstriert und den Klimawandel einfordert, setzt Triska bei jedem einzelnen ihrer Mitmenschen an. „Ich wollte etwas Sinnvolles machen, etwas das uns allen hilft.“ Auf 22 m² verkauft die Frau mit den strahlend blauen Augen nicht nur verpackungsfreie Waren, sondern auch Recycling- und Upcycling-Produkte sowie Fair-Trade-Ware. Festes Haarshampoo, Deostifte, Cremes, Zahnbürsten und Zahnpasta-Tabletten sowie Handwerkerseife findet man hier. Dazu Waschmittel, wiederverwendbare Haushaltstücher aus Bambus und Geschirrtücher aus Behindertenwerkstätten.

Bisher gibt es nur vier vergleichbare Unternehmen in der bayerischen Landeshauptstadt. Während sich die Konkurrenz auf unverpackte Lebensmittel spezialisiert hat, gibt es in der Fraunhoferstraße 23 alles rund um Bad und Küche. Aber das Wort Konkurrenz will die Gründerin ohnehin nicht in den Mund nehmen. „Jeder sollte plastikfreie Ware verkaufen. Je mehr Angebote es auf der Welt gibt, desto besser, denn dann reduzieren wir wirklich Plastik.“

Der Bürstenmacher: Kilian Schumm

Kilian Schumm war in seinem Beruf als Informatiker nicht mehr zufrieden, als er 2014 zum ersten Mal darüber nachdachte, den Betrieb seines Urgroßvaters zu übernehmen. Der hatte ein Fachgeschäft für Besen, Bürsten, Reinigungsmittel und alles was man benötigt, um Haus und Hof sauberzuhalten, außerdem ein umfangreiches Sortiment an Bürsten zur Körperpflege und Massage, Rasurbedarf und Seifen. „Der Gedanke als Selbstständiger zu arbeiten und den Familienbetrieb zu erhalten, hat mich gereizt.“

Zirka zwei Jahre vergingen, bis die fixe Geschäftsidee zum handfesten Plan wurde. Schließlich übernahm Schumm Schritt für Schritt das Unternehmen Heinrich Nickles von seiner Mutter und führt es heute in der vierten Generation weiter. „In unserer Werkstatt stellen wir handeingezogene Bürsten in der gleichen Weise her, wie es schon mein Urgroßvater getan hat." Der ehemalige Informatiker ist sichtlich stolz, den gängigen Bürsten und Besen aus dem Baumarkt etwas Traditionelles und Nachhaltiges entgegensetzen zu können. „Wir haben ein weitaus umfangreicheres Sortiment“, erklärt Schumm. „Zudem achten wir darauf, dass unsere Produkte in Deutschland, in hoher Qualität und aus natürlichen Materialien gefertigt sind.“

Erste Hürden meistern

Dass er mal Bäcker werden möchte, äußerte Michael Gauert bereits in der fünften Klasse auf dem Gymnasium. Und auch vom eigenen Unternehmen träumte er lange. Sein alter Chef unterstützte ihn dabei. Den Traum vom eigenen Handwerksbetrieb konnte der alte Bäckermeister nur zu gut verstehen, von Konkurrenzdenken keine Spur. Gauert erinnert sich gern an die motivierenden Worte, aber auch an das kritische Hinterfragen während der Existenzgründung.

Fast ein Jahr dauerte der Prozess, die Standortfrage war dabei die größte Hürde, so Gauert. Einige Monate war er auf der Suche nach einer geeigneten Location. Er wollte keine Bäckerei übernehmen, sondern eine neue eröffnen, wo noch keine existierte. Auch der Stadtteil war schnell gesetzt: Düsseldorf-Flingern, ein aufstrebender lebendiger Kiez mit gemischt alternativem Publikum, nicht weit von der Innenstadt entfernt sollte es sein.

Eine Hürde musste er jedoch noch nehmen: Das Bäckerhandwerk ist für viele Hauseigentümer ein rotes Tuch. Gauert kann die Vorurteile im Schlaf runterbeten: Arbeitsbeginn mitten in der Nacht, viel Lärm und Gestank. Er schrieb dutzende Anfragen und nahm jeden Besichtigungstermin wahr, den er ergattern konnte. Schließlich war es ein alter Fleischermeister, der ihm sein ehemaliges Ladengeschäft überließ. Der war begeistert von der Idee, dass dort wieder ein Handwerk einziehen würde. 

Auch für Heidi Triska war der richtige Standort und die Zusage für den Geschäftsraum die erste Hürde, die zweite, fast noch größere, war das Kassensystem. Dieses musste sich die Gründerin selbst beibringen. Ebenso Bürstenmacher Schumm. Er empfindet die ganze Bürokratie, die mit der Geschäftsübernahme verbunden war und auch im Geschäftsalltag zu erledigen ist, als besondere Herausforderung. „Außerdem haben wir die Werkstatt- und Lagerräume komplett saniert, während der Verkauf im Laden weiterlief. Geduld und Durchhaltevermögen sind in solchen Situationen unabdingbar“, so Schumm.

Der Weg zur Unternehmensgründung

Eine gute Vorbereitung auf die Unternehmensgründung ist die halbe Miete. Bäckermeister Gauert befasste sich intensiv mit dem Thema Unternehmensgründung für Kleingewerbetreibende und Mittelstand. „Ich habe echt tolle Leute von der Handwerkskammer kennengelernt – und einen Steuerberater.“ Mit ihm hat Gauert auch seinen Businessplan ausgearbeitet. „Denn die eigenen Vorstellungen gehen dann ja manchmal doch ein bisschen an der Realität vorbei, die eine Bank hören möchte", gibt der 32-Jährige zu und muss lachen.

Die anvisierten monatlichen Umsätze müssen gut verargumentiert sein. Es müssen genug Angestellte einkalkuliert werden, beim Backen braucht es Vorbereitungszeit und während des Kundenbetriebs muss einer am Ofen stehen, während ein anderer die Kunden bedient. Auch die Zeit fürs Putzen will eingerechnet werden. „Auf jede Nachfrage der Bank zu den Zahlen sollte man eine stichfeste Antwort parat haben“, weiß der Existenzgründer.

Unterstützung während des Gründungsprozesses

Die Handwerkerinnung, wie auch die Handwerkskammer und sein Steuerberater halfen ihm bei der Unternehmensgründung weiter, aber auch sein alter Chef. Von ihm weiß Gauert, dass das Bäckerhandwerk nicht nur von einem guten Laden lebt. „In jeder Stadt muss es ein paar richtig gute Bäckereien geben, sonst stirbt das Handwerk irgendwann aus.“

Kilian Schumm erhielt bei der IHK ein Coaching in betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Vieles lernte er bei seiner Mutter, die das Geschäft anfangs noch führte. Außerdem besuchte er Seminare zu den Themen Buchführung, Verkaufsschulung und Digitalisierung im Handel. Triska benennt ebenfalls die IHK als erste Anlaufstelle. Um sich zu informieren und vorzubereiten, nutzte sie die dort angebotenen kostenlosen Schulungen von Gründern für Gründer sowie ein Einzelgespräch. „Aber auch die Marken, deren Waren ich verkaufe, waren wahnsinnig hilfsbereit und haben mir in vielem weitergeholfen.“ Für die Mindestbestellmengen bei den Marken selbst hatte sie weder Budget noch Lagerplatz. So bekam die Unternehmerin den Tipp, ihre Produkte bei einem Großhändler zu beziehen, der die gleichen Marken führt wie sie selbst.

Schritt für Schritt: Selbstständig machen

Sie möchten sich selbstständig machen? Hier ein paar hilfreiche Tipps zur Unternehmensgründung von unseren drei erfahrenen Existenzgründern

  • Gewerbeschein beantragen

    Drei Monate bevor es losgeht, muss man den Gewerbeschein beim zuständigen Kreisverwaltungsreferat beantragen.

  • Anmeldung beim Finanzamt

    Direkt nach dem Erhalt des Gewerbescheins sollte man den Anmeldebogen für die Ersterfassung ausfüllen. Denn: Seine Bearbeitung kann einige Monate dauern und ohne Anmeldung erhält man keine Umsatzsteuernummer und ohne Umsatzsteuernummer keine Warenbestellung.

  • Krankenversicherung

    Ob gesetzlich oder privat, das muss jeder selbst entscheiden. Oft ist die private Krankenversicherung bei gleichem Leistungsumfang auf lange Sicht teurer und der Kostenfaktor in der Zukunft ungewiss. Wer bei seiner bisherigen gesetzlichen Krankenkasse bleiben will, kann diese zum Beispiel in eine freiwillige Mitgliedschaft umwandeln.

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  • Rentenversicherung

    Handwerker und Hausgewerbetreibende sind auch als Selbstständige in der deutschen Rentenversicherung pflichtversichert. Zusätzlich kann man mit einer privaten Rentenversicherung vorsorgen.

  • Businessplan

    Wer eine Finanzierung wie einen Kredit oder Gründerzuschuss beantragen möchte, braucht handfeste Zahlen in Form eines Businessplans. Ein guter Steuerberater weiß, worauf es ankommt, aber auch die zuständige Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder regionale Gründungsinitiativen bieten Unterstützung.

  • Steuerberater

    Er ist sowohl bei Fragen zum Businessplan als auch für die Steuererklärung des Unternehmens erster Ansprechpartner.

Zwischenziele setzen und erreichen

Die Zwischenziele seines Businessplans hat Bäckermeister Gauert erreicht. Nicht zuletzt, weil er lieber tiefstapelt. „Ich bin ein ziemlich vorsichtiger Mensch, plane so, dass das Ziel erreichbar ist, sonst wird es schnell deprimierend.“ Trotzdem kam vieles anders als geplant. „Ich dachte, ich komme locker mit zwei Mitarbeitern aus, jetzt stehe ich mit fünf da.“ Dadurch kommt die kleine Bäckerei fast schon an die Kapazitätsgrenze, gibt Gauert zu.

Auch Triska hat ihr Zwischenziel bereits erreicht. Die Geschäftsfrau kann förmlich dabei zusehen, wie der Serotoninspiegel ihrer Kunden steigt und Glückshormone ausgeschüttet werden. „Wenn Menschen nur ein bisschen was für ihre Umwelt tun können, gehen sie mit einem guten Gefühl aus dem Laden.“ Sozialer Konsum macht glücklich. Aber nicht nur ihre Kunden, auch sie selbst erfüllt ihr kleines Unternehmen: „Ich arbeite, aber es fühlt sich nicht wie Arbeit an.“

Digitalisierung bedeutet auch, Brötchen per WhatsApp zu bestellen

Jeder der drei Gründer hat natürlich eine Webseite. „Ohne die geht es heute nicht mehr“, findet Heidi Triska. Auf ihrer Homepage finden potenzielle Kunden zum Beispiel die Unternehmensphilosophie, eine Liste der Produkte, die sie in ihrem kleinen Laden führt, sowie die Öffnungszeiten.

Das Team der Bäckerei Bulle ist sehr jung, mit 32 Jahren ist Gauert der Älteste. Er weiß um die Wichtigkeit digitaler Tools und Services, gerade wenn man ein junges Publikum ansprechen möchte. Über Instagram kündigt die Bäckerei spezielle Aktionen wie ihr selbstgebrautes Bier an. Dies wirkt sich ganz klar verkaufsfördernd aus, berichtet der Bäckermeister. Auch Heidi Triska nutzt die Macht der sozialen Medien. Ihr kleiner Laden profitiert davon, wenn Kunden den eigenen Besuch bei abgefüllt & unverpackt auf Instagram posten und ihren Followern weiterempfehlen.

Bei Bulle kann man seine Brötchen sogar per WhatsApp bestellen. Allerdings hat Gauert bisher bloß „ein Handy für alles“. Da komme es natürlich vor, dass ihm die Kunden in der Nacht auf Sonntag eine Nachricht auf sein Privat-Handy schicken. Der Handwerker nimmt es mit Humor. Wenn er Sonntagfrüh um vier Uhr aufsteht, verschickt er einen „Thumbs up Emoji“ (Daumen hoch), um die Bestellung zu bestätigen.

Bei anderen Dingen ist dem Unternehmer Zeitgeist nicht so wichtig: „Meine Öfen sehen aus wie vor 50 Jahren, genauso die Teigknetmaschine, und ich habe auch keine Backprogramme. Bei uns wird alles aus der Erfahrung heraus gemacht.“ Bei Kassen wiederum überlegt Gauert gerade auf EC-Kartenzahlung umzustellen, denn oft müssen Kunden extra für den Gang zum Bäcker Bargeld abheben.

Tipps für die Unternehmens-
gründung

Wo kann man sich hinwenden und welche Angebote gibt es? Hier ein paar hilfreiche Tipps zur Unternehmensgründung von unseren drei erfahrenen Existenzgründern

  • Handwerkskammer/ Handwerkerinnung

    Sie helfen bei der Unternehmensgründung im Handwerk mit Infomaterial, Schulungen und einem großen Netzwerk an Ansprechpartnern weiter.

  • IHK Gründungs- und Nachfolgecoaching

    In Seminaren und Schulungen lernt man von den IHK-Gründungsexperten alles Notwendige, was es zu beachten gilt. Viele dieser Angebote sind sogar kostenlos.

  • Checkliste für die Unternehmensgründung

    Legen Sie sich eine gut strukturierte Checkliste (zum Beispiel als Excel-Tabelle) über die monatlich anfallenden Schritte bis zum Tag X an. So behalten Sie den Überblick, unerledigte Aufgaben können Sie von einem Monat in den anderen verschieben.

  • Social Media als Marketinginstrument

    Die sozialen Medien sind ein nicht zu unterschätzendes Marketing-Tool, um vor allem bei der jüngeren Zielgruppe präsent zu sein. Aber auch für spezielle Aktionen, um mit Kunden zu interagieren und wechselnde Öffnungszeiten zu kommunizieren, eignen sich Facebook, Instagram & Co. Der Nachrichtendienst WhatsApp wird für die Kundenkommunikation ebenfalls immer wichtiger.

  • Anzeige auf der Webseite der Stadt

    Um Touristen und Zugezogene auf das eigene Geschäft aufmerksam zu machen, kann man eine entgeltliche Anzeige schalten.

  • Google My Business

    Mit einem kostenlosen Unternehmensprofil (Brancheneintrag) kann man seine Präsenz auf Google Maps und in der Google-Suche erhöhen und verwalten. Die Öffnungszeiten sollten immer auf dem neuesten Stand sein.

Private oder gesetzliche Krankenkasse?

Trotz Selbstständigkeit blieb Gauert bei der gesetzlichen Krankenkasse. „Der Kostenfaktor in der Zukunft war dabei ausschlaggebend“, sagt der 32-Jährige. Bürstenmacher Schumm sieht das genauso wie der Bäckermeister: „Die Kostenentwicklung bei der privaten Krankenkasse ist nicht vorhersehbar. Zudem ist die private nicht günstiger als die gesetzliche, wenn man einen ähnlichen Leistungsumfang möchte und seine Kinder mitversichern will.“

Auch für Triska war schnell klar, dass sie weiterhin gesetzlich krankenversichert sein möchte. Ihr leuchtet kein Grund für einen Wechsel zur privaten Krankenkasse ein.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung hingegen hielt sie als Selbstständige für überaus sinnvoll. Für einen Betrieb mit Kundenverkehr ist außerdem eine Betriebshaftpflichtversicherung unabdingbar, falls sich ein Kunde in den Geschäftsräumen verletzt, sagt sie.

Nach der Existenzgründung

„Keine Sekunde“ fehle ihr die Sicherheit einer Festanstellung, sagt Heidi Triska. Kilian Schumm ergänzt: „Natürlich gibt es Monate, in denen das Geschäft nicht so gut läuft wie erhofft. Aber auch in einer Festanstellung kann man jederzeit gekündigt werden, so viel mehr Sicherheit bietet diese nicht.“

Alle drei sind sich einig: Sie würden sich jederzeit wieder selbstständig machen. „Der Start verlief schon ziemlich gut“, gibt Michael Gauert zu. Deshalb würde er auch nicht allzu viel anders machen. „Ich hätte gleich von Anfang an noch eine Schippe drauflegen können“, resümiert er. Bei den Backmengen hat er nämlich recht tiefgestapelt, und somit einen zu kleinen Ofen gekauft. Zum Glück hatte er ein gewisses Unternehmenswachstum einkalkuliert und so konnte er im Falle des zu kleinen Ofens das Gerät aufstocken. Auch Kilian Schumm würde „gleich zu Beginn mehr Geld investieren, wenn die Umsätze es erlauben und nicht zu viel sparen, da sonst eine Steuernachzahlung droht.“

Die nächsten Ziele

„Ich arbeite stark daran, dass alles so bleibt wie es ist, das wäre schon eine feine Sache“, sagt Gauert. Hin und wieder spricht ihn ein Investor darauf an, einen weiteren Laden zu eröffnen. „Da fühlt man sich natürlich sehr gebauchpinselt", gibt der Bäcker zu, aber er kennt genug kleine Läden, die es nicht geschafft haben zu wachsen. Deshalb überlegt der Gründer immer ganz genau, ob er sein Sortiment vergrößert, längere Öffnungszeiten anbietet oder einen zweiten Laden eröffnen würde.

Grenzenloses Wachstum ist auch bei Heidi Triska nicht das Ziel. „Jeden Tag stehe ich auf und bin echt dankbar.“ Da sie aber immer noch selbst sechs Tage die Woche in ihrem kleinen Laden steht, würde sie sich als nächstes gerne eine Aushilfe leisten können. Darüber hinaus ist sie einfach glücklich, wenn ihre Mitmenschen den kleinen Laden weiterhin so gut annehmen wie bisher.

Triska rät außerdem nicht zu schnell aufzugeben: „Wenn du für etwas kämpfst, hinter dem du stehst, findet sich immer eine Lösung.“ Daran glaubt auch Schumm. „Auf jeden Fall sollte man sich darauf einstellen, dass man länger arbeiten muss als als Angesteller“, ergänzt er. „Wenn einem die Arbeit Spaß macht, ist das aber kein Problem. Habt den Mut und probiert es aus!“