Faszientraining: Verklebungen und Verhärtungen lösen

Redaktion
IKK classic

Faszientraining begeistert immer mehr Sportlerinnen und Sportler, denn schon mit wenigen Minuten pro Tag lassen sich Schmerzen und Verspannungen auflösen. Auch auf unspezifische Rückenschmerzen, Cellulite und sogar Migräne kann die Faszienmassage, etwa mit der Faszienrolle, positiv wirken. Wir erklären, worauf Sie achten sollten und welche Übungen für den Alltag besonders geeignet sind.

Beim Faszientraining werden betroffene Körperstellen nach dem Prinzip der aktiven Regeneration bearbeitet. Man spricht auch von „Self-Myofascial Release“, dem Faszientraining durch Selbstbehandlung. Wie diese Selbstmassage funktioniert und warum Sie die Übungen mit Faszienrollen und -bällen am besten unter fachkundiger Anleitung beginnen, erfahren Sie hier.

Was sind Faszien?

Faszien sind spezielle Bindegewebsschichten, die Muskeln, Organe sowie andere Strukturen umgeben und wie ein zusammenhängendes Netz miteinander verbinden. Daher auch der Name: fascia stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Band“ oder „Bündel“. Sie liegen direkt unter der Haut und bilden so ein Bindegewebenetzwerk, das den gesamten Körper umspannt – von oben nach unten und von rechts nach links. “Faszien sind wie ein Spinnennetz, das jede Zelle im Körper miteinander verbindet und den Austausch von Hormonen, Stoffen und Nervenimpulsen ermöglicht”, erklärt Patrick Nehmzow, ausgebildeter Heilpraktiker und Faszientherapeut.

Im Idealfall sind Faszien elastisch und umhüllen geschmeidig die Muskeln. Sie können sich aber zusammenziehen, verkleben und verhärten – dadurch entstehen Verspannungen und Schmerzen. Es ist jedoch nicht einfach, Muskel- und Faszienschmerzen voneinander zu unterscheiden, warnt der Experte. Da Faszien ein Netzwerk bilden, können verhärtete Faszien auch für Schmerzen in anderen Körperpartien verantwortlich sein. Bei einem Tennisellbogen sollte man beispielsweise nicht nur das Ellbogengelenk, sondern auch die Nachbargelenke (Handgelenk, Schulter) sowie die gesamte Zugbahn bis zur Brust- und Halswirbelsäule betrachten. Denn oft liegt die Ursache ganz woanders.

Warum verhärten Faszien?

Verhärtete und verklebte Faszien können durch Übersäuerung des Körpers, Fehlhaltungen sowie fehlende oder einseitige Bewegungen entstehen. „Selbst Sportlerinnen und Sportler, die immer dieselben Bewegungen ausführen, sind betroffen“, erklärt der Experte.

Neben körperlichen Ursachen spielt auch Stress eine Rolle. „Stress ist wie Öl im Feuer: Er triggert dauerhaft hohe Spannungslevel in den Faszien”, so Patrick Nehmzow. Stresshormone wie Cortisol beeinflussen nicht nur die Muskeln, sondern auch die Faszien – allerdings mit Verzögerung. Während der Körper darauf ausgelegt ist, kurzfristig auf Stressoren zu reagieren, führen dauerhafte Belastungen, etwa durch Arbeit, zu einem chronisch erhöhten Stressniveau und begünstigen Faszienprobleme. 

In seinem Buch „Das Faszien-Antistress-Programm“ (Herbig Verlag) beschreibt der Experte, wie psychische Belastungen das Fasziengewebe beeinflussen und wie sich Spannungen gezielt lösen lassen.

Wie werden verhärtete Faszien wieder geschmeidig?

Faszien lassen sich gezielt trainieren – durch wippende Dehnungen, federnde Bewegungen, Sprungübungen und vor allem mithilfe der Faszienrolle, eines Faszienballs oder auch einfacher Tennisbälle. Dabei arbeitet man mit dem eigenen Körpergewicht und rollt langsam über die betroffenen Bereiche.

Diese punktuelle Massage kann anfangs schmerzhaft sein, denn die Faszien enthalten zahlreiche sensible Nervenfasern. Der Clou bei jeder Übung und der Faszienmassage ist es jedoch, genau an den schmerzhaften Stellen anzusetzen. Der Druck regt die Durchblutung an, das Gewebe wird besser mit Nährstoffen versorgt und Verklebungen können sich lösen.

Beim Training mit der Faszienrolle wird das Gewebe durch Druck und Bewegung gelockert. Entscheidend ist, die Übungen langsam und kontrolliert auszuführen, um eine echte Regeneration zu erreichen. „Faszienrollen wirken wie ein Schwamm: Man drückt das Gewebe aus und lässt es sich regenerieren – aber nur langsam und mit der richtigen Technik“, betont Patrick Nehmzow. Für Einsteiger sind weichere Rollen oder kleinere Bälle, etwa für das Fußgewölbe, oft die angenehmere Wahl.

Auch manuelle Myofascial-Release-Techniken, die von Therapeutinnen und Therapeuten mit speziellen Griffen angewendet werden, können tief liegende Verspannungen effektiv lösen.

 

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Bei welchen Beschwerden ist Faszientraining sinnvoll?

Eine richtig ausgeführte Faszienmassage kann das Gewebe nachhaltig stärken, Verspannungen lösen und die Beweglichkeit verbessern:

  • Linderung von Schmerzen

    Faszienmassagen können bei Rückenschmerzen, Kopfschmerzen (z.B. Migräne), Verspannungen und Arthrose (in frühen Stadien) helfen.

  • Vorbeugung durch mehr Beweglichkeit

    Das Training wirkt präventiv, denn die Massage mit Bällen und Faszienrolle sorgt für mehr Beweglichkeit in den Gelenken und beugt Beschwerden vor.

  • Narben gezielt behandeln

    Narben können Spannungen in der Faszienkette verursachen. „Eine Narbe in der Wade kann Rückenschmerzen auslösen“, erklärt der Experte. Mit gezielter Therapie können diese Spannungen oft reduziert werden.

Zudem schult das fasziale Work-out den Gleichgewichtssinn, da man das eigene Körpergewicht auf den Bällen und Rollen balanciert. Das Training ist kräftigend, da das Gewicht, das nicht auf der Rolle liegt, mit Muskelkraft abgestützt werden muss. Durch das Spiel mit der Balance, dem wohltuenden Druck, durch federnde Sprung- und Dehnübungen verbessert sich nicht nur das Bindegewebe, sondern auch das Gefühl für den eigenen Körper.

Wo wird Faszientraining angeboten?

In der Kursdatenbank der IKK classic finden Sie bundesweit Anbieter von Faszientraining. Geben Sie dafür in der Suchmaske beim Punkt "Details" das Stichwort "Faszien" ein. Jetzt Kurs in Ihrer Nähe finden!

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Worauf sollten Sie bei den Übungen achten?

Die Faszienmassage sollten Sie unbedingt unter fachkundiger Anleitung starten, denn es gibt einiges zu beachten. Sobald Sie für sich einen guten Trainingsmodus gefunden haben, ist das Work-out mit Faszienrolle und -bällen zu Hause ganz einfach. Wie immer gilt: Wenn Schmerzen langfristig anhalten, sollten Sie sich ärztlich durchchecken und beraten lassen.

Häufige Fehler beim Faszientraining

Zu schnelles Rollen. Das Gewebe sollte langsam bearbeitet werden – nicht hektisch hin- und herschrubben. Stattdessen sollte man in eine Richtung rollen, um Falten im Gewebe zu vermeiden.

Zu viel Druck. „Die Faustregel beim Faszientraining: Etwa 1,5 Zentimeter tief ins Gewebe eindringen“, empfiehlt der Faszientherapeut. Mehr Druck kann kontraproduktiv sein.

Zu häufiges Training. Machen Sie ausreichende Pausen. „Regeneration findet nach dem Training statt – wer zu oft trainiert, riskiert Entzündungen“, so Patrick Nehmzow.

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Die IKK classic unterstützt Faszientraining im Fitnessstudio oder Sportverein über den IKK Bonus.

Faszientraining: Sieben effektive Übungen für den Alltag

Faszientraining ist eine gute Möglichkeit, die Beweglichkeit zu verbessern, Verspannungen zu lösen und die Körperwahrnehmung zu stärken. Ob zu Hause oder im Studio – hier sind Übungen, die Sie ohne Geräte und nur mit einer Faszienrolle in Ihren Alltag integrieren können:

Für wen ist Faszientraining nicht geeignet?

Das Training mit der Faszienrolle bietet viele Vorteile. Doch Vorsicht: In bestimmten Fällen können die Übungen ungeeignet sein, weshalb bei Unsicherheiten eine Rücksprache mit einem Arzt ratsam ist.

  • Akute Schmerzen und Entzündungen

    Der Experte rät davon ab, bei Entzündungen, offenen Wunden, Frakturen und akuten Verletzungen (z. B. Zerrungen, Prellungen, Schwellungen, Rötungen oder Muskelfaserrissen) zu trainieren. Dies kann die Schmerzen verschlimmern oder die Heilung verzögern.

  • Osteoporose oder Knochenbrüche

    Die Druckbelastung durch die Faszienrolle kann bei geschwächter Knochensubstanz Schmerzen, Verletzungen oder sogar einen Bruch begünstigen.

  • Krampfadern und Gefäßerkrankungen

    Obwohl sich die Übungen bei Menschen mit Krampfadern positiv auswirken können, ist auch hier Vorsicht geboten. Zu viel Druck auf die betroffenen Bereiche durch eine Faszienrolle kann den Venendruck erhöhen und die Beschwerden verschlimmern.

  • Blutgerinnungsstörungen

    Druck auf die Gefäße kann das Risiko für innere Blutergüsse (Hämatome) erhöhen. Auch bei bekannter Thrombose oder der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen.

  • Bandscheibenvorfälle

    Bei einem akuten Bandscheibenvorfall kann das Rollen mehr schaden als nutzen. In solchen Fällen ist gezielte, therapeutische Anleitung wichtig. Beginnen Sie deshalb zunächst mit spezifischen Übungen nach einem Bandscheibenvorfall, bevor Sie schrittweise in das Faszientraining einsteigen.

Kosten sparen mit den IKK Gesundheitskursen

Die IKK classic erstattet die Kosten für das Faszientraining im Rahmen eines IKK Gesundheitskurses. Für die Teilnahme stehen Ihnen bis zu 180 Euro jährlich zur Verfügung (90 Euro pro Kurs, max. zwei Kurse jährlich).

Sie können übrigens nicht nur Ihre Teilnahme an sportlichen Gesundheitskursen finanzieren, sondern auch Kurse zu Themen wie Ernährung, Entspannung und Umgang mit Suchtmitteln. Den Zuschuss erhalten Sie, wenn Sie mindestens 80 Prozent der Trainingseinheiten besucht haben.

Erfahren Sie mehr über die IKK Gesundheitskurse.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

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