Volkskrankheit Arthrose: Ursachen, Symptome und Übungen zur Schmerzlinderung

Redaktion
Sven von Thülen

Arthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen und tritt in allen Altersgruppen auf. Auch wenn die Krankheit bislang nicht vollständig heilbar ist, können Betroffene dennoch viel dafür tun, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Dieser Ratgeber erklärt Ursachen und Symptome von Arthrose und gibt alltagstaugliche Tipps, wie Sie Ihre Gelenke entlasten und beweglich halten können.

Arthrose zählt zu den häufigsten Gelenkerkrankungen und betrifft längst nicht mehr nur ältere Menschen.

Wir erklären gemeinsam mit einem Experten die Ursachen und Symptome von Arthrose und zeigen die besten Übungen gegen Schmerzen. Zudem geben wir praktische Tipps, die Betroffenen helfen, den Alltag mit Arthrose besser zu bewältigen, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten.

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Knochen auf Knochen: Wenn die Gelenke verschleißen

Arthrose beschreibt den fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels. Dieser wirkt im gesunden Zustand wie ein „Stoßdämpfer“ zwischen zwei Knochen. Wird der Knorpel dünner, verlieren die Gelenkflächen ihre Gleitfähigkeit – Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen können entstehen. Arthrose entwickelt sich meist über viele Jahre und betrifft besonders häufig Knie, Hüfte, Finger oder die Wirbelsäule. 

„Strukturelle Schäden am Knorpel sind nur eingeschränkt regenerationsfähig“, erklärt Prof. Dr. Christoph Lohmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg. „Auch wenn eine vollständige Heilung des Gelenks bis heute nicht möglich ist, lässt sich der Krankheitsverlauf aber deutlich verlangsamen – oft über viele Jahre hinweg.“ Mit dem richtigen Lebensstil, gezielter Bewegung und frühzeitiger Therapie lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung aber deutlich verlangsamen.

Typische Arthrose-Symptome

Arthrose zeigt sich je nach betroffenen Gelenken sehr unterschiedlich. Häufige Beschwerden sind:

  • Anlaufschmerzen

    Schmerzen zu Beginn einer Bewegung, etwa morgens nach dem Aufstehen.

  • Belastungsschmerzen

    Beschwerden beim Treppensteigen, längeren Gehen oder Tragen.

  • Gelenksteifigkeit

    Besonders nach Ruhephasen.

  • Schwellungen oder Überwärmung

    Zeichen einer entzündlichen Reaktion („aktivierte Arthrose“).

  • Knirschen oder Reibegeräusche

    beim Bewegen.

  • Abnehmende Beweglichkeit

    bis hin zu Fehlstellungen im fortgeschrittenen Stadium.

Je früher die Symptome ernst genommen werden, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden.

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Ursachen von Arthrose verstehen

Arthrose entsteht meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • Alter

    Der Knorpel verliert mit der Zeit an Elastizität.

  • Übergewicht

    Jedes zusätzliche Kilo erhöht den Druck auf Knie- und Hüftgelenke.

  • Fehlstellungen

    X- oder O-Beine sowie Fußfehlstellungen begünstigen Knorpelverschleiß.

  • Verletzungen

    Instabilitäten nach Kreuzbandrissen oder Meniskusschäden fördern Arthrose.

  • Überlastung

    Durch harte körperliche Arbeit, bestimmte Sportarten oder einseitige Bewegungsmuster.

  • Genetik

    Familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko.

  • Stoffwechselerkrankungen

    Etwa Gicht oder Diabetes können Gelenke zusätzlich belasten.

„Entzündliche Erkrankungen spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle. Erkrankungen wie Rheuma, Schuppenflechte oder andere systemische Entzündungserkrankungen können mit einer Gelenkbeteiligung einhergehen und ebenfalls zur Entstehung von Arthrose beitragen“, ergänzt Prof. Lohmann.

Wichtig: Arthrose ist nicht einfach das „Schicksal des Alters“. Bewegungsmangel, Übergewicht und frühere Verletzungen spielen eine große Rolle und sind teilweise beeinflussbar.

Verdacht auf Arthrose: Wann zu Ärztin oder Arzt?

„Wenn die Beschwerden zunehmen, sich verschlimmern und sich nicht von selbst bessern, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Auch instabile oder blockierte Gelenke weisen meist auf eine Ursache innerhalb des Gelenks hin. Am Kniegelenk kann dies beispielsweise ein eingerissener Meniskus sein, der sich einklemmt und entsprechende Beschwerden verursacht“, so der Experte.

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn:

  • Gelenkschmerzen länger als einige Wochen bestehen

  • Schwellungen, Überwärmung oder anhaltende Bewegungseinschränkungen auftreten

  • das Gelenk instabil wird oder nach einer Verletzung Beschwerden zurückbleiben

  • selbst leichte Belastungen zunehmend Schmerzen verursachen

„Werden Gelenke zunehmend steif oder kommt es zu ausgeprägten Flüssigkeitsansammlungen im Gelenk, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Besonders ernst zu nehmen sind Symptome wie Rötung und Überwärmung des Gelenks, da diese auf einen Infekt beziehungsweise eine Infektion hinweisen können“, führt Prof. Lohmann weiter aus.

Ärztinnen und Ärzte können mithilfe von körperlicher Untersuchung, Ultraschall oder Röntgen den Schweregrad einschätzen und ein individuelles Behandlungskonzept erstellen – bestehend aus Physiotherapie, Bewegungstherapie, Medikamenten oder weiteren Maßnahmen.

 

Ernährung bei Arthrose: Was den Gelenken gut tut

Eine entzündungshemmende Ernährung kann Arthroseschmerzen positiv beeinflussen:

Gut geeignet sind:

  • Viel Gemüse und Obst besonders grünes Blattgemüse, Beeren, Tomaten

  • Omega-3-reiche Lebensmittel wie fetter Seefisch, Walnüsse oder Leinsamen

  • Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse

  • Pflanzliche Öle, z. B. Raps- oder Olivenöl

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Für viele Betroffene wirkt bereits eine moderate Gewichtsreduktion positiv aus. Selbst wenige Kilogramm weniger entlasten Knie und Hüfte deutlich.


„Eine ausgewogene, möglichst mediterrane Ernährung mit Fisch, Geflügel, Salaten, Obst und vielfältigem Gemüse, ist besonders empfehlenswert, da diese eine antientzündliche Wirkung hat. Rotes Fleisch, wie zum Beispiel Rindfleisch, enthält relativ viel Arachidonsäure, die im Körper die Bildung von Entzündungsstoffen fördern kann. Daher sollte es nicht täglich und nicht in großen Mengen verzehrt werden“, sagt Prof. Lohmann

 

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Schmerzen bei Arthrose: Übungen und schonendes Bewegungstraining

Bewegung ist nachweislich eine der wichtigsten Maßnahmen gegen Arthroseschmerz. Sie stärkt Muskulatur, verbessert die Gelenkfunktion und kann Entzündungsprozesse reduzieren. 

Bei bestehender oder sich entwickelnder Arthrose ist sportliche Aktivität sehr sinnvoll – allerdings gezielt und angepasst. Wichtig ist dabei, nicht unkontrolliert mit irgendeiner Sportart zu beginnen, sondern idealerweise unter fachlicher Anleitung zu trainieren. Häufig empfiehlt es sich, zunächst mit Physiotherapie zu starten und das Training anschließend unter professioneller Betreuung weiter auszubauen. Dafür gibt es mittlerweile sehr gute Programme, die von Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern oder qualifizierten Trainern begleitet werden“, empfiehlt der Experte.

„Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem gezielten Aufbau bestimmter Muskelgruppen, da gut trainierte Muskeln einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der Gelenke leisten. Ebenso wichtig ist die Wahl geeigneter Sportarten. Aktivitäten mit hoher Stoßbelastung, Sprüngen oder Körperkontakt – wie Handball, Fußball oder ähnliche Sportarten – sind für Knie- oder Sprunggelenk bei Arthrose eher ungeeignet.“

Ideal sind regelmäßige, gelenkschonende Aktivitäten wie:

Hier finden Sie einfache Übungen, die ohne Hilfsmittel zu Hause durchgeführt werden können.

Schulterübungen

1. Schulterkreisen

  • Aufrecht stehen oder sitzen.
  • Schultern langsam nach hinten kreisen, danach nach vorne.
  • 10–15 Wiederholungen pro Richtung.
    Wirkung: Löst Verspannungen, verbessert die Gelenkbeweglichkeit.

 

2. Wandengel

  • Rücken an eine Wand lehnen, Arme im rechten Winkel anheben.
  • Arme langsam an der Wand auf und ab führen.
  • 10 Wiederholungen.
    Wirkung: Mobilisiert Schultergelenk und Schulterblattmuskulatur.

Hüftübungen

1. Seitliches Beinheben

  • Seitlich hinstellen, Hand zur Stabilität an eine Wand legen.
  • Bein langsam seitlich anheben und wieder senken.
  • 10–15 Wiederholungen je Seite.
    Wirkung: Stärkt Gesäßmuskulatur und stabilisiert die Hüfte.

 

2. Hüftbeuger-Dehnung

  • Im Ausfallschritt nach vorne gehen.
  • Becken leicht nach vorne schieben, bis ein Dehngefühl entsteht.
  • 20–30 Sekunden halten.
    Wirkung: Reduziert Zugkräfte auf Hüft- und Lendenwirbelsäulenbereich.

Knieübungen

1. Mini-Kniebeugen

  • Füße hüftbreit, Rücken gerade.
  • Leichte Kniebeuge bis maximal 45 Grad.
  • 10–15 Wiederholungen.
    Wirkung: Kräftigt Oberschenkel und stabilisiert das Knie.

 

2. Beinstrecker im Sitzen

  • Aufrecht auf einem Stuhl sitzen.
  • Ein Bein langsam strecken und wieder absenken.
  • 10–15 Wiederholungen je Seite.
    Wirkung: Stärkt die vordere Oberschenkelmuskulatur und entlastet das Kniegelenk.

Tipps für den Umgang mit Arthrose im Alltag

  • Regelmäßige Bewegung statt Schonhaltung:

    Mehrere kurze Aktivitätsphasen über den Tag verteilt sind ideal.

  • Wärme- und Kältetherapie nutzen:

    Wärme bei Steifigkeit, Kälte bei akuten Entzündungen.

  • Ergonomische Hilfsmittel:

    Rutschfeste Schuhe, erhöhter Stuhl, Gehstützen oder Greifhilfen können den Alltag erleichtern.

  • Stress reduzieren:

    Entspannungstechniken wie Atemübungen, Meditation oder progressive Muskelentspannung wirken schmerzlindernd.

  • Arbeitspausen einplanen:

    Langem Sitzen oder Stehen vorbeugen, öfter die Position wechseln.

FAQ

Kann Arthrose geheilt werden?

Nein – der Knorpelschaden ist nicht rückgängig zu machen. Mit gezielter Therapie lässt sich das Fortschreiten jedoch deutlich verlangsamen.

Hilft Bewegung trotz Schmerzen?

Ja. Solange der Schmerz moderat bleibt, ist Bewegung sogar wichtig. Bei starkem oder zunehmendem Schmerz sollte die Intensität reduziert und ggf. ärztlicher Rat eingeholt werden.

Sind Nahrungsergänzungsmittel wie Glucosamin oder Chondroitin sinnvoll?

Die Studienlage ist uneinheitlich. Manche Betroffene berichten von Besserungen, ein medizinischer Nutzen ist jedoch nicht eindeutig bewiesen. Eine Beratung durch medizinisches Fachpersonal ist sinnvoll.

Wann kann eine Operation notwendig sein?

Wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Lebensqualität stark eingeschränkt bleibt, kann ein künstliches Gelenk (Endoprothese) eine Option sein.

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Sven von Thülen

Veröffentlicht am 21.01.2026

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