Pneumokokken gehören zu den Erregern, die viele Menschen kaum kennen – bis sie ernsthaft krank machen. Die Bakterien können harmlose Infekte auslösen, aber auch schwere Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder Hirnhautentzündungen verursachen. Besonders für Säuglinge, ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen kann eine Pneumokokken-Infektion gefährlich werden. Die Impfung senkt das Risiko, schwer zu erkranken, und gehört deshalb zu den wichtigen Schutzimpfungen für definierte Alters- und Risikogruppen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie unter anderem für alle Säuglinge und Kleinkinder, alle Menschen ab 60 Jahren als Standardimpfung sowie für Personen mit erhöhtem gesundheitlichen Risiko.
Pneumokokken-Impfung: Warum und für wen sie wichtig ist
Pneumokokken können harmlose Atemwegsinfekte auslösen, aber auch schwere Erkrankungen wie Lungenentzündung, Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung. Eine Impfung schützt besonders gefährdete Gruppen: Säuglinge, Ältere ab sechzig Jahren und Menschen mit Vorerkrankungen. Wer von einer Impfung profitiert und wann geimpft wird, lesen Sie hier.
- Was sind Pneumokokken und warum können sie gefährlich werden?
- Wem wird die Pneumokokken-Impfung besonders empfohlen?
- Pneumokokken-Impfung ab 60, bei Kindern und bei Vorerkrankungen
- Wann ist eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll und wann ist eine Auffrischung nötig?
- Mögliche Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung
- FAQ
Was sind Pneumokokken und warum können sie gefährlich werden?
Pneumokokken sind Bakterien und werden meist über Tröpfchen übertragen, also zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Sprechen. Viele Menschen tragen Pneumokokken im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst krank zu sein. Trotzdem können sie die Bakterien weitergeben.
„Die oberen und unteren Atemwege beinhalten Millionen von Bakterien, darunter sind auch potenziell pathogene, also krankheitserregende Keime wie Pneumokokken, Staphylokokken und andere“, erklärt Dr. Peter Kardos, Internist und Mitglied des Vorstandes der Deutschen Atemwegsliga (DAL).
Häufig bleiben Pneumokokken-Infektionen auf die oberen Atemwege begrenzt. Dann können sie etwa Mittelohrentzündungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen verursachen. Gelangen die Erreger tiefer in die Atemwege, kann eine Lungenentzündung entstehen. Besonders gefürchtet sind sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankungen: Dabei dringen die Bakterien in den Blutkreislauf ein und werden in Körperbereiche transportiert, die normalerweise keimfrei sind.
Dass Pneumokokken invasiv werden, heißt, dass sie sich massiv vermehren, und verschiedene Organe angreifen so der Experte. „Häufig ist dies der Fall, wenn ein an sich harmloser viraler Infekt die Schleimhautbarriere schwächt.“
Gelangen Pneumokokken etwa ins Blut, können sie eine Blutvergiftung auslösen. Befallen sie die Hirnhäute, kann eine gefährliche Hirnhautentzündung entstehen. Solche Erkrankungen müssen meist im Krankenhaus behandelt werden und können bleibende Schäden hinterlassen oder lebensbedrohlich verlaufen.
Wem wird die Pneumokokken-Impfung besonders empfohlen?
Die Pneumokokken-Impfung ist vor allem für Menschen wichtig, die ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben. Dazu zählen Säuglinge und Kleinkinder in den ersten Lebensjahren, Menschen ab 60 Jahren sowie Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.
Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen wie COPD, Asthma, Bronchiektasen-Krankheit, Erkrankungen des Herzens, der Leber oder der Nieren oder bei neurologischen Erkrankungen.
„Eine verminderte Immunabwehr durch Diabetes, schwere kardiovaskuläre Erkrankungen, Unterernährung, eine schwächere Immunabwehr im Alter, eine HIV-Infektion, oder eine immunsuppressive Behandlung einer Kollagenose, also einer entzündlich-rheumatischen Autoimmunerkrankung, oder einer Krebserkrankung erleichtert die Invasion eines in den Atemwegen vorhandenen oder eines gerade eingeatmeten Keimes“, führt der Experte weiter aus.
Auch Menschen ohne funktionierende Milz, nach einer Organ- oder Knochenmarktransplantation oder mit bestimmten Risiken für Hirnhautentzündungen sollten ärztlich abklären lassen, ob und wann eine Impfung sinnvoll ist.
Zu diesen Risiken gehören etwa ein Cochlea-Implantat, also ein elektronisches Hörimplantat, oder eine Liquorfistel – eine unnatürliche Verbindung zwischen dem Raum, in dem sich die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) befindet, und einem anderen Körperbereich.
Für Erwachsene ab 18 Jahren mit Risikofaktoren und für jeden über 60-jährigen auch ohne Risikofaktoren empfiehlt die STIKO derzeit eine Impfung mit dem 20-valenten Konjugat-Impfstoff PCV20. Er kann vor 20 verschiedene Varianten (Serotypen) des Erregers schützen.
Pneumokokken-Impfung ab 60, bei Kindern und bei Vorerkrankungen
„Säuglinge, Frühgeborene, Menschen ab 60 und Personen mit Vorerkrankungen sind die Altersgruppen, bei denen die Immunabwehr noch nicht voll entwickelt oder bereits in Regression ist“, so Dr. Kardos.
Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO eine einmalige Pneumokokken-Impfung mit PCV20. Dieser Impfstoff richtet sich gegen 20 Pneumokokken-Serotypen. Wer früher bereits mit dem Polysaccharid-Impfstoff PPSV23 geimpft wurde, soll nach aktuellem Stand in der Regel frühestens sechs Jahre danach PCV20 erhalten. Bei ausgeprägter Immunschwäche kann unter bestimmten Voraussetzungen ein kürzerer Abstand infrage kommen; das sollte die Ärztin oder der Arzt individuell beurteilen.
Bei Kindern beginnt der Schutz früh: Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für alle Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat. Für reif geborene Säuglinge sind Impfungen im Alter von zwei, vier und elf Monaten vorgesehen. Frühgeborene erhalten wegen ihres höheren Risikos vier Dosen im Alter von zwei, drei, vier und elf Monaten.
Für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter werden derzeit PCV13 oder PCV15 empfohlen. Für die Impfung mit dem PCV 20 liegen noch keine ausreichende Erfahrungen bei Kindern vor.
Gesunde Kinder, die im Säuglingsalter vollständig geimpft wurden, benötigen im Kindesalter normalerweise keine weitere Pneumokokken-Impfung. Anders ist es bei Kindern und Jugendlichen von 2 bis einschließlich 17 Jahren mit Risikofaktoren: Für sie empfiehlt die STIKO eine Impfung mit PCV20, abhängig vom bisherigen Impfstatus und mit bestimmten Abständen zu früheren Pneumokokken-Impfungen.
Wann ist eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll und wann ist eine Auffrischung nötig?
Sinnvoll ist die Impfung immer dann, wenn sie nach Alter, Gesundheitszustand oder beruflichem Risiko empfohlen wird. Bei Erwachsenen ab 60 Jahren und bei Erwachsenen mit bestimmten Vorerkrankungen steht heute PCV20 im Mittelpunkt der STIKO-Empfehlung. Wichtig ist: Wer bereits früher gegen Pneumokokken geimpft wurde, sollte den Impfpass mit in die Arztpraxis nehmen. So lässt sich prüfen, welcher Impfstoff gegeben wurde und welcher Abstand zur nächsten Impfung einzuhalten ist.
Zur Notwendigkeit regelmäßiger Wiederholungsimpfungen nach PCV20 liegen laut aktuellen Informationen noch keine ausreichenden Daten vor. Deshalb sollte die Frage nach einer Auffrischung individuell mit der Ärztin oder dem Arzt geklärt werden.
„Der bis vor circa zwei Jahren verwendete Polysacharid Impfstoff (Pneumovax 23) war nicht so wirksam, wie die neuen Conjugatimpfstoffe. Nach der Empfehlung des Robert-Koch-Institutes sollte sich jeder über 60-jährige, die den Polyscharaidimpfstoff bekommen haben, nach sechs Jahren mit dem neuen 20- oder 21-valenten Conjugatimpfstoff einmalig impfen lassen. Bei gefährdeten Personen mit schweren Vorerkrankung kann die Impfung mit dem Conjugatimpfstoff frühestens ein Jahr nach der Polysacharidimpfstoff verabreicht werden“, empfiehlt Dr. Kardos.
Mögliche Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung
Die Pneumokokken-Impfung gilt als gut verträglich. Häufig treten lokale Reaktionen auf: „leichte Schwellung, Rötung, zwei bis drei Tage anhaltender leichter Schmerz an der Impfstelle“, so der Experte. In den ersten Tagen sind außerdem Allgemeinbeschwerden möglich, etwa Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel- oder Gelenkschmerzen. „Das kommt aber eher selten vor.“ Bei Kindern können zusätzlich Schläfrigkeit, unruhiger Schlaf oder Magen-Darm-Beschwerden vorkommen. Diese Impfreaktionen zeigen, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Sie klingen meist nach ein bis drei Tagen wieder ab.
Wer nach einer früheren Impfung starke Beschwerden hatte oder bekannte Allergien gegen Impfstoffbestandteile hat, sollte dies vor der Impfung ansprechen.
FAQ
Kann man die Pneumokokken-Impfung zusammen mit der Grippeimpfung bekommen?
Ja. Zwischen der Pneumokokken-Impfung und anderen Totimpfstoffen, zu denen die Grippeimpfstoffe für Erwachsene gehören, muss nach STIKO-Empfehlung kein Abstand eingehalten werden. Beide Impfungen können am selben Termin gegeben werden, dann üblicherweise an unterschiedlichen Gliedmaßen.
Braucht man eine Auffrischung der Pneumokokken-Impfung?
Das hängt von Alter, Vorerkrankungen, bisherigem Impfstoff und Impfzeitpunkt ab. Nach einer Impfung mit PCV20 gibt es derzeit noch keine allgemeine Aussage zur Notwendigkeit regelmäßiger Wiederholungsimpfungen. Wer früher PPSV23 oder eine sequenzielle Impfung erhalten hat, sollte seinen Impfstatus ärztlich prüfen lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Pneumokokken- und Grippeimpfung?
Die Pneumokokken-Impfung schützt vor bestimmten bakteriellen Pneumokokken-Infektionen. Die Grippeimpfung schützt vor Influenza-Viren und wird wegen der jährlich wechselnden Virusstämme regelmäßig angepasst. Beide Impfungen können für Risikogruppen wichtig sein, schützen aber vor unterschiedlichen Erregern.
Kann man trotz Pneumokokken-Impfung an Pneumokokken erkranken?
Ja, das ist möglich. Es gibt mehr als 100 Pneumokokken-Serotypen, und kein Impfstoff deckt alle Varianten ab. Die Impfung senkt aber das Risiko für Erkrankungen durch die enthaltenen Serotypen und vor allem das Risiko schwerer Verläufe. Gerade bei Menschen mit erhöhtem Risiko kann dieser Schutz entscheidend sein. Die am häufigsten zirkulierenden Serotypen sind jedoch mit PCV 20 oder PCV 21 (dies ist in Deutschland noch zu neu um bereits eine Empfehlung des RKI nzu haben) sehr gut abgedeckt.
Quellenangaben
- infektionsschutz.de: Pneumokokken-Impfung bei Kindern
- infektionsschutz.de: Pneumokokken-Impfung bei Erwachsenen