Kopfschmerzen: Ursachen erkennen und richtig behandeln

Kopfschmerzen können vielfältige Ursachen haben – und oft behandelt man eine der über 200 Kopfschmerzarten mit dem gleichen Mittel: der Tablette. Doch zu viele Schmerzmittel können gefährlich werden. Also besser gar nicht erst so weit kommen lassen. Doch was kann man im Alltag vorbeugend tun?

Manchmal beginnen sie schleichend, manchmal ganz plötzlich. Sie können pochen oder stechen, brummen, bohren und pulsieren. Kaum jemand bleibt von ihnen verschont. Bei vielen verschwindet das Unwohlsein nach kurzer Zeit wieder. Tritt der Schmerz allerdings öfter auf und wird zur chronischen Erkrankung, mindert das die Lebensqualität der Betroffenen massiv. Denn: Wem über einen längeren Zeitraum der Kopf brummt, kann sich nur schwer konzentrieren, ist kaum noch leistungsfähig und kämpft im schlimmsten Fall mit Depressionen und Veränderungen der eigenen Persönlichkeit.

Die Hälfte der Deutschen leidet einer Statista-Umfrage zufolge mindestens einmal im Monat unter Kopfschmerzen. Für die Befragten einer weiteren Statista-Umfrage scheint die Ursache klar: 55 Prozent geben an, dass Stress die Ursache ihrer Beschwerden ist, 31 Prozent identifizieren Bildschirmarbeit als Auslöser, 22 Prozent sehen den Kopfschmerz als psychosomatisches Symptom.

Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es überhaupt?

Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) sind über 200 verschiedene Arten bekannt. Sie lassen sich in zwei Gruppen aufteilen. Schmerzen, die für sich alleine und ohne einen bestimmten Auslöser auftreten, nennt man primäre Kopfschmerzen. Sind sie allerdings die Folge oder Begleiterscheinung eines Unfalls oder einer anderen Erkrankung, wie etwa einer Infektion, Bluthochdruck oder einer Entzündung in der Mundhöhle, dann sprechen Mediziner von sekundären Kopfschmerzen.

Häufige Formen primärer Kopfschmerzen

Wenn Menschen über Kopfweh klagen, dann handelt es sich in 90 Prozent der Fälle um primäre Kopfschmerzen. Drei Arten von Kopfschmerzen treten dabei besonders oft auf:

  • Spannungskopfschmerz

    Er beginnt meist im Nacken und breitet sich langsam über den gesamten Kopf aus. Der Schmerz ist drückend und beengend, wie ein Schraubstock, der sich immer fester zieht. Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form der primären Kopfschmerzen, etwa 29 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Manchmal dauern die Anfälle nur eine halbe Stunde, manchmal ziehen sich die Beschwerden über eine ganze Woche.

    Von chronischen Spannungskopfschmerzen sprechen Ärzte, wenn der Schmerz an mindestens 10 Tagen im Monat auftritt. Dabei lassen sich die Ursachen vor allem im eigenen Lebensstil finden. Experten gehen nämlich davon aus, dass Faktoren wie Stress, falsche Körperhaltung, schlechtes Licht, wenig Schlaf, Nikotin und Zähneknirschen für den Schmerz verantwortlich sind.

  • Migräne

    Wie ein Presslufthammer im Kopf – so beschreiben die schätzungsweise acht Millionen Menschen, die in Deutschland an Migräne leiden, den Schmerz, der sie immer wieder heimsucht. An ein normales Leben ist dann nicht mehr zu denken. Eine Attacke, die meist im vorderen Bereich einer Kopfhälfte beginnt, dauert mindestens vier Stunden, manchmal aber auch mehrere Tage.

    Häufig klagen die Betroffenen zudem über Sehstörungen, Lichtblitze, Übelkeit und Schwindel. Sie reagieren äußerst sensibel auf Licht, Geräusche und Gerüche. Weil jede kleine Bewegung die pochenden Schmerzen noch verschlimmert, bleibt Patienten oft nichts anderes übrig, als sich bei einem Anfall in einen ruhigen und dunklen Raum zu legen und die Augen zu schließen. Warum manche Menschen an Migräne erkranken, ist noch nicht hinreichend geklärt. Neurologen gehen aber davon aus, dass es sich um eine komplexe Funktionsstörung im Gehirn handelt.

  • Cluster-Kopfschmerzen

    Sie kommen selten, dafür aber mit voller Wucht. Cluster-Kopfschmerzen, auch Bing-Horton-Syndrom genannt, sind äußerst schmerzhaft und überfallen Betroffene in Episoden. Oft treten die stechenden und bohrenden Schmerzen an einer bestimmten Stelle auf, etwa auf der Schläfe oder hinter einem Auge und strahlen von dort auf den Rest des Kopfes aus. Begleiterscheinungen sind häufig tränende, rote Augen und eine verstopfte Nase.

    Wodurch Cluster-Kopfschmerzen ausgelöst werden, ist noch nicht gänzlich erforscht. Mediziner gehen aber davon aus, dass bestimmte Faktoren wie Nikotin, Flimmerlicht und körperliche Anstrengung die Attacken begünstigen. Schätzungsweise 120.000 Menschen leiden in Deutschland an Cluster-Kopfschmerzen, Männer sind dabei etwa dreimal so oft betroffen wie Frauen.

junger Mann liegt mit Kopfschmerzen auf dem Boden

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Alternativen zur Tablette

Wer das Brummen im Kopf kaum aushält, greift schnell zur Tablette. Und auch wenn die Schmerzmittel kurzfristig Linderung verschaffen, sind sie nicht zur längeren Behandlung geeignet. Kopfschmerztabletten belasten die Nieren und können im schlimmsten Fall die Schmerzen noch verstärken. Ärzte raten daher, Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol maximal zehnmal im Monat und nicht länger als drei Tage in Folge einzunehmen.

Fakt ist aber auch: Wer an Cluster-Kopfschmerzen und Migräne leidet, wird die starken Schmerzen ganz ohne Medikamente nicht in den Griff bekommen. Dagegen lassen sich leichte Spannungskopfschmerzen mit einigen Verhaltensänderungen und Hausmitteln schnell und leicht behandeln. Wichtig ist in erster Linie darauf zu achten, dass man genug Flüssigkeit zu sich nimmt, auf Nikotin und Alkohol verzichtet und regelmäßig lüftet.

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Hausmittel gegen leichte Kopfschmerzen

  • Espresso mit Zitrone

    Ein Espresso mit dem Saft einer halben ausgepressten Zitrone kann gegen das Schraubstockgefühl im Kopf helfen. Wichtig: Keine zusätzlichen Süßungsmittel verwenden. Koffein zieht die bei Migräne erweiterten Blutgefäße im Hirn zusammen und hemmt Entzündungsstoffe, das Vitamin C der Zitrone fördert die körpereigene Schmerzdämpfung, da es für die Produktion von Noradrenalin benötigt wird.

  • Behandlungen mit Wärme

    Mit Wärme-Behandlungen lassen sich Schmerzen im Kopf ebenfalls gut behandeln. Legen Sie sich ein warmes Kirschkernkissen für ein paar Minuten in den Nacken oder föhnen Sie Ihren Hinterkopf eine Viertelstunde lang mit warmer Luft. Alternativ helfen auch warme Fußbäder oder Kompressen. Von einem heißen Bad raten Experten dagegen ab. Durch den abfallenden Blutdruck können sich Kopfschmerzen noch einmal verstärken.

  • Pfefferminzöl

    Ein weiteres bewährtes Hausmittel gegen Kopfschmerzen ist Pfefferminzöl. Es entkrampft die Muskulatur, regt die Durchblutung an und reduziert das Schmerzempfinden. Reiben Sie sich eine kleine Menge Öl in kreisenden Bewegungen auf Schläfe, Stirn und Nacken und warten Sie einen Moment. Spätestens nach 15 Minuten entfaltet der natürliche Schmerzstiller seine Wirkung.

  • Dehnübungen und frische Luft

    Außerdem: Entspannen Sie Ihren Kopf und Nacken regelmäßig mit leichten Dehnübungen oder gehen sie ein paar Minuten an die frische Luft. Ein kurzer Spaziergang erhöht den Sauerstoff in ihrem Körper und entlastet ihre Augen.

Vorbeugen statt nachhelfen

Noch besser als Kopfschmerzen mit natürlichen Mitteln zu behandeln, ist sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Wer sich nicht ausreichend bewegt und lange sitzt oder liegt, erhöht das Risiko für chronische Kopfschmerzen. Grund dafür ist die einseitige Körperhaltung. Sie führt zu Verspannungen und eingeklemmten Nerven.

Je länger die Schmerzen anhalten, desto schwieriger ist es, sie wieder loszuwerden. Denn der Körper besitzt ein Schmerzgedächtnis. Das heißt: Die Nerven senden selbst dann noch ein Signal an das Gehirn, wenn die Verspannung längst weg ist.

Wer also vorbeugen will, sollte sich möglichst viel bewegen und mindestens zweimal pro Woche für 45 Minuten Ausdauersport betreiben. Auch gezieltes Faszientraining und progressive Muskelentspannung können helfen, den Schmerz präventiv in Schach zu halten. Legen Sie sich dafür auf den Rücken, schließen Sie die Augen und spannen Sie die Muskeln für fünf Sekunden in ihrem rechten Arm an. Lassen Sie dann wieder locker. Wiederholen Sie die Übung in anderen Bereichen ihres Körpers, etwa im Gesicht, Schultern und Brust. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Typische Auslöser von Kopfschmerzen

Oft lassen sich Spannungskopfschmerzen auf bestimmte Auslöser zurückführen: etwa Umweltfaktoren, schlechte Angewohnheiten oder Stress. Wenn Sie diese Trigger erkennen und beseitigen, können Sie Ihre Kopfschmerzen nachhaltig bekämpfen.

  • Flüssigkeitsmangel

    Haben Sie heute schon genug getrunken? Flüssigkeitsmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Spannungskopfschmerzen. Achten Sie deshalb darauf, über den Tag verteilt mindestens 1,5 Liter – bei bewegungsintensiven Tätigkeiten auch mehr – Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken.

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  • Stress

    Kopfschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von körperlichem und emotionalem Stress. Versuchen Sie deshalb, Ihren Stresspegel langfristig zu reduzieren und regelmäßige Entspannungseinheiten in Ihren Alltag zu integrieren.

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  • Alkoholkonsum

    Wer am Vorabend zu tief ins Glas geschaut hat, wacht meist mit brummendem Kopf auf. Dagegen hilft: Viel trinken und die Mineralstoffspeicher wieder auffüllen – und beim nächsten mal lieber zwischendurch ein Glas Wasser trinken.

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  • Zu viel Zeit am Bildschirmzeit

    Egal ob bei der Arbeit am PC oder beim Spielen mit dem Smartphone: Der starre Blick auf einen Bildschirm strengt die Augen an. Eine überlastete Augenmuskulatur kann wiederum Spannungskopfschmerzen verursachen. Legen Sie deshalb regelmäßig eine Pause ein und entspannen Sie Ihre Augen, indem Sie in die Ferne schauen. Auch eine unerkannte Sehstörung kann zu Kopfschmerzen führen.

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  • Zu wenig Schlaf

    Schlafen Sie zu wenig, kann der Körper sich nicht ausreichend regenerieren. Die Folge: Abgeschlagenheit und Schmerzempfindlichkeit. Erwachsene sollten durchschnittlich zwischen sieben und neun Stunden schlafen, um voll leistungsfähig zu sein.

  • Verspannungen

    Eine verspannte Nackenmuskulatur geht in vielen Fällen mit Spannungskopfschmerzen einher. Gerade Menschen, die beruflich viel sitzen, sind betroffen. Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz und regelmäßige Bewegungspausen können Verspannungen vorbeugen.

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  • Schlechte Luft

    Gerade wenn sich viele Personen in einem Raum aufhalten, sinkt der Sauerstoffgehalt in der Luft und das ausgeatmete CO2 sorgt für ein schlechtes Raumklima – und in Folge dessen für unangenehmen Kopfschmerzen. Regelmäßiges Stoßlüften verschafft Ihnen wieder Luft zum atmen.

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Hausmittel gegen Kopfschmerzen haben Grenzen

Wer nur selten an leichten Kopfschmerzen leidet, kann mit einfachen Hausmitteln schnelle Abhilfe schaffen. Bei starken und regelmäßigen Migräneattacken dagegen ist eine professionelle Untersuchung geboten, um die Ursache des Schmerzes zu finden. Denn Kopfschmerzen können ein Symptom eines anderen Leidens sein. Hausmittel lindern dann nur eine Folge einer Erkrankung, bekämpfen aber nicht die Ursache. Ob Verletzungen, Verspannungen oder ein ungesunder Lebensstil – eine Ärztin oder ein Arzt klärt den Ursprung und kann den Schmerz an der Wurzel packen.

Kopfschmerztagebuch schafft Klarheit

Um die Ursachen Ihrer Kopfschmerzen zu ermitteln, kann es sinnvoll sein, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Im Falle einer Schmerzattacke notieren Sie darin Intensität, Dauer, mögliche Auslöser und eingeleitete Gegenmaßnahmen. Damit helfen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, die richtige Therapie für Sie zu finden.

  • Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. zum Ausdrucken: zum PDF-Download

  • Ein Kopfschmerztagebuch gibt es für Migränepatienten auch als praktische App mit vielen Zusatzfunktion. Diese digitale Gesundheitsanwendung können Sie kostenlos nutzen, wenn Sie sich die App ärztlich verschreiben lassen: Zur M-Sense Migräne-App 

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