Ergonomie am Arbeits­platz: Wenn schon sitzen, dann richtig

Redaktion
IKK classic

Der menschliche Körper ist nicht für das Sitzen gemacht. Trotzdem verbringt jeder Deutsche im Durchschnitt 10 Stunden täglich in dieser ungesunden Position. Dauersitzen kann zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen – deshalb ist Ergonomie am Arbeitsplatz besonders wichtig. Mit diesen Tipps holen Sie Ihren Körper aus dem Stand-by-Modus.

Gefahrenzone Sitzarbeitsplatz

Wenn der Körper sitzt, geht er auf Sparflamme. Der Kalorienverbrauch reduziert sich deutlich, das Blut zirkuliert langsamer, die Muskulatur ist inaktiv. Langfristig steigt dadurch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und das Gehirn ist weniger produktiv. Denn nicht nur körperlich, sondern auch geistig wirkt sich der Bewegungsmangel negativ auf die Leistungsfähigkeit aus.

Trotzdem verbringt jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland quer durch alle Branchen den Arbeitstag am Computerarbeitsplatz. Das ging 2018 aus einer Studie des Branchenverbandes Bitkom hervor. Da macht auch das Handwerk keine Ausnahme: Neben den Kolleginnen und Kollegen, die sich im Büro um die betriebliche Organisation kümmern, gibt es viele Gewerke wie Optiker, Zahntechniker, Schneider oder Schuster, die nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Sitzfleisch benötigen.

Wenn man Kinder beobachtet, sieht man, wie groß der natürliche Bewegungsdrang ist. Doch spätestens in der Schule wird ihnen dieses Bedürfnis oft systematisch abtrainiert. Der Ernst des Lebens ebnet dann leider auch den Weg zu Haltungsschäden, Kreislaufbeschwerden und einer geringeren Lebenserwartung.

Ist Sitzen gefährlicher als Rauchen?

Das Problem ist eigentlich schon lange bekannt: Bereits in den 1950er-Jahren zeigte eine Londoner Studie, dass Busfahrer ein doppelt so großes Risiko für einen Herzinfarkt hatten wie ihre stehenden Schaffner-Kollegen. Der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und häufigem, langem Sitzen wurde seitdem in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen. Eine andere Studie der Universität von São Paulo zeigt auf, dass 3,8 Prozent aller Todesfälle weltweit auf Sitzen zurückgeht. Schon ab drei Stunden pro Tag wirkt sich das Sitzen demnach ungünstig auf die Gesundheit aus.

Teilweise wird Sitzen gar als "das neue Rauchen" bezeichnet. Hintergrund hierfür ist eine Studie aus Australien aus dem Jahr 2008. Demnach verringert schon eine Stunde Fernsehen bei über 25-Jährigen die Lebenserwartung um 21,8 Minuten. Eine Zigarette dagegen soll das Leben "nur" um elf Minuten verkürzen.
Zudem wird Sitzen regelmäßig als eine der Ursachen von orthopädischen Problemen, Rückenschmerzen oder dem Karpaltunnelsyndrom angeführt. Es soll sogar die Entstehung von Krebs und Diabetes begünstigen.

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Zwar können solche Zusammenhänge nie monokausal erklärt werden. Trotzdem gibt es kaum gute Gründe dafür, den Großteil des Tages sitzend vor einem Bildschirm zu verbringen – abgesehen von Bequemlichkeit. Wer viel sitzen muss, sollte gezielt körperliche Aktivität suchen. Zwei Minuten Bewegung für eine halbe Stunde Sitzen ist ein guter Richtwert. Die Einrichtung eines ergonomischen Arbeitsplatzes ist eine weitere sinnvolle vorbeugende Maßnahme.

So sitzen und leben Sie gesünder

Möglichst wenig sitzen

Wer keine körperlichen Beschwerden hat, kann in ganz alltäglichen Situationen Sitzen durch Stehen ersetzen – beim Telefonieren, im Bus, in Meetings oder am Bildschirmarbeitsplatz. Im Büro sind regelmäßige Haltungswechsel sehr empfehlenswert, sie fördern die Durchblutung der Beine und steigern die mentale Leistungsfähigkeit. So können Stehpulte oder höhenverstellbare Schreibtische für Abwechslung im Bewegungsablauf sorgen.

Der Körper verbraucht im Stehen mehr Kalorien. Außerdem bewegt man sich automatisch ein bisschen mehr, allein schon durch die Verlagerung des Gewichts von einem Bein auf das andere. Allerdings ist es wichtig, korrekt und aufrecht zu stehen. Vermeiden Sie Hohlkreuzstellungen, sonst drohen Rückenschmerzen.

 

Bewegung in den Arbeitsalltag integrieren

Jeder Einzelne kann versuchen, möglichst viel Bewegung in den Arbeitsalltag einzubauen. Auch wenn die einzelnen Maßnahmen aus Ihnen keine Sportskanone machen werden, achten Sie trotzdem darauf. Es geht darum, jede sich bietende Chance für Bewegung zu nutzen – sei sie auch noch so klein. Viele kleine Schritte sind besser als immer den bequemsten Weg zu nehmen. Daher vereinbaren Sie mit sich selbst mindestens fünf Situationen, in denen Sie sich immer für Bewegung entscheiden. Unsere Tipps:

  • Nehmen Sie die Treppe

    Setzen Sie sich ein Ziel wie: Bis zum sechsten Stock gehe ich zu Fuß. Das gilt dann immer und Sie müssen nicht jedes Mal neu überlegen.

  • Stellen Sie Drucker und Papierkorb möglichst weit weg

    So unterbrechen Sie längere Phasen des Sitzens automatisch und gehen ein paar Schritte.

  • Gehen Sie zum Kollegen ins Nachbarbüro, statt eine E-Mail zu schreiben

    Das bringt den eigenen Kreislauf in Schwung und stärkt den persönlichen Kontakt.

  • Halten Sie Meetings im Stehen ab

    Nicht nur der Körper, auch der Geist ist dann weniger träge. Zudem verkürzt sich die Dauer solcher Meetings Studien zufolge um rund ein Drittel.

  • Bewegung auf dem Weg zur Arbeit

    Ideal ist es, wenn Sie mit dem Rad zur Arbeit fahren können. Wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, können Sie eine Haltestelle früher aussteigen.

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Wenn schon sitzen, dann richtig sitzen: ergonomische Arbeitsplatzgestaltung

Arbeitgeber sollten darauf achten, dass ihre Mitarbeiter einen ergonomischen Arbeitsplatz haben. Dauerhaftes Sitzen kann ein Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz sein. Daher ist die gesunde Körperhaltung auch Teil des Arbeitsschutzes. Dafür sorgen beispielsweise Betriebsärzte in den Unternehmen. Ergonomie zählt zum präventiven Arbeitsschutz. Es geht also darum, Krankheiten zu verhindern.

Aber auch jeder Einzelne kann sich nicht nur darum bemühen, möglichst viel Bewegung in den Arbeitsalltag einzubauen, sondern auch eine gesunde Sitzhaltung im Büro einzunehmen. Das gilt natürlich auch, wenn man zu Hause einen Arbeitsplatz einrichtet. Wichtig ist, dass die Arbeitsplatzgestaltung individuell angepasst ist und optimal auf den eigenen Körper eingestellt ist. Dabei kommt es oft auf Kleinigkeiten an:

Richtig sitzen – so geht's

Wie Sie Ihre Arme, Hände, Oberschenkel und Füße richtig positionieren, lesen Sie hier:

Die Füße

Der Bürostuhl sollte höhenverstellbar sein, sodass die Füße bequem mit der ganzen Sohle auf dem Boden stehen und die Knie im 90-Grad-Winkel aufgestellt werden können.

Die Oberschenkel

Der Sitz sollte so tief sein, dass die Oberschenkel etwa zu zwei Dritteln aufliegen können. Zwischen der Kniekehle und dem Stuhl sollte noch etwa eine Handbreit Platz sein.

Die Arme

Der Schreibtisch ist optimal so hoch eingestellt, dass die Arme entspannt von den Schultern hinabhängen und die Unterarme locker auf dem Tisch abgelegt werden können. Die Ellenbogen bilden einen rechten Winkel.

Die Hände

Bei einem Bildschirmarbeitsplatz sollten die Handgelenke an der Tastatur nicht zu stark abgeknickt werden. Wer viel mit der Maus arbeitet, kann eine Vertical Mouse testen und so Handgelenk und Ellenbogen entlasten.

Die richtige Haltung

Der Nacken

Bei der Arbeit am Computer sollte der Blick gerade auf den Bildschirm gerichtet sein, sodass der Kopf aufrecht auf dem Nacken sitzen kann. Die Entfernung zwischen Bildschirm und Augen beträgt idealerweise 80 cm, der Bildschirm sollte leicht geneigt sein.

Der Rücken

Für eine gesunde Sitzhaltung ist es wichtig, dass die Wirbelsäule ihre natürliche doppelte S-Form einnehmen kann. Dazu sollte der Lendenbereich des Rückens die Lehne berühren können. Das Becken sollte leicht nach vorne gekippt sein.

Das alles mag kompliziert klingen. Doch ist der Arbeitsplatz erst einmal ergonomisch eingestellt, werden Sie schnell merken, dass Ihr Körper weniger Belastungen ausgesetzt ist. Ergonomisches Sitzen bedeutet nicht, dass man stundenlang wie festgenagelt in einer Position verharrt – ganz im Gegenteil.

Am besten ist das sogenannte dynamische Sitzen. Dabei verändert man immer wieder leicht die Sitzhaltung, sitzt entweder aufrecht oder zurückgelehnt an die Rückenlehne des Stuhls. Ideal ist dafür ein Bürostuhl, der sich den Bewegungen anpasst und mitschwingen kann. Wer immer wieder die Sitzhaltung verändert, unterstützt die Durchblutung der Muskulatur.

Ergonomie-Tipps für den Arbeitsplatz daheim

Das Arbeiten von daheim aus ist im Zuge der Corona-Pandemie für viele Menschen zur Normalität geworden. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, auch daheim einen ergonomischen Arbeitsplatz einzurichten.

Mit wenigen Änderungen können Sie bereits für einen gesunden und ergonomischen Arbeitsplatz sorgen:

  • Für die richtige Beleuchtung sorgen

    Ein gut ausgeleuchteter Arbeitsplatz schont die Augen und beugt Kopfschmerzen vor. Bestenfalls fällt natürliches Sonnenlicht ein.

  • Effiziente Arbeit braucht genügend Platz

    Ein ergonomischer Schreibtisch bietet genügend Platz für Laptop, Bildschirm und weitere Geräte. Die richtigen Abstände fördern eine entspannte Körperhaltung.

    Mehr Infos zum Bildschirmarbeitsplatz
  • Ergonomische Maus und Tastatur wählen

    Sie entlasten Hände und Fingersehnen und ermöglichen eine neutrale Hand- und Armhaltung.

  • Für den richtigen Sitzplatz sorgen

    Die Füße sollten einen festen Stand haben und Knie- und Hüftgelenke in einem 90-Grad-Winkel stehen.

  • Gute Luft fördert die Leistung

    Bestenfalls stündlich stoßlüften. Frischluft hilft dabei, wach und konzentriert zu bleiben.

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Richtiges Verhalten am Arbeitsplatz

Trotz eines ergonomischen Arbeitsplatzes kann ausreichende Bewegung während des Arbeitsalltags zu kurz kommen. Abhilfe schaffen diese Tipps:

  • Wecker für Pausen stellen

    Ein stündlich eingestellter Wecker kann helfen, sich mehr zu bewegen. Schon kurze Dehnübungen oder ein Spaziergang geben neue Energie.

  • Den Büroalltag simulieren

    Morgens einen Spaziergang um den Block unternehmen und das Wasser bewusst aus der Küche holen, statt es am Platz bereitzustellen.

  • Sport-Übungen für zwischendurch

    In kurzen Pausen lassen sich Planks und Liegestütze einbauen. Schon wenige Wiederholungen genügen für ein effektives Training.

    Mehr Übungen für zu Hause

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sollte ein Schreibtisch sein?

Als Faustregel gilt: Sitzen die Unterarme locker auf der Platte und bilden die Ellenbogen einen rechten Winkel, stimmt die Höhe. Bei einer Körpergröße um 1,75 Meter liegt sie meist zwischen 68 und 76 Zentimetern.

Was bedeutet ergonomisch?

Ergonomisch heißt, dass Geräte und Möbel an den Menschen angepasst sind und nicht umgekehrt. Ziel ist eine Körperhaltung, die Muskeln, Gelenke und Sehnen möglichst wenig belastet.

Was ist dynamisches Sitzen?

Dynamisches Sitzen bedeutet, die Sitzhaltung regelmäßig zu wechseln, statt starr zu verharren. Das entlastet die Bandscheiben und fördert die Durchblutung der Rückenmuskulatur.

Übernimmt die IKK classic die Kosten für einen ergonomischen Bürostuhl?

Ergonomische Büromöbel zählen in der Regel nicht zu den Leistungen gesetzlicher Krankenversicherungen. Für bestimmte Hilfsmittel bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit kann unter Umständen die Rentenversicherung oder der Arbeitgeber zuständig sein.

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Veröffentlicht am 24.06.2026

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