Bildschirmzeit wirkt sich nicht bei jedem Kind gleich aus. Trotzdem gibt es typische Stolperfallen. Eine der wichtigsten betrifft den Schlaf. Spannende Spiele, kurze Videos oder Chats kurz vor dem Zubettgehen machen es vielen Kindern schwer, zur Ruhe zu kommen. Deshalb sollten Bildschirmmedien bei Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen tabu sein. Geräte gehören möglichst nicht ins Kinderzimmer.
Auch das Lernen kann leiden, wenn Medien ständig nebenbei laufen. Kinder brauchen Phasen konzentrierter Aufmerksamkeit. Wer beim Lernen immer wieder aufs Handy schaut oder im Hintergrund Videos laufen lässt, springt gedanklich hin und her. Das kostet Energie und erschwert es, Inhalte wirklich zu verstehen.
Warnzeichen können Gereiztheit, Wut beim Ausschalten, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Rückzug, Kopfschmerzen, Augenbeschwerden oder der Verlust von Interesse an anderen Aktivitäten sein. Auch wenn ein Kind ständig nach dem Gerät fragt oder Medien heimlich nutzt, sollten Eltern genauer hinschauen.
Bei sehr kleinen Kindern seien schwere Regulationsprobleme besonders kritisch, so Dr. Haupt: „Wenn Kinder schreien, sobald sie den Bildschirm nicht bekommen, und weder selbst noch mit Unterstützung der Eltern andere Wege finden, sich zu beruhigen, ist das ein Warnzeichen.“
Bei älteren Kindern ist die Lage differenzierter. Nicht jedes Kind, das mehr Bildschirmzeit hat als empfohlen, ist krank oder süchtig. Entscheidend ist das Gesamtbild: Trifft das Kind Freunde? Bewegt es sich? Schläft es ausreichend? Kommt es in der Schule mit? Gibt es noch Interessen außerhalb digitaler Medien?
„Wenn ein Fünft-, Sechst- oder Siebtklässler deutlich mehr konsumiert, als man gut fände, aber trotzdem dreimal die Woche zum Fußball geht, Freunde trifft und sich auch noch für andere Dinge interessiert, dann ist das nicht dasselbe wie eine Sucht“, erklärt Dr. Haupt. Kritisch werde es, wenn Kinder fast nichts anderes mehr tun, sich zurückziehen und sich nur noch in digitale Welten flüchten.
Wenn Eltern merken, dass sie allein nicht weiterkommen, sollten sie sich früh Unterstützung holen. „Einen 15-Jährigen aus seiner Bildschirmsucht herauszuholen, kann ohne Hilfe sehr schwer werden“, sagt Dr. Haupt. Spezialisierte Beratungsstellen und Ambulanzen können Familien auch dann beraten, wenn noch nichts Dramatisches passiert ist, sie aber merken: Es läuft nicht gut.
Der von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz veröffentlichte Gefährdungsatlas zum digitalen Aufwachsen ist eine weitere Orientierungshilfe.