Ob Strandurlaub, Städtetrip oder Fernreise: Je nach Reiseziel können Infektionen eine Rolle spielen, die in Deutschland selten sind – etwa Hepatitis A, Typhus, Tollwut oder Gelbfieber. Schon wenige Tage in einem Risikogebiet können ausreichen, um sich anzustecken. Dabei gehören Impfungen zu den wirksamsten Maßnahmen, um sich vor vermeidbaren Krankheiten zu schützen. Zugleich helfen sie, Erreger nicht ins Reiseland einzuschleppen oder nach der Rückkehr weiterzuverbreiten.
Reiseimpfungen: Gut geschützt im Urlaub
Der Koffer ist gepackt, die Vorfreude wächst – an die erforderlichen Reiseimpfungen aber wird oft nicht gedacht. Dabei können Impfungen vor Krankheiten schützen, die den Traumurlaub abrupt beenden oder sogar lebensbedrohlich werden lassen. Wir zeigen, welche Reiseimpfungen wo wichtig sind, warum der Grundschutz zuerst geprüft werden sollte und wann eine reisemedizinische Beratung sinnvoll ist.
- Standardimpfungen vor dem Urlaub: Welche Impfungen geprüft werden sollten
- Welche Impfungen je nach Reiseziel wichtig werden können
- Wo finden Sie aktuelle Reiseimpfempfehlungen?
- Wann Reiseimpfungen sinnvoll sind und für wen eine Beratung besonders wichtig ist
- Wie früh sollte man sich vor einer Reise beraten lassen
- Welche Reaktionen nach einer Impfung normal sind
- Fazit: Warum Impfungen vor einer Reise so wichtig sind
- FAQ
Standardimpfungen vor dem Urlaub: Welche Impfungen geprüft werden sollten
Reisemedizin beginnt nicht erst mit Gelbfieber oder Typhus, sondern mit dem Grundschutz. „Eine Reise – egal wohin – ist immer eine gute Gelegenheit für einen generellen Impfcheck. Der beste Reiseimpfschutz hilft schließlich nur begrenzt, wenn grundlegende Standardimpfungen fehlen“, sagt Dr. med. Markus Frühwein, Facharzt für Allgemeinmedizin, Reise- und Tropenmedizin in München.
Vor der Reise sollte deshalb geprüft werden, ob die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standardimpfungen vollständig sind. Dazu gehören vor allem:
- Tetanus
- Diphtherie
- Pertussis (Keuchhusten)
- Poliomyelitis
- Masern
„Influenza, also Grippe, und COVID-19 sind immer noch die häufigsten Reiseerkrankungen, die durch Impfungen verhindert werden können“, ergänzt Frühwein. Je nach Alter und persönlicher Situation können deshalb weitere Impfungen dazukommen, etwa gegen:
- Influenza
- COVID-19
- Pneumokokken
- Herpes Zoster
- RSV
Welche Impfungen je nach Reiseziel wichtig werden können
Welche zusätzlichen Reiseimpfungen empfohlen werden, hängt vom Reiseziel ab – und von der Reiseart, der Unterkunft, der Dauer, der Jahreszeit und den persönlichen Risiken.
„Reiseimpfungen sind grundsätzlich für alle Menschen sinnvoll, die in Regionen reisen, in denen bestimmte Infektionskrankheiten häufiger vorkommen als bei uns“, so Dr. Frühwein. „Besonders wichtig ist eine individuelle Beratung bei Fernreisen, längeren Aufenthalten, Reisen unter einfachen Bedingungen oder in ländliche Regionen. Vor allem Regionen mit eher warmen klimatischen Bedingungen sind hier betroffen.“
Fernreisen und Tropenregionen
„Für Reisen nach Afrika, Asien oder Lateinamerika kommen je nach Region Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, Tollwut, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, Dengue, Chikungunya, Meningokokken oder Cholera infrage. Zusätzlich muss in bestimmten Regionen das Malariarisiko berücksichtigt werden“, sagt der Experte.
Dazu kommt: Manche Impfungen sind nicht nur medizinisch ratsam, sondern für die Einreise in bestimmte Länder vorgeschrieben. Das gilt je nach Land etwa für Gelbfieber oder in bestimmten Situationen auch für Meningokokken und Polio.
Europa und Mittelmeerregion
Auch Reisen innerhalb Europas sind nicht automatisch von Risiken frei, warnt Dr. Frühwein. In Teilen des Mittelmeerraums kann Hepatitis A relevant sein. In vielen europäischen Regionen, darunter auch den südlichen Bundesländern Deutschlands, kommt FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) durch Zecken vor. Wo die FSME-Risikogebiete liegen, zeigt die Karte des Robert Koch-Instituts.
„Hinzu kommen durch Mücken übertragene Infektionen wie Dengue-Fieber und Chikungunya, deren Verbreitungsgebiete auch in Europa zunehmen“, ergänzt der Reisemediziner.
Je nach Reiseart müssen weitere Faktoren bedacht werden. Ein kurzer Abenteuertrip mit vielen Mückenstichen in Westeuropa kann mitunter riskanter sein als ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem klimatisierten Hotel in Asien. „Deshalb betrachten wir in der reisemedizinischen Beratung nicht nur die Frage ‚Wohin reisen Sie?‘, sondern auch die Frage ‚Wie reisen Sie?‘“, fasst der Experte zusammen.
„Nicht alle Reiseziele sind für jede und jeden geeignet“, betont Dr. Frühwein. Bei diesen Gruppen geht es nicht nur darum, welche Impfungen notwendig sind. Es muss auch geprüft werden, welche Impfstoffe sicher eingesetzt werden können und ob eine ausreichende Immunantwort zu erwarten ist.
Wer regelmäßig Medikamente braucht, sollte zusätzlich klären, ob die Menge für die gesamte Reise ausreicht, wie die Präparate transportiert und gelagert werden müssen und ob geeignete medizinische Dokumente für den Notfall vorhanden sind.
So läuft eine reisemedizinische Beratung ab
Eine gute Beratung ist im Kern eine persönliche Risikoanalyse, erklärt der Reisemediziner. Besprochen werden das genaue Reiseziel, die Route, die Aufenthaltsdauer, die Jahreszeit und die Art der Unterkunft. Auch geplante Aktivitäten fließen in die Risikobewertung ein.
Danach folgt der Blick auf die gesundheitliche Situation: Alter, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Schwangerschaft oder Kinderwunsch. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Impf- und Vorsorgeplan erstellt. „Je nach Reiseziel besprechen wir außerdem Themen wie Malaria, Mückenschutz, Durchfallerkrankungen, Höhenmedizin, Thromboserisiko, Sonnenschutz und die Reiseapotheke“, ergänzt Dr. Frühwein.
Zum Termin sollten Reisende möglichst mitbringen:
- Impfpass oder andere Impfnachweise, auch in digitaler Form
- eine möglichst genaue Reiseroute
- bei Vorerkrankungen eine aktuelle Medikamentenliste
Ein praktischer Expertentipp: Fotografieren Sie Ihren Impfpass am besten zusätzlich und speichern Sie ihn digital.
Die Impfdaten können inzwischen problemlos in Ihrer elektronischen Patientenakte (ePA) dokumentiert werden. Zugriff auf die ePA haben Sie mit der IKK classic-ePA-App.
Wie früh sollte man sich vor einer Reise beraten lassen
Ideal ist ein Termin sechs bis acht Wochen vor der Abreise. Dann bleibt genug Zeit, um notwendige Impfserien durchzuführen und einen guten Impfschutz aufzubauen.
Trotzdem lohnt sich selbst eine kurzfristige Beratung. „Auch wenige Tage vor der Abreise können viele Impfungen noch sinnvoll sein“, so der Experte. „Bei manchen Impfstoffen reicht schon eine Dosis für einen relevanten Schutz, für andere gibt es beschleunigte Impfpläne. Mein Rat ist deshalb: Auch bei einer Last-Minute-Reise sollten Reisende nicht denken, dass es ohnehin zu spät sei. Es ist besser, sich spät beraten und impfen zu lassen als gar nicht.“
Wichtig zu wissen: Einige Impfungen, zum Beispiel gegen Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, Tollwut oder Hepatitis B, erfordern einen längeren Zeitraum von zehn Tagen bis drei Wochen vor der Abreise.
Welche Reaktionen nach einer Impfung normal sind
Die gute Nachricht: Die meisten Impfungen werden gut vertragen. „Typisch sind Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen sowie leichtes Fieber können auftreten. Solche Reaktionen sind meist harmlos und klingen schnell wieder ab“, sagt Dr. Frühwein.
Bei manchen Lebendimpfungen, etwa gegen Gelbfieber oder Dengue-Fieber, können Nebenwirkungen jedoch verzögert – eine bis zwei Wochen nach der Impfung – auftreten. Das sollte bei der Planung berücksichtigt werden.
Sich ärztlichen Rat einzuholen, ist sinnvoll, wenn Beschwerden ungewöhnlich stark sind, mehrere Tage anhalten oder sich verschlimmern. Sofortige Hilfe ist erforderlich bei Atemnot, starken Schwellungen im Gesichts- oder Halsbereich oder Kreislaufproblemen. „Solche schweren Reaktionen sind allerdings sehr selten“, betont der Reisemediziner.
Fazit: Warum Impfungen vor einer Reise so wichtig sind
Ein guter Reiseschutz beginnt nicht erst am Flughafen, sondern beim Blick in den Impfpass. Zuerst sollte der Grundschutz stimmen, danach folgt die individuelle Empfehlung je nach Ziel und Reiseart. Manche Impfungen wirken nicht sofort, andere benötigen mehrere Dosen. Deshalb gehört ein Impfcheck schon früh auf die Reise-Checkliste. Wer sich rechtzeitig beraten lässt und Lücken schließt, schützt sich selbst – und senkt das Risiko, Infektionen aus dem Urlaub mit nach Hause zu bringen.
FAQ
Können Reiseimpfungen auch kurzfristig vor dem Abflug noch sinnvoll sein?
Ja. Viele Impfungen wie gegen Hepatitis A, Tetanus oder Diphtherie-Auffrischungen können kurzfristig noch sinnvoll sein. Allerdings können mögliche Nebenwirkungen dann in die Reisezeit fallen. Ob sich die Impfung kurz vor der Abreise noch lohnt, sollte am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt abgewogen werden.
Werden Reiseimpfungen von der IKK classic übernommen?
Ja, die IKK classic übernimmt die Kosten für alle von der STIKO empfohlenen Reiseschutzimpfungen. Gezahlt werden der Impfstoff abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung sowie die ärztlichen Leistungen nach Vertragssatz.
Wo bekommt man eine reisemedizinische Beratung?
Eine reisemedizinische Beratung bekommt man bei Tropen- und Reisemedizinerinnen und -medizinern, in Tropeninstituten, reisemedizinischen Zentren oder bei Hausärztinnen und Hausärzten mit Zusatzqualifikation. Auch die kostenlose medizinische Beratungshotline IKK Med bietet Unterstützung.
Reicht der digitale Impfpass auf Reisen aus?
Oft ja, aber nicht immer ausschließlich. Innerhalb der EU kann der digitale Impfpass ausreichen, sofern er zum Reisedatum noch gültig ist und das Zielland ihn akzeptiert. Außerhalb der EU können andere Regeln gelten. Prüfen Sie deshalb vor der Abreise die Länderhinweise.
Was tun, wenn der Impfpass vor dem Urlaub verloren geht?
Wenn der Impfpass verloren geht, lassen sich viele Impfungen über Arztpraxen, alte Unterlagen oder digitale Nachweise wiederfinden. Überlegen Sie zunächst, wann und wo Sie zuletzt geimpft wurden. Fragen Sie in Ihrer Hausarzt- oder Kinderarztpraxis nach. Schauen Sie außerdem in alten Unterlagen oder Impfbescheinigungen nach. Prüfen Sie auch, ob Ihre Krankenkasse Ihre Impfungen gespeichert hat. Lassen Sie sich schließlich einen neuen Impfpass ausstellen.
Quellenangaben
- stiko-web-app.de: Standard- und Indikationsimpfungen
- rki.de: Karte der FSME-Risikogebiete
- stiko-web-app.de: Reiseländer Impfungen
- auswaertiges-amt.de: Reise- und Sicherheitshinweise
- tropeninstitut.de: Länderauswahl direkt über die Weltkarte
- tropeninstitut.de: Impfungen bei Last-Minute-Reisen