Klimawandel und Gesundheit: Folgen von Hitze bis Allergien

Redaktion
IKK classic

Schmelzende Polkappen, steigende Meeresspiegel und mehr Extremwetterlagen – die Folgen des Klimawandels sind an vielen Orten der Welt deutlich zu spüren. Die globale Erwärmung hat aber auch vielfältige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881 hat sich Deutschland laut Deutschem Wetterdienst auf Basis der aktuellen Klimatrendlinie um etwa 2,5 Grad Celsius erwärmt; global lag die Erwärmung im Zeitraum 2011 bis 2020 bei rund 1,1 Grad Celsius gegenüber 1850 bis 1900. Diese Erwärmung bleibt für den Menschen nicht ohne Folgen. Extremwetterlagen wie Dauerregen führen zu Flutkatastrophen, anhaltende Dürre belastet die Land- und Forstwirtschaft, Hitzewellen häufen sich – und extreme Hitze hat unmittelbare Folgen für unsere Gesundheit.

Ein gesunder Körper kann sich an Hitze anpassen – bis zu einem gewissen Grad

Mit der Frage, inwieweit der fortschreitende Klimawandel die menschliche Gesundheit direkt beeinträchtigen wird, beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt seit Jahren. Die Ergebnisse ihrer Studien haben sie im von Fachleuten weltweit anerkannten Medizinjournal "The Lancet" vorgestellt. Auch das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium informieren online über die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels.

Fest steht: Ein gesunder menschlicher Organismus kennt Regulatoren, um hohen Temperaturen gegenzusteuern. Die Blutgefäße in der Haut weiten sich, der Schweiß auf der Hautoberfläche sorgt für Verdunstungskälte. So schafft es der Körper, die überschüssige Wärme nach außen zu leiten und seine Kerntemperatur konstant auf 36,5 bis 37,5 Grad Celsius zu halten.

Doch die Fähigkeit zur Anpassung hat auch ihre Grenzen, denn anhaltende Hitzeperioden versetzen den Organismus in Dauerstress. Besonders belastend für Herz und Kreislauf ist es, wenn die Hitze mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und Windstille einhergeht. Die Zunahme sogenannter tropischer Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt, begünstigt Schlafstörungen und Gereiztheit; hohe Temperaturen werden zudem mit aggressiverem Verhalten in Verbindung gebracht.

Lange Hitzeperioden fördern physische und psychische Erkrankungen

Ein gestörter Schlaf führt auch zu Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Ein Aspekt, der auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht unterschätzt werden sollte. Denn die Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hat auch Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit, zudem steigt das Unfallrisiko. Auch psychische Beschwerden können sich während Hitzewellen verschlechtern und die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen.

Kurzum, anhaltende Hitze beeinträchtigt das allgemeine psychische Wohlbefinden. Doch die klimatischen Veränderungen haben auch indirekte Folgen für die Gesundheit Einzelner oder bestimmter Bevölkerungsgruppen. Extreme Wetterlagen, Dürreperioden oder Überschwemmungen vernichten Ernten und entziehen vielen Menschen ihre Existenz. Die Folgen sind Mangelernährung, Krankheiten und psychische Erkrankungen. Schlechte gesundheitliche Lebensbedingungen und Armut führen zudem zu gesellschaftlichen und politischen Konflikten und zwingen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Klimaangst: Wenn der Klimawandel psychisch belastet

Klimaangst bezeichnet Sorgen, Hilflosigkeit oder Trauer angesichts der Klimakrise. Solche Gefühle sind zunächst eine nachvollziehbare Reaktion und nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Werden Schlaf, Alltag oder Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Soziale Kontakte, verlässliche Informationen und konkretes gemeinschaftliches Handeln können helfen, das Gefühl von Ohnmacht zu verringern. Nach Extremwetterereignissen sollten Betroffene zudem frühzeitig psychosoziale Hilfsangebote erhalten.

Alte, Kranke und Kinder sind durch Hitze besonders gefährdet

Schätzungen zufolge starben im sogenannten Hitze-Sommer 2003 in Europa mehr als 70.000 Menschen zusätzlich infolge der extremen Hitze. Ältere Menschen, insbesondere Hochbetagte, und Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen oder Organschäden sowie Säuglinge und kleine Kinder unter vier Jahren gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen.

Ihr Organismus hat größere Schwierigkeiten, auf die hohen Temperaturen zu reagieren. Sie haben deshalb auch ein erhöhtes Risiko, Hitzekrämpfe oder einen Hitzschlag zu erleiden. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann dazu führen, dass die Thermoregulation des Körpers eingeschränkt ist. Hierzu gehören etwa Arzneimittel, die auf den Kreislauf, den Wasser- und Elektrolythaushalt oder das Nervensystem wirken. Medikamente sollten bei Hitze jedoch niemals ohne ärztliche oder pharmazeutische Rücksprache verändert werden.

Neue Infektionskrankheiten möglich

Durch den Klimawandel können sich die Bedingungen für krankheitsübertragende Stechmücken verändern. Die Asiatische Tigermücke hat sich inzwischen an mehreren Orten in Deutschland lokal etabliert; sie vermehrt sich vor allem in kleinen Wasseransammlungen im Siedlungsraum. Sie kann unter geeigneten Bedingungen Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen. Lokale Übertragungen dieser Viren durch Mücken wurden in Deutschland bislang nicht festgestellt. Das West-Nil-Virus wird dagegen seit 2019 auch in Deutschland durch heimische Culex-Mücken auf Menschen übertragen; die meisten Infektionen verlaufen symptomlos.

Gegen einige vektorübertragene Krankheiten gibt es keine Impfung oder spezifische Therapie. Mückennetze, Repellents und das Entfernen kleiner Wasseransammlungen schützen vor Mückenstichen und Brutstätten.

Das Risiko einer großflächigen Verbreitung der tropischen Infektionskrankheit Malaria hierzulande schätzen Experten als gering ein, da der Klimawandel nur einer von mehreren Faktoren sei, die hierfür zusammenspielen müssten.

Zeckenstiche: Vorbeugen ist der beste Schutz

Ein wärmeres Klima kann Aktivitätszeiten und Verbreitung bestimmter Zeckenarten verändern. Der Gemeine Holzbock überträgt unter anderem Borreliose-Bakterien und das FSME-Virus. Zudem werden seit 2018 wiederholt eingeschleppte Hyalomma-Zecken gefunden, die potenziell Rickettsien oder das Virus des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers übertragen können. Ein Vorkommen der Zecke bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie einen dieser Erreger trägt.

Gegen Zecken helfen geschlossene Kleidung, Repellents, das Absuchen des Körpers und eine rasche Entfernung festgesogener Tiere. In FSME-Risikogebieten kann außerdem eine Impfung sinnvoll sein.

Zunehmende Mehrbelastung für Menschen mit Allergien und Asthma

Kürzere und wärmere Winter verlängern die Blütezeiten vieler Pflanzen – und damit auch den Pollenflug. Keine gute Nachricht also für all jene Menschen, die unter Heuschnupfen leiden. Zudem begünstigt der Klimawandel auch die Ausbreitung nicht-heimischer allergieauslösender Gewächse wie dem Beifußblättrigen Traubenkraut, lateinisch Ambrosia artemisiifolia. Die Ambrosia gilt als hochallergen: Schon geringe Pollenkonzentrationen können Beschwerden auslösen; eine einzelne Pflanze produziert sehr große Mengen Pollen. Luftschadstoffe können allergische Reaktionen zusätzlich beeinflussen und Atemwegsbeschwerden verstärken. Dies trifft besonders Allergiker, aber auch Kleinkinder und Lungenkranke.

Auch andere allergene Belastungen können in warmen, trockenen Jahren zunehmen. Dazu gehört der Eichenprozessionsspinner, dessen Raupen feine Brennhaare mit dem Eiweiß Thaumetopoein tragen. Die Haare können Hautreizungen, Augen- und Atemwegsbeschwerden auslösen; selten sind schwere allergische Reaktionen möglich. Alte Gespinstnester bleiben eine Gefahrenquelle, weil die Brennhaare lange wirksam sind.

Therapie bei Asthma bronchiale

Die IKK classic unterstützt Menschen mit Asthma bronchiale mit dem strukturierten Behandlungsangebot IKK Promed.

Umdenken in allen Lebensbereichen notwendig

Hitzeaktionspläne seitens der Regierung, der Ausbau des Gesundheitssystems, aber auch innovative Ideen bei der Städteplanung und im Wohnbau sind nötig, um den neuen Gefahren für die Gesundheit infolge des Klimawandels begegnen zu können.

Der Sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) zeigt, dass rasche und anhaltende Emissionsminderungen nötig sind, um die Erwärmung zu begrenzen. Das Pariser Abkommen verfolgt das Ziel, den Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad Celsius zu halten und Anstrengungen für eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius zu unternehmen. Wie stark die Risiken künftig steigen, hängt wesentlich von den weiteren Emissionen und der Anpassung ab.

Hierfür sind nicht nur Maßnahmen auf Bundesebene wichtig, auch Unternehmen können etwas für mehr Nachhaltigkeit tun – und wir alle als Privatpersonen. Schon kleine Dinge können etwas bewirken: zum Beispiel weniger Lebensmittel wegwerfen oder nachhaltige Putzmittel verwenden. Oder lassen Sie öfter mal das Auto stehen und nutzen stattdessen das Fahrrad.

Traumjob: Das Klima retten!

Auch im Job lässt sich aktiv etwas für mehr Nachhaltigkeit tun. Wie das geht, klären Marco und Lucas mit den Gästen in Folge 13.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Was ist eine tropische Nacht?

Von einer tropischen Nacht spricht man, wenn die niedrigste Lufttemperatur zwischen 18 und 6 Uhr nicht unter 20 Grad Celsius fällt. Solche Nächte erschweren die nächtliche Erholung und können den Körper zusätzlich belasten.

Welche Symptome deuten auf einen Hitzschlag hin?

Warnzeichen sind eine Körpertemperatur über 40 Grad Celsius, heiße Haut, Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit. Ein Hitzschlag ist ein Notfall: Rufen Sie sofort 112 und kühlen Sie die betroffene Person.

Was sollte man während einer Hitzewelle tun?

Meiden Sie die größte Tageshitze, trinken Sie regelmäßig Wasser und halten Sie Wohnräume möglichst kühl. Achten Sie besonders auf ältere, kranke oder alleinlebende Menschen in Ihrem Umfeld.

Kann die Tigermücke in Deutschland Krankheiten übertragen?

Die Tigermücke kann grundsätzlich Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen, benötigt dafür aber einen eingeschleppten Erreger und geeignete Bedingungen. Lokale Übertragungen dieser Viren durch Mücken wurden in Deutschland bislang nicht festgestellt.

Welche Medikamente können bei Hitze problematisch sein?

Besondere Vorsicht gilt unter anderem bei entwässernden, blutdrucksenkenden oder die Temperaturregulation beeinflussenden Arzneimitteln. Änderungen der Einnahme oder Dosierung dürfen nur nach ärztlicher oder pharmazeutischer Rücksprache erfolgen.

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Veröffentlicht am 30.07.2026

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