Was ist eine Sehnenscheidenentzündung und wie entsteht sie?
Sehnen verbinden Muskeln mit den Knochen. An stark belasteten Stellen verlaufen sie in einer schützenden Hülle, der Sehnenscheide, in der eine schmierende Flüssigkeit sitzt. So gleitet die Sehne normalerweise problemlos hin und her.
Wird diese Struktur immer wieder überlastet, reagiert sie empfindlich: Die Sehnenscheide schwillt an, entzündet sich und jede Bewegung schmerzt. So entsteht eine Sehnenscheidenentzündung, oder medizinisch Tendovaginitis genannt. „Es handelt sich also nicht um eine ‚klassische Entzündung‘ durch Keime, sondern um eine Überlastungsreaktion“, erklärt Prof. Dr. med. Sandra Utzschneider, Fachärztin für Orthopädie in München. „Häufig betroffen sind Hand und Handgelenk, insbesondere bei einseitigen Tätigkeiten.“
Überall dort, wo die Hände über Stunden hinweg die gleichen Bewegungen ausführen müssen, steigt das Risiko: im Büro, in der Pflege, in der Produktion und im Handwerk. Auch intensives Musizieren mit einem Instrument kann zu Überlastung führen.
„Die häufigste Ursache ist eine monotone, sich ständig wiederholende Bewegung – insbesondere bei Bildschirmarbeit, Mausnutzung oder intensiver Smartphone-Nutzung. Insgesamt sehen wir heute deutlich mehr Fälle durch digitale Dauerbelastung“, so die Orthopädin. „Auch Handwerkerinnen und Handwerker, die wiederholte Greif- oder Drehbewegungen ausführen, sind stark betroffen. Ein weiterer Risikofaktor ist eine ungünstige Ergonomie am Arbeitsplatz, etwa eine falsche Handhaltung.“
Zusätzlich begünstigen bestimmte Vorerkrankungen wie Diabetes oder rheumatische Erkrankungen eine Sehnenscheidenentzündung. Ebenso spielen hormonelle Veränderungen eine Rolle, etwa in den Wechseljahren (Menopause) oder in der Schwangerschaft.