Mann erschöpft in der Autowerkstatt

Häufigste Gründe für Krankmeldung im Handwerk: So beugen Arbeitgebende Ausfällen vor

Gesunde Mitarbeitende bilden das Fundament eines Handwerksbetriebs. Doch der Trend zeigt, dass die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Jahr zu Jahr steigen. Die zunehmenden Krankmeldungen stellen Arbeitgebende vor große Herausforderungen. Wir verraten, mit welchen Maßnahmen Sie als Arbeitgeber die Gesundheit Ihrer Angestellten fördern und Fehlzeiten vermeiden können.

Ein Anstieg der Fehlzeiten ist auch im Handwerk zu verzeichnen: Das bestätigen die Zahlen aus der aktuellen Krankenstand- und Fehlzeiten-Analyse der IKK classic. Demnach stieg der Krankenstand im Handwerk auf 6,9 % (im Vergleich zu 5,5 % aus dem Vorjahr). Mehr als 70 % aller Arbeitnehmenden fielen im vergangenen Jahr mindestens einen Tag wegen Krankheit aus. Und dabei handelt es sich nur um die Fälle, bei denen auch eine Krankmeldung eingereicht wurde. Das ist ein Anstieg um fast 20 % im Vergleich zu den Vorjahren. „Das Jahr 2022 ist jedoch ein kompletter Sonderfall und schlecht mit den Vorjahren zu vergleichen“, sagt Petra Laux-Kern, die die Krankenstandsdaten der IKK classic im Bereich Prävention auswertet.

Dieser sprunghafte Anstieg hängt zum einen mit dem Coronavirus und dem Wegfall der Hygienemaßnahmen zusammen. 10,2 % aller Krankheitstage fielen im Jahr 2022 auf Covid-19 zurück. Doch auch der Anteil der anderen Atemwegserkrankungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 22,4 % verdoppelt. „Das ist jedoch kein Branchenproblem“, verdeutlicht Petra Laux-Kern, „sondern findet sich überall wieder.“

Krankenstand und Fehlzeiten-Analyse

Wer die Ursachen für die Fehlzeiten in seinem Unternehmen kennt, kann durch entsprechende Maßnahmen systematisch für die Gesundheit seiner Mitarbeiter sorgen. Mehr zur Fehlzeiten-Analyse

Jeder Beschäftigte fehlt im Durchschnitt 25 Tage

Doch auch wenn das Jahr 2022 ein Sonderfall war, sind die Entwicklungen beunruhigend. Bei einem Blick auf die absoluten Zahlen sind die Ausfalltage wegen Krankheit erneut gestiegen. Im Durchschnitt wies jeder Versicherte 25,3 Fehltage auf. „Das hängt auch mit dem demografischen Wandel zusammen“, erklärt Petra Laux-Kern.

Auch der Fachkräftemangel spielt mit hinein. Arbeitgebende tun sich zunehmend schwer, geeigneten Handwerker-Nachwuchs zu finden. In der Regel gilt: Ältere Arbeitnehmende melden sich zwar seltener krank, fallen dafür im Durchschnitt jedoch länger aus. Die Gründe dafür sind die im Alter zunehmenden Verschleißerscheinungen und altersbedingte Krankheiten.

In Handwerksberufen sind klassischerweise die Muskel- und Skelettverletzungen der häufigste Grund für eine Krankschreibung. Darauf gingen im vergangenen Jahr 29,6 % der Krankschreibungen zurück. Dort ist auch die Ausfallzeit meist deutlich länger. Als Beispiel nennt Petra Laux-Kern den Bandscheibenvorfall. Wer ernsthaft verletzt ist, erscheint für längere Zeit nicht bei der Arbeit. Wer sich zum Beispiel "nur" eine Erkältung eingefangen hat, ist in der Regel nach ein paar Tagen wieder fit.

Betriebliches Gesundheitsmanagement kann lange Fehlzeiten verhindern

Da lohnt es sich, gezielt einer langfristigen Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen. „Auch Arbeitgebende können das Thema Prävention aktiv angehen und so die Gesundheit der Beschäftigten fördern“, sagt Katja Keller-Landvogt, die sich im Bereich Prävention der IKK classic mit der Weiterentwicklung von Angeboten für Betriebe befasst. Doch nur, wer die Ursachen für Fehlzeiten in seinem Betrieb kennt, kann auch dagegen vorgehen.

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) bietet die IKK classic verschiedene Analyseinstrumente, um die betriebliche Situation zu erfassen – unter anderem die Fehlzeitenanalyse. Dafür kommt eine IKK Gesundheitsmanagerin oder ein IKK Gesundheitsmanager im Unternehmen vorbei, um Arbeitgebende zu unterstützen und gezielte Maßnahmen zur gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmenden zu entwickeln. Dabei werden die Beschäftigten mit einbezogen.

Es gibt in der Regel drei Bereiche, in denen diese Maßnahmen angesiedelt sind. Der erste ist die sogenannte Verhältnisprävention. „Ein Beispiel ist die ergonomische Lagerung von Materialien", erklärt Katja Keller-Landvogt. Um die Wirbelsäule zu entlasten und Rückenschmerzen vorzubeugen, sollten schwere Gegenstände immer auf Höhe des Oberkörpers gelagert werden – und nicht ganz unten oder oben. Der zweite Baustein sind Trainings und Seminare für ein gesundes Verhalten am Arbeitsplatz. Dazu gehören ganz klassisch ergonomisches Tragen und Heben oder auch Sitzen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) umfasst alle systematisch geplanten und umgesetzten Maßnahmen von Betrieben und ihren Beschäftigten zur Verbesserung der Gesundheit am Arbeitsplatz. Mehr zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Auch das Freizeitverhalten der Belegschaft spielt eine Rolle

Die dritte Säule der Trainings und Seminare, die von der IKK classic kostenfrei im Betrieb angeboten werden, ist das Freizeitverhalten. Dabei geht es nicht darum, seinen Mitarbeitenden Hobbys zu verbieten, sondern sie zur Bewegung zu motivieren. Dies können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beispielsweise mit einem Betriebssportangebot oder einer vergünstigten Mitgliedschaft im Fitnessstudio unterstützen.

„Handwerkerinnen und Handwerker haben im Berufsalltag natürlich sehr viel Bewegung – und das ist auch gut so“, betont Katja Keller-Landvogt. „Oftmals ist das jedoch eine einseitige Bewegung, wodurch Dysbalancen entstehen. Um diese auszugleichen, ist es wichtig, sich auch in der Freizeit zu bewegen.“ Das beugt vielen strukturellen Erkrankungen vor.

„Viele Arbeitgebende sagen, dass es sie nichts angehe, was ihre Arbeitnehmenden in der Freizeit machen“, sagt Katja Keller-Landvogt. Doch diese Ansicht gilt längst als überholt. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wird die Arbeitsfähigkeit der vorhandenen Mitarbeitenden immer wichtiger. Langfristig zahlt es sich aus, wenn Arbeitgebende sich aktiv dafür einsetzen.“

Betriebliches Eingliederungs- management (BEM)

Betriebliches Eingliederungsmanagement hilft dabei, erkrankte Beschäftigte möglichst schnell zu rehabilitieren und einem erneuten Ausfall vorzubeugen. Mehr zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement

Stress und Konflikte können krank machen

Eine weitere Ursache für eine besonders lange Arbeitsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen. Auch diese treten immer häufiger auf. Zwar hat eine Umfrage der IKK classic jüngst ergeben, dass Handwerkerinnen und Handwerker überdurchschnittlich glücklich sind in ihrem Beruf, dennoch nimmt auch hier die Zahl der psychischen Erkrankungen stetig zu.

Ursachen dafür können zu viel Stress oder Konflikte im Team sein. Das kann einen Menschen zermürben. Auch ein schlechtes Betriebsklima ist ein häufiger Grund für eine Krankmeldung. Sie ist für Arbeitnehmende oftmals das letzte Mittel, um Stress oder Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen.

„Ein erster wichtiger Schritt, um im besten Fall eine Krankmeldung zu vermeiden, ist das Tabu zu brechen“, erklärt Katja Keller-Landvogt. „Da dürfen die Führungskräfte gerne den ersten Schritt machen und auf ihre Mitarbeitenden zugehen, wenn sie merken, dass diese überlastet wirken.“

Auch hier bietet die IKK classic im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Hilfestellungen für Unternehmen an. Ein guter Tipp ist, ganz bewusst zusätzliche Ressourcen aufzubauen, die Stress abpuffern können und die Gesundheit fördern. Eine ganz effektive Möglichkeit ist zudem, Wertschätzung zu zeigen: „Wertschätzung kostet nichts, wirkt sich aber enorm positiv auf die Psyche und die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus.“

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