DIY-Hobbys: Warum Töpfern, Keramik und Co. guttun

Redaktion
Oleksandra Silik

Ton an den Fingern, Fäden in der Hand, Farbe auf der Haut: Kreative Handarbeit ist mehr als ein Trend. Wenn du töpferst oder bastelst, gönnst du dir nicht nur eine Pause vom ewigen Scrollen. Studien zeigen, dass kreative Hobbys Stress senken, die Stimmung heben und sogar das Gehirn fit halten. Warum das so ist und wie du mit DIY-Ideen etwas für dein Wohlbefinden tun kannst, erfährst du hier.

Kreative Handarbeit wirkt wie ein frischer Wind für deine mentale Gesundheit. Gerade in den sozialen Medien erleben Offline-Hobbys eine neue Beliebtheit. Eine internationale Analyse mit über 93.000 Teilnehmenden bestätigt: Das regelmäßige Ausüben von Hobbys geht mit weniger depressiven Symptomen, mehr Lebenszufriedenheit und besserer Selbstwahrnehmung einher, unabhängig von Alter oder Herkunft. In bestimmten Gehirnbereichen, die besonders stark vom Alterungsprozess betroffen sind, zeigen sich zudem bei kreativen Menschen eine erhöhte Aktivität und bessere Vernetzung. Dadurch bleibt das Gehirn länger fit und anpassungsfähig.

Warum DIY & Handwerks-Hobbys bei jungen Leuten boomen

Do-it-Yourself, kurz DIY: Workshops, Keramikstudios, offene Werkstätten – gerade jüngere Menschen zieht es wieder an die Werkbank statt nur an den Bildschirm. Für die Kunsttherapeutin Corina Beurenmeister, Diplom-Designerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, ist das kein Zufall: „Der Bedarf an kreativen, haptischen Tätigkeiten ist bei jungen Menschen im Moment unglaublich hoch, weil ein großer Teil ihres Lebens digital stattfindet.“

Scrollen, Tippen, Klicken beansprucht zwar die Hände, aber richtig angefasst und gespürt wird dabei kaum etwas. Es fehlt das Gewicht eines Werkzeugs, die Temperatur von Ton, die Struktur von Holz. „Wenn man viel am Bildschirm arbeitet, ist das immer ein Stück theoretischer und entfernter. Man ist weniger im Kontakt mit der realen Welt um einen herum. Ältere Menschen erleben solche haptischen Momente oft noch stärker im Alltag durch Gartenarbeit, Kochen, Backen oder handwerkliche Berufe“, beobachtet Beurenmeister. „Je mehr wir uns digitalisieren, desto größer wird das Bedürfnis nach etwas Greifbarem in den Händen.“

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Weshalb kreative Hobbys Stress abbauen und das Wohlbefinden fördern

Sobald die Hände etwas formen, schneiden, malen oder zusammenfügen, passiert auch spürbar etwas im Kopf. Die rhythmischen Bewegungen, wie etwa beim Stricken, beruhigen. Ein Zusammenspiel von Farben und Keramik löst Emotionen aus und stärkt die Achtsamkeit. Wenn man etwas Eigenes kreiert, fühlt sich das an wie ein kleines Stück Kontrolle im Chaos des Alltags. Corina Beurenmeister erklärt: „Die Haptik ist unser ganz primärer Sinn. Das ist der erste Sinneseindruck, den wir schon im Mutterleib erleben, bevor wir die Augen öffnen oder mit Menschen sprechen. Über unsere Hände, also über den Tastsinn, sind wir direkt mit der Welt und auch mit unseren Gefühlen verbunden.“

Das Schöne daran: Es geht nicht um das perfekte Ergebnis, sondern um den Prozess. Vielleicht kennst du das auch, wenn du völlig in einer Tätigkeit versunken bist – den sogenannten Flow-Zustand. Zeit und Außenwelt treten in den Hintergrund. Alles konzentriert sich auf das, was du im Moment machst. Das wirkt wie eine mentale Atempause. „Der Haupteffekt besteht darin, dass man zum Beispiel negative Gedankenspiralen, Grübeleien, negative Erinnerungen oder auch angstbesetzte Erwartungen an die Zukunft in dem Moment ganz vergessen kann. Es ist, als wird im Kopf eine Pausentaste gedrückt", so Corina Beurenmeister.

Gerade bei Depression und Angst ist der erste Schritt auf etwas Neues zu oft das größte Problem: „Dabei verfallen viele Menschen in eine Art Starre“, erklärt die Kunsttherapeutin. „Wenn wir aber über den Körper und die Hände ins Tun kommen, lässt sich diese Antriebslosigkeit eher überwinden.“

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Wichtig:

Nicht jede Krise lässt sich mit ein bisschen Stricken oder Basteln auffangen. Kreative Hobbys können zwar viel zur Stabilisierung beitragen, ersetzen aber keine professionelle Hilfe, wenn der Leidensdruck zu groß ist. „Die meisten Menschen kommen erst dann mit Kunsttherapie in Berührung, wenn sie schon in einer Klinik sind und mehr Hilfe brauchen. Es gibt aber auch prophylaktische Projekte, in denen Menschen zum Beispiel in eine ambulante Kunstgruppe gehen können,“ so Beurenmeister. „Schon die Tatsache, einmal pro Woche das Haus zu verlassen, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und neue Anregungen zu bekommen, hat eine therapeutische Wirkung.“

Welche kreativen Hobbies passen zu dir?

Es gibt unendlich viele DIY-Ideen, mit denen du direkt allein zu Hause, in der Werkstatt oder in einem Atelier starten kannst:

  • Keramik und Ton:

    Schalen formen, Becher modellieren, kleine Figuren kneten.

  • Textil und Papier:

    Nähen, Quilten, einfache Bastelideen mit Papier – etwa Collagen, Scrapbooking, Journaling oder Notizbücher binden.

  • Holz und Heimwerken:

    Regale bauen, Möbel abschleifen und neu lackieren, alte Stücke reparieren.

Die Kunsttherapeutin rät vor allem zum Gestalten mit Ton: „Die ganze Hand ist beteiligt, das Material antwortet. Wenn du viel Druck ausübst, spürst du einen Widerstand; wenn du sanft arbeitest, erlebst du Weichheit. Je nach Energie, die du hineinsteckst, reagiert der Ton unterschiedlich.“

Ein weiterer Vorteil: Ton nimmt den Druck, perfekt zu sein. Du kannst ständig verändern, neu kneten, umformen, das betont Beurenmeister: „Für mich ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Kunsttherapie die Möglichkeit zu experimentieren – und auch scheitern zu dürfen oder das Ziel zu ändern. So erleben Menschen: ‚Ich kann flexibel mit etwas umgehen, es muss nicht so oder so werden‘. Diese Selbstwirksamkeit ist ein ganz zentraler Begriff.“

Zurück in die Kindheit: So findest du dein Hobby

Du willst loslegen, weißt aber nicht womit? Dein Körper weiß es oft längst. „Schließ einmal die Augen und versetz dich in deine Kindheit, z. B. in die Grundschule oder den Kindergarten“, schlägt Beurenmeister vor. Frage dich: Womit hast du früher stundenlang gespielt? Mit Sand, Wasser, Klickbausteinen, Knete? Hast du Höhlen gebaut oder Dinge auseinander- und wieder zusammengeschraubt? „Knüpf genau dort wieder an. Damit kannst du nichts falsch machen. Das ist alles kreativ.“

Wo du loslegen kannst: Offene Werkstätten in der Stadt

Nicht jede Wohnung hat Platz für eine Drechselbank oder einen Brennofen. Doch es gibt Orte, an denen DIY-Projekte ausdrücklich erwünscht sind wie offene Werkstätten. Sie sind nicht nur praktisch, sondern auch sozial: Ein Treffpunkt, an dem man schnell miteinander ins Gespräch kommt, Ideen tauscht, gemeinsam scheitert und voneinander lernt. Hier nur einige Beispiele:

  • In München etwa bietet das Haus der Eigenarbeit offene Werkstätten für Holz, Metall, Papier, Textil, Polstern, Schmuck und Keramik. Maschinen und Werkzeuge werden auch verliehen.

  • In Berlin gibt es Hobbytischlereien und Nachbarschaftswerkstätten: freie Werkbänke, Profi-Maschinen, fachliche Unterstützung – perfekt, um Möbel selbst zu machen, zu reparieren oder Upcycling-Projekte umzusetzen.

  • Du suchst nach einer offenen Werkstatt in deiner Nähe? Auf der Online-Karte des Verbunds Offener Werkstätten e. V. findest du ganz einfach den passenden Ort, um deine kreativen Ideen in die Tat umzusetzen. Aktuell umfasst der Verbund mehr als 500 Mitgliedswerkstätten – in Essen, Dresden, Hamburg und an vielen weiteren Orten in Deutschland.

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Vom Hobby zum Beruf: Wie DIY die Lust auf Handwerk wecken kann

Erlebt man einmal, wie gut es tut, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, drängt sich früher oder später die Frage auf: Könnte ich das beruflich machen?  Handwerksberufe haben eine sehr gute Auftragslage, viele Betriebe suchen Nachwuchs. Doch ganz so einfach geht es nicht, denn Leidenschaft ersetzt keine Ausbildung. Fachkenntnisse, Abschlüsse oder Meistertitel sind je nach Bereich Pflicht.

Wenn du testen willst, ob aus deinem Hobby ein Beruf werden kann, helfen diese Tipps:

  • 1. Klein anfangen: Neben dem Hauptjob erste Aufträge oder Verkäufe annehmen – mit Zustimmung deines Arbeitgebers und unter Beachtung von Wettbewerbsregeln.

  • 2. Markt prüfen: Gibt es die Nachfrage für deine kreativen Ideen? Welche Preise verlangen andere? Wie voll sind deren Auftragsbücher?

  • 3. Kalkulieren: Material, Zeit, Werkstattmiete, Gebühren von Plattformen realistisch einpreisen. Die IHK und HWK bieten kostenlose Seminare, Webinare und Beratung zur Existenzgründung an – von Businessplan und Finanzierung bis hin zu Marketing und rechtlichen Fragen.

  • 4. Professionell auftreten: Ein klarer Firmenname (z. B. Kombination aus der Profession und dem Namen), eine seriöse E-Mail-Adresse, auch Online-Marketing wie eine einfache Website oder ein Social-Media-Profil mit guten Fotos deiner Arbeiten sind wichtig für den Start.

  • 5. Netzwerke aufbauen: Mit anderen Kreativen vernetzen, Kurse besuchen, in Werkstätten Kontakte knüpfen.

Du musst dein Hobby aber nicht direkt zum Beruf machen, damit es dein Leben verändert. Deine Lieblingsbeschäftigung darf auch einfach ein Hobby bleiben. Schon ein Abend pro Woche in der Keramikwerkstatt oder an der Nähmaschine kann genau das sein, was dein Kopf und deine Seele gerade brauchen.

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Oleksandra Silik

Veröffentlicht am 10.02.2026

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